Er war über 40 Meter lang

Knochen von größtem Dinosaurier aller Zeiten gefunden

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Ein Arbeiter liegt neben dem Oberschenkelknochen des größten Dinosauriers aller Zeiten.

Trelew - Sensationsfund in Argentinien: In Patagonien entdecken Forscher möglicherweise den größten bekannten Dinosaurier. Der Gigant war 40 Meter lang und wog 80 Tonnen.

Der Boden dürfte gewaltig gebebt haben, wenn der 80 Tonnen schwere Koloss vor 95 Millionen Jahren durch Patagonien stampfte. Auch die Erscheinung war majestätisch: 40 Meter lang soll der Titanosaurier gewesen sein, den argentinische Forscher in Patagonien entdeckten. Wenn er sich reckte, konnte er demnach bequem Blätter in 20 Metern Höhe abrupfen. Besuchern der nur vier Meter höher gelegenen Dachterrasse des Berliner Reichstags hätte er also fast über die Schulter schauen können. Doch nicht nur der Fund an sich lässt die Fachwelt staunen, sondern auch der gute Zustand der Knochen.

„Das ist das größte bisher bekannte Exemplar, und es gibt ganz selten solche Fälle, bei denen die Knochen so gut erhalten sind“, sagt Rubén Cúneo, der Direktor des für die Ausgrabung zuständigen Paläontologischen Museums Egidio Feruglio (MEF) in Trelew.

Wie oft bei spektakulären Funden, half auch hier der Zufall. Einer der Riesen-Knochen kam einem Landarbeiter doch seltsam vor, und er informierte 2011 das Museum. Es folgten umfangreiche Ausgrabungen am Fundort rund 260 Kilometer südwestlich von Trelew in der Provinz Chubut. 200 Knochen und Knochenreste wurden bislang entdeckt. Aber dort liegt nicht nur ein einzelner Dinosaurier, es sind mindestens sieben.

Ist die Fundstelle eine Dino-Friedhof?

„Wir haben keine Knochen von Jungsauriern gefunden, sondern nur von ausgewachsenen, älteren Exemplaren“, erklärte Cúneo der Nachrichtenagentur dpa. „Eine unserer Hypothesen ist deshalb, dass die Dinosaurier, wie die Elefanten in Afrika, dorthin kamen, um zu sterben.“ Eine andere These ist, dass sich die Saurier bei Dürre an Wasserlöchern sammelten, um zu trinken. „Vielleicht sind einige verdurstet oder im Schlamm stecken geblieben“, mutmaßen die Forscher, die auch Reste urzeitlicher Vegetation wie große Baumstümpfe und Abdrücke von Blättern fanden.

In einer ersten Phase würden die Knochen zur Untersuchung ins Museumslabor gebracht, sagt Cúneo. In einer zweiten Etappe gingen die Grabungsarbeiten weiter. „Das ist eine riesige Ausgrabung. In zwei Jahren werden wir vermutlich fertig sein. Dann wollen wir dort einen Park errichten“, blickt der Forscher in die Zukunft. Für die Region Patagonien könnte sich der Fund auch wirtschaftlich bezahlt machen. Denn Dinosaurier sind immer auch eine Touristenattraktion.

Um Gewicht und Größe zu kalkulieren, nahmen die Forscher genau Maß von den Knochen. Gerade auf dem Oberschenkelknochen lastet ein Großteil des tonnenschweren Körpers. Je größer der Umfang und je länger der Knochen, desto schwerer und größer der Dinosaurier. „Wir haben einen Knochen von einem weiblichen Exemplar gefunden, der 2,40 Meter misst“, berichtet Cúneo. Die Forscher machten die Dimension auch plastisch klar: „Sieben Stockwerke hoch, zwei Lkw mit Anhänger lang und ein Gewicht von 14 afrikanischen Elefanten“.

Dinos hatten schwer zu kauen

Was für die Forscher heute schon ein Grund zum Feiern ist, versetzte vor 95 Millionen Jahren wohl auch einige damals in Patagonien lebende Fleischfresser-Saurier der Gattung Tyrannotitan in gute Stimmung. Denn der Ort muss für sie ein Festplatz gewesen sein. Wahrscheinlich hätten sie Reste der pflanzenfressenden Sauropoden verspeist, mutmaßt Carballido. „Aber das Bankett hatte einen hohen Preis: Um die harte Haut und das Fleisch dieser Giganten klein zu beißen, bissen sie sich die Zähne aus, obwohl die später nachwuchsen.“ Der Beleg: Am Fundort wurden mehr als 60 Zähne von großen Fleischfresser-Sauriern gefunden.

Mit Spannung wartet die Wissenschaftswelt nun auf die Publikation, an deren Ausarbeitung schon José Luis Carballido sitzt, der gemeinsam mit seinem Kollegen Diego Pol das Grabungsteam leitet. „Sie wird in zwei bis drei Monaten, ganz bestimmt aber noch in diesem Jahr an (die Wissenschaftszeitschrift) "Nature" weitergeleitet“, so Cúneo.

dpa

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