Kirchen: Weihnachten als Fest der Besinnung feiern

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Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, und die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Margot Käßmann.

Hamburg - Die Kirchen haben dazu aufgerufen, trotz aller Hektik Weihnachten als Fest der Besinnung zu feiern.

“Viel zu viele ignorieren die Bedürfnisse der Seele eines Menschen“, sagte die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Margot Käßmann, in einem dpa-Gespräch. “Auch wenn dein Leben aus den Fugen gerät, wenn du in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerätst, wenn die Klimakatastrophe dich beängstigt oder dein persönliches Leben wankt, ist Gottvertrauen das Beste, was ich dem Menschen empfehlen kann.“

Christen könnten Leid und Schrecken und Angst nicht ignorieren. “Aber wir haben eine Zusage, dass wir damit nicht allein bleiben, sondern Gott uns gerade in solchen Zeiten trägt. Das ist für mich die Weihnachtsbotschaft.“ All das, was das Wichtigste sei im Leben, gebe es letztendlich nicht zu kaufen. “Freundschaft, Solidarität, Liebe, Vertrauen, Zuwendung, Zuneigung - das liegt völlig außerhalb des Marktes“, sagte Käßmann.

Im verstärkten Kirchenbesuch an Weihnachten - etwa jeder Zweite besucht einen Gottesdienst - zeige sich eine große Sehnsucht vieler Menschen, betonte auch der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, in einem dpa-Gespräch. “Es ist die Sehnsucht nach Angenommen-Sein und Liebe; danach, einen tiefen Lebenssinn zu entdecken“, sagte der Freiburger Erzbischof. “Ich bin froh, dass dieses Gespür bei vielen Menschen zu Weihnachten lebendig wird.“ Die Kirche müsse darauf eingehen. Gerade zu Weihnachten komme es darauf an, diesen suchenden Menschen den Schatz des Glaubens zu erschließen.

Mixa: Beten für deutsche Soldaten

Der katholische Militärbischof Walter Mixa rief zu Weihnachten zum Gebet für die deutschen Soldaten in Afghanistan auf. “Mich bedrückt die Situation unserer Soldatinnen und Soldaten am Hindukusch, deren jahrelange Aufbauarbeit und deren Leben aktuell durch kriegsähnliche Zustände bedroht ist“, sagte Mixa am Dienstag. Mixa, der auch Bischof von Augsburg ist, erinnerte an das Wort von Papst Johannes Paul II., wonach der Krieg kein “unabwendbares Schicksal“ sei. Krieg sei immer eine Niederlage der Menschheit.

Angesichts der Wirtschaftskrise haben nach den Worten Käßmanns viele Menschen nachhaltige Antworten gesucht und sich an die Kirche gewandt. “Unsere Kirche hat Antworten, die älter sind als kurzfristige Betroffenheitslyrik. Das finde ich immer wieder doch bewegend, dass die Rituale, die Lieder, die Geborgenheit einer Glaubensgemeinschaft sich dann als tragfähig erweisen“, sagte Käßmann. “Aber es wird immer so sein, dass Menschen auch ganz schnell wieder verführbar sind zur Egomanie, zur Ablenkung durch schönen Schein.“ Manche entwickelten eine Mentalität des Wegschauens. Aber es gebe auch die Nachdenklichen, die nach Ihrer Verantwortung für die Gesellschaft fragten und genau hinsehen. “Diese Kräfte möchte ich stärken, und ich bin überzeugt, einer “Weiter so“- Mentalität müssen wir uns deutlich entgegenstemmen.“

Wanke: "Dieser Kniefall hilft uns allen"

Die zunehmende Gewaltbereitschaft bereitet dem katholischen Bischof Joachim Wanke Sorgen. Die Hemmschwellen werden nach seiner Einschätzung immer niedriger und auch die soziale Ächtung nimmt ab. “Leider gibt es Anzeichen dafür, dass in unserer Gesellschaft Gewalt mehr und mehr stillschweigend akzeptiert wird“, heißt es in seinem am Dienstag in Erfurt veröffentlichten Wort zu den Festtagen. “Weihnachten, richtig gefeiert, könnte helfen, dass es in unserer Gesellschaft weniger gewalttätig zugeht.“ Gläubige Menschen, Muslime wie Christen, stünden für Gewaltlosigkeit. “Schämen wir uns also nicht, unser Knie vor der Krippe Jesu zu beugen. Dieser Kniefall hilft uns allen.“

dpa

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