China und Südkorea erweisen Japan Solidarität

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Tokio - In der Vergangenheit lagen China und Südkorea wegen Japans Umgang mit seiner Kriegsvergangenheit immer wieder im Streit mit ihrem Nachbarn. Doch angesichts der verheerenden Natur- und Atomkatastrophe erweisen sie Japan jetzt Solidarität.

Die Führer Chinas und Südkoreas haben Japan mit einem gemeinsamen Besuch in der Katastrophenregion am Samstag ihren Beistand bekundet. Der japanische Premier Naoto Kan empfing Südkoreas Präsidenten Lee Myung Bak und Chinas Regierungschef Wen Jiabao in der Stadt Fukushima, rund 60 Kilometer vom havarierten Atomkraftwerk entfernt. Es war das erste Mal, dass ausländische Staats- und Regierungschefs Fukushima besuchten. Kan tischte seinen Gästen dabei öffentlichkeitswirksam Kirschen und andere lokale Agrarerzeugnisse auf. Japan ist stark darum bemüht, das wegen der Atomkatastrophe weltweit erschütterte Vertrauen in die Sicherheit seiner Produkte wieder zurückzugewinnen.

Unterdessen legte ein riesiges Tankfloß am Kai nahe des Atomkraftwerks Fukushima an. Es soll leicht radioaktives Wasser aufnehmen. Die Reparaturtrupps pumpen seit mehr als zwei Monaten Millionen Liter Wasser ins AKW, um die schwer beschädigten Reaktoren zu kühlen. Zumindest teilweise sind die Reaktorkerne geschmolzen. Das strahlende Wasser in den Atommeilern behindert die Sicherungsarbeiten. Das stählerne Tankfloß kann bis zu 10 Millionen Liter radioaktiv verseuchten Wassers aufnehmen. Es war in einer Werft in Yokohama für den Einsatz an der Atomruine umgebaut worden.

Wie der AKW-Betreiber Tepco am Samstag bekanntgab, waren am 10. Mai erneut insgesamt 250 Tonnen kontaminierten Wassers aus einem Schacht nahe der Meerwasseraufnahme des Reaktors 3 in den Ozean geflossen. Die Strahlendosis habe 20 Terabecquerel betragen und damit das 100-Fache der jährlich erlaubten Menge. Das Leck sei 41 Stunden lang offen gewesen und ließ die Konzentration an radioaktiven Substanzen im Hafenbecken des AKW ansteigen. Außerhalb des Hafens seien jedoch keine großen Veränderungen festgestellt worden, hieß es.

Chinas Premier Wen sagte laut der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo, sein Land sei bereit, die verhängten Importbeschränkungen für japanische Agrarprodukte zu lockern sofern sie sicher seien. Nach ihrem gemeinsamen Besuch in Fukushima kamen die drei asiatischen Politiker am Abend zum Auftakt ihres jährlichen Gipfeltreffens in Tokio zusammen, die an diesem Sonntag enden. Dabei dürfte Kan versuchen, China und Südkorea zu überzeugen, ihre wegen der Katastrophe verhängten Importbeschränkungen zu überdenken.

Die Staats- und Regierungschefs hatten in einer Sporthalle in Fukushima gemeinsam den dort untergebrachten Flüchtlingen Mut gemacht und Trost gespendet. Lee und Wen hatten zuvor getrennt voneinander Trümmergebiete in der Provinz Miyagi besichtigt, die das Erdbeben der Stärke 9,0 und der anschließende Tsunami am 11. März mit am schlimmsten verwüstet hatten. Sie legten Blumen nieder und hielten eine Schweigeminute für die Opfer der Katastrophe ab. “Ich hoffe, dass Japan schnell wieder aufgebaut wird“, sagte Lee.

China und Südkorea hatten frühzeitig Rettungsteams nach Japan geschickt. Die Beziehungen der beiden Länder mit Japan waren in der Vergangenheit immer wieder von Japans Umgang mit seiner kriegerischen Vergangenheit und Gebietsstreitigkeiten belastet. Nach Einschätzung des japanischen Premiers Kan ist das Verhältnis zu den Nachbarstaaten seit der Katastrophe jedoch wieder enger geworden.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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