Großbritannien verteidigt BP wegen Lockerbie

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Der totkranke Lockerbie-Attentäter Basset al-Megrahi.

London - Die britische Regierung kommt dem britischen Ölkonzern BP zur Hilfe, der Berichten zufolge in die der Freilassung des libyschen Lockerbie-Attentäters verwickelt gewesen sei.

Es gebe keinerlei Beweise, dass BP in die  sei, schrieb Außenminister William Hague in einem Brief an seine US-Kollegin Hillary Clinton, der am Sonntag bekanntwurde.  Die Stimmung zwischen London und Washington scheint angespannt. Es wird erwartet, dass die Vorwürfe auch beim ersten Besuch des britischen Premierministers David Cameron an diesem Dienstag in Washington Thema sein werden.

Eine Gruppe von US-Senatoren wirft BP vor, die Begnadigung von Abdel Basset al-Megrahi und seine Rückkehr in seine Heimat Libyen vorangetrieben zu haben, um einen Millionendeal mit dem nordafrikanischen Land abzuschließen. BP gab in der vergangenen Woche zu, die britische Regierung auf “mögliche negative Auswirkungen auf die Wirtschaftsinteressen“ des Landes hingewiesen zu haben, sollte die Freilassung Al-Megrahis zu langsam voran gehen. Der Konzern besteht aber darauf, keinerlei Gespräche mit den Verantwortlichen in London oder Edinburgh über Al-Megrahi direkt geführt zu haben.

Die Senatoren sind empört, US-Medien sind empört, die Stimmung ist aufgeheizt. Es dürfe BP nicht erlaubt werden, “mit einem Deal auf Kosten von Terrorismusopfern Profit zu machen“, schimpft Senator Charles Schumacher. Andere meinen, “kommerzielle Interessen - ob Öl oder andere - sollten niemals Vorrang vor der Gerechtigkeit für Terrorismusopfer haben“.  Schon wird in Washington erwogen, Minister der britischen Ex-Regierung vor den Ausschuss zu laden.

Bei dem Anschlag auf ein Flugzeug der US-Fluglinie Pan Am über dem schottischen Ort Lockerbie im Dezember 1988 waren 270 Menschen getötet worden. Al-Megrahi war zu lebenslanger Haft verurteilt, wegen seiner Krebserkrankung aber hatte sich die damalige sozialdemokratische Regierung Großbritanniens mit Libyen 2007 darauf geeinigt, ihn vorzeitig freizulassen. Das hatte vor allem in den USA Empörung ausgelöst. Kurz darauf sicherte sich BP einen Millionendeal für die Suche nach Öl in dem nordafrikanischen Land.

Für BP stand damals viel auf dem Spiel. US-Medien berichten, die möglichen Investitionen in Libyen könnten sich auf bis zu 20 Milliarden Dollar belaufen. Allerdings: Auch US-Firmen seien interessiert gewesen, in Libyen einzusteigen. Vorherige US-Regierungen hätten dies auch unterstützt.

Al-Megrahi wurde bei seiner Ankunft in Tripolis wie ein Held gefeiert. Heute lebt er bei seiner Familie in einer Villa. Die Situation scheint fast absurd: Dies- und jenseits des Atlantiks wird nun sein Tod geradezu ungeduldig erwartet.

Hague versuchte, die Wogen zu glätten. In einem Telefongespräch mit Clinton wies er sicherheitshalber erneut darauf hin, dass die jetzige Regierung Al-Megrahis Freilassung als einen Fehler ansieht. Man werde “konstruktiv“ mit Washington zusammenarbeiten, um Licht in die Geschichte zu bringen, versprach er.

dpa

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