Frühere Mitgefangene: Ingrid Betancourt "infam"

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Ingrid Betancourt

Bogotá/Paris - Die frühere kolumbianische Präsidentschaftskandidatin und Ex-Geisel der FARC, Ingrid Betancourt, hat mit ihrem Buch über die Geiselhaft noch vor der offiziellen Vorstellung Empörung ausgelöst.

Clara Rojas, die 2002 zusammen mit Betancourt von den linken FARC-Rebellen entführt worden war, warf ihr vor, das Buch “Kein Schweigen, das nicht endet“ (“Même le silence a une fin“), enthalte “Lügen und Gemeinheiten“. Die Memoiren sollen an diesem Dienstag in Paris und anderen Ländern vorgestellt werden.

Es sei frei erfunden, dass sie, Rojas, die FARC um Erlaubnis gebeten habe, ihr Kind in der Geiselhaft auszutragen. “Ich hätte sie gerne vor mir, damit sie mir die Beweise nennt“, sagte Rojas einem Radiosender. “Wie kann sie (Betancourt) es wagen, so etwas zu unterstellen, wenn sie keine Beweise hat. Das ist infam“, schimpfte Rojas.

Stattdessen habe ihr Betancourt einmal geraten, ihren in der Gefangenschaft geborenen Sohn Manuel den Rebellen zu überlassen, ihn einfach zu vergessen. “Jahre sind seit der Befreiung vergangen und sie ist nicht einmal imstande gewesen, mich anzurufen. Warum ruft sie mich nicht an, wenn sie Zweifel hat“, fragte Rojas. Schon andere Ex- Geiseln, die mit Betancourt während ihrer mehr als sechsjährigen Geiselhaft zeitweise in den selben FARC-Lagern festgehalten wurden, hatten sich negativ über die Politikerin geäußert.

Betancourt war 2008 aus der Hand der FARC-Rebellen befreit worden. In dem Buch schildert sie ihre grausamen Erlebnisse während der Gefangenschaft - das Lagerleben, die Erniedrigungen, die gescheiterten Fluchtversuche, die brutalen Aufseher, das schwierige Verhältnis der Gefangenen untereinander.

Die Franko-Kolumbianerin war nach ihrer Befreiung groß gefeiert worden, sie wurde als Nobelpreisträgerin und erneut als Präsidentschaftskandidatin ins Gespräch gebracht. Später bekam ihr Image Kratzer: Ehemalige Mitgefangene warfen ihr Arroganz vor, ihr Mann wollte sich wegen Untreue und Undankbarkeit scheiden lassen, eine Entschädigungsforderung in Millionenhöhe an den kolumbianischen Staat, die sie anschließend unter Tränen zurückzog, brachte ihr Kritik und Häme ein.

Die vergangenen eineinhalb Jahre hatte sie sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, um ihr Buch zu verfassen. Ihr starker Charakter und ihre große Willenskraft seien darin unverkennbar, schreibt “Le Monde“. Aber es enthalte durchaus auch selbstkritische Passagen.

dpa

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