Psychologischer Einstellungstest

So werden Piloten psychologisch überprüft

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    Bettina Pohl
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Seyne-les-Alpes - Der Co-Pilot von Flug 4U 9525 steht unter Verdacht, sich und 150 Insassen eines Airbus in den Tod geflogen zu haben. So werden Piloten-Anwärter vorab psychologisch überprüft:

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Co-Pilot den Absturz des Germanwings-Airbus mit der Flugnummer 4U 9525 bewusst eingeleitet hat. Alle Indizien deuten auf einen erweiterten Suizid hin!

Der 28-jährige Co-Pilot wurde bei Germanwings von 2008 an ausgebildet und war seit 2013 als Co-Pilot im Einsatz. Der Co-Pilot hatte damals seine Ausbildung unterbrochen, danach jedoch erneut die Eignungstests bestanden, so konnte er sie fortsetzen, erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstag. Germanwings ist ein Lufthansa-Tochterunternehmen.  

0,3 Prozent der Abstürze gehen auf Suizid zurück

Selbsttötungen von Piloten mit ihrer Maschine sind eine absolute Ausnahme. Das bestätigte jüngst eine Studie der US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration. Untersucht wurden von der Behörde dafür 2758 Abstürze, die sich zwischen 2002 und 2012 ereignet hatten. Lediglich 0,3 Prozent, also acht Fälle, gingen auf einen Suizid zurück. Bei sechs von diesen acht Fällen wurden die Piloten, alle waren Männer, positiv auf Alkohol oder Antidepressiva getestet.

So werden Berufsanwärter psychologisch überprüft

Wer Pilot werden möchte, muss zunächst beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) einen zweigegliederten Eignungstest durchführen. Der DLR-Test gilt als schwierigster Einstellungstest Deutschlands.

Neben psychomotorischen Leistungstests, bei denen etwa die optische Wahrnehmungsfähigkeit, die Fähigkeit zu Mehrfachbelastung, Englisch-, Mathe- und Physikkenntnis überprüft werden, gibt es auch einen Persönlichkeitstest.

Dabei wird die Konfliktfähigkeit und das Verhalten in Einzel- und Gruppendiskussionen, sowie die Teamfähigkeit überprüft. Hierzu werden beispielsweise simulierte Streitgespräche geführt und das Verhalten in Konfliktsituationen auf die Probe gestellt.

So schreibt die Lufthansa auf ihrer Karriere-Seite: "Für die Arbeit als Pilotin bzw. Pilot ist eine ausgeprägte emotionale Stabilität, Handlungs- und Sozialkompetenz gefragt."

Bewerbern wird auf den Zahn gefühlt

Bei ToPilots können sich Interessierte auf die DLR-Prüfung vorbereiten. Der Seminaranbieter bewirbt auf seiner Internetseite sein Angebot: "Nach einer allgemeinen Testeinführung bespricht ein Psychologe mit Ihnen im Einzelgespräch Ihre persönliche Testauswertung. Dabei wird Ihr Persönlichkeitsprofil analysiert. Außerdem werden die von der jeweiligen Fluggesellschaft geforderten persönlichen Fragen besprochen."

Weiter heißt es: "Unser Ziel ist es, Ihnen ein Gefühl für den Umgang mit einem Persönlichkeitstest zu vermitteln, sowohl wegen Ihrer Zeitplanung – die Testfragen müssen sehr schnell beantwortet werden – als auch, um Ihnen die Scheu vor derartigen Fragen zu nehmen."

Den Bewerbern wird bei den Einstellungstests also auf den Zahn gefühlt: Es geht dabei um Bewährungssituationen in der Vergangenheit und die aktuelle Lebenssituation.

Nur wer psychologisch stabil erscheint, wird zur Ausbildung als Pilot zugelassen.

Lufthansa-Chef: DLR-Test "weltweit führendes Verfahren"

In einer Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr, dass die psychologischen Tests "viel Raum" in der Auswahl der Bewerber einnehme. Er betonte, dass der DLR-Auswahltest das "weltweit führende Verfahren" sei. Weiter sagte Spohr: "Das was da passiert ist, war für uns nicht vorstellbar." Man habe hohe Standards, jedoch ließe sich ein solcher "tragischer Einzelfall" nicht komplett verhindern .

Spohr: Keine Psycho-Tests nach dem Auswahlverfahren

Regelmäßige psychologische Tests nach Abschluss der Ausbildung finden nicht statt, räumte Spohr ein. Dafür gebe es eine regelmäßige fliegerische Überprüfung und einmal jährlich eine medizinische Untersuchung der Piloten.

Man habe ein großes grundsätzliches Vertrauen in das Auswahlverfahren und das Ausbildungsbildverfahren, das sich über Jahrzehnte bewährt habe. Dennoch wolle man beides nun nochmal überprüfen, so Spohr.  

jg/bp/mg

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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