Flugkapitän Sullenberger: "Man muss kein Held sein"

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Chesley Sullenberger, der Held vom Hudson, räumt mit seinem Image auf

New York - Seit seiner spektakulären Landung auf dem New Yorker Hudson River wird Chesley “Sully“ Sullenberger (58) als Held gefeiert. Jetzt korrigiert der Flugkaptän dieses Bild.

Jetzt korrigiert der Flugkapitän, der die 155 Menschen von US-Airways-Flug 1547 mit kühlem Kopf und einer fliegerischen Meisterleistung rettete, dieses Bild in seinen Memoiren. Er sei kein Held, sondern ein normaler Typ, Ehemann, Vater und Pilot, schreibt Sullenberger in seinem Buch “Man muss kein Held sein: Auf welche Werte es im Leben ankommt“. Was ihn auszeichnet, ist Mut, Verantwortungsbewusstsein und die Überzeugung, mit harter Arbeit an jedes Ziel zu kommen. “Ich wusste, dass ich es schaffen konnte“, sagt er im Rückblick auf den 15. Januar 2009.

An jenem verhängnisvollen Tag zerstören Wildgänse kurz nach dem Start in New York die beiden Triebwerke seines Airbus und zwingen ihn, zwischen den Wolkenkratzern der 15-Millionen-Metropole nach einer Landemöglichkeit zu suchen. Zum Glück hat Sullenberger schon 42 Jahre Flugerfahrung und fast 20 000 Stunden am Steuerknüppel hinter sich. Er traut sich, das Flugzeug zwischen Fähren und Frachtern auf dem eisigen Fluss aufzusetzen und hilft allen von Bord, bevor er selbst als Letzter die sinkende Maschine verlässt.

Einige Passagiere schreiben ihm später, sie hätten gespürt, wie wichtig ihm das Überleben jedes Einzelnen in seiner Obhut war. “Ganz ehrlich“, bekennt “Sully“ in der Autobiografie, “einer der Gründe, warum ich das Leben so sehr schätze, ist der Selbstmord meines Vaters“. Die Tatsache, dass er den eigenen Vater nicht vor dem Suizid bewahren konnte, treibe ihn an, “ein guter Samariter“ zu sein und sich umso härter für das Leben anderer Menschen einzusetzen.

Die schlimmsten Flugzeugabstürze

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“Sully“ Sullenberger wächst als Sohn eines Zahnchirurgen im ländlichen Texas auf. Mit fünf weiß er, dass nur eine Karriere im Cockpit für ihn infrage kommt. Gerade 16-jährig, noch als Schüler, nimmt er Flugstunden und stellt sich so geschickt an, dass ihn der Fluglehrer bereits nach sieben Stunden und 25 Minuten allein in die Luft lässt. Mit 24 unterzieht sich “Sully“ dem Drill der US Air Force, lernt als Kampfflieger, jederzeit wachsam zu sein und auf alles zu achten, “weil bloße Sekunden und wenige Zentimeter über Leben und Tod entscheiden können“.

“Ich war lang, still und ernsthaft (...), bescheiden im Auftreten“ beschreibt der inzwischen 58-Jährige sich als jungen Mann: “Der geradezu klassische Fall eines introvertierten Menschen“. Erst durch seine Frau Lorrie lernt Sullenberger, sich zu öffnen. Das Paar adoptiert die beiden Mädchen Kate und Kelly.

Trotz aller Begeisterung für das Fliegen vermisst Sullenberger nun die Zeit daheim und bedauert, wichtige Momente im Leben seiner beiden Töchter zu verpassen. Äußerlich fühlt er sich Kelly verbunden, der Jüngeren, schreibt Sullenberger in seinen Memoiren. Charakterlich findet er sich in der älteren Tochter wieder: “Kate sieht alles in Schwarz und Weiß. Für sie gibt es nur ein Ja oder ein Nein“. Ebenso wie er habe sie ihre Gefühle fest im Griff und lasse sich vom Intellekt steuern.

Sullenberger hat sein Buch mit Unterstützung des Kolumnisten Jeffrey Zaslow vom “Wall Street Journal“ verfasst. Es ist bewegend und spannend geschrieben, mutet hin und wieder allerdings auch recht schulmeisterlich an. Die Umstände vom 15. Januar hätten ihn daran erinnert, erklärt “Sully“ den beiden Töchtern und indirekt seinen Lesern, “dass wir immer das Richtige tun, immer unser Bestes geben sollten, weil wir nicht wissen, an welchem Augenblick im Leben wir am Ende gemessen werden“. Er selbst habe tausende Stunden “anonym“ im Cockpit gesessen und bestimmt schon eine Million Passagiere bei sich an Bord gehabt, als der entscheidende Moment kam, für den er zum Helden erklärt wurde.

dpa

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