Doch es gibt auch Gegenwind

Geheimraum in Cheops-Pyramide? Entdeckung sorgt für Knatsch unter Experten

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Ein Mann auf einem Kamel reitet am 11.10.2008 vor den Pyramiden von Giseh (Ägypten) vorbei.

Die Entdeckung eines angeblichen Geheimraums in der Cheops-Pyramide sorgt unter Experten für Knatsch. Wer hat recht?

Wissenschaftler haben im Herzen der Cheops-Pyramide in Ägypten einen riesigen Hohlraum entdeckt. Er sei dort rund 4500 Jahre lang völlig unberührt geblieben, berichteten sie in einer am Donnerstag, 2.11. im Fachmagazin "Nature" veröffentlichten Studie. Er habe die Größe einer Passagiermaschine mit 200 Plätzen, sagte einer der Co-Autoren, Mehdi Tajubi, der Nachrichtenagentur AFP. Um was es sich bei ihm handelte, müsse noch untersucht werden.

Seit Oktober 2015 hatten ägyptische, japanische, kanadische und französische Forscher gemeinsam nach versteckten Räumen in der riesigen Cheops-Pyramide gesucht. "Es gab viele Theorien über die Existenz geheimer Kammern in der Pyramide", erklärte Tajubi. Doch keine habe mit einem derart riesigen Hohlraum gerechnet.

"Der Hohlraum ist komplett verschlossen", erklärte sein japanischer Kollege Kunihiro Morishima. Alles, was sich in seinem Inneren befindet, wurde demnach seit dem Bau der enormen Grabstätte nicht mehr berührt. Bisher waren nur drei Hohlräume bekannt - die Königinnenkammer, die Königskammer und die "Große Galerie".

Der rund 30 Meter lange Hohlraum befindet sich demnach über der "Großen Galerie", einem fast 50 Meter langen Tunnel, der die Grabkammer des Pharaos mit einem zum Ausgang führenden Gang verbindet.

Für ihre Entdeckung nutzten die Forscher sogenannte Myonen-Teilchen, die ihnen ähnlich wie beim Röntgen einen Einblick in die riesige Pyramide verschafften, ohne auch nur einen Stein verrücken zu müssen. Die winzigen geladenen Teilchen können dabei problemlos mehrere Meter Metall oder hunderte Meter Stein durchdringen. Allerdings lassen sich mit der Methode keine Artefakte oder kleinere Gegenstände erkennen.

Für die Erforschung der Kammer muss daher ein anderes Verfahren gefunden werden. "Seit einem Jahr denken wir über eine neue Art Roboter nach, der durch kleine Löcher hindurch kommt", erklärte Tajubi.

Mehrere Experten kritisieren die Studie

Mehrere Experten bremsen die Begeisterung. Der einflussreiche ägyptische Archäologe Sahi Hawass hat die Veröffentlichung einer Studie zu einem riesigen Hohlraum in der Cheops-Pyramide kritisiert. Die Pyramide sei "voller Hohlräume" und dies bedeute nicht, "dass es einen geheimen Raum gibt oder es sich um eine neue Entdeckung handelt", sagte der ehemalige Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung am Samstag der Nachrichtenagentur AFP.

Hawass leitet das Wissenschaftskomitee ScanPyramids, das das Projekt zur Suche nach versteckten Räumen betreut. Als die am Projekt beteiligten Forscher ihre Erkenntnisse präsentiert hätten, seien sie darüber informiert worden, dass es sich nicht um eine "Entdeckung" handele, sagte Hawass.

Auch der neue Chef der Altertümerbehörde, Mustafa Wasiri, kritisierte die Veröffentlichung. Das Projekt müsse die vorgeschriebenen Schritte innerhalb der wissenschaftlichen Forschung durchlaufen, bevor es publiziert werde, erklärte Wasiri.

Die 139 Meter hohe Cheops-Pyramide ist die größte der Pyramiden von Giseh. Das 230 Meter breite Grabmal wurde für Pharao Cheops errichtet, der von 2509 bis 2483 herrschte. Die Pyramide zählt zu den sieben Weltwundern der Antike. Wie genau der monumentale Bau errichtet wurde, ist bis heute unbekannt.

AFP

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