Königin Beatrix: Jubiläum unter Polizeischutz

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Königin Beatrix

Amsterdam - Die Erinnerung an die Amok-Fahrt im vergangenen Jahr ist noch da: Deshalb war die Feier zum 30. Thronjubiläum von Königin Beatrix alles andere als unbeschwert.

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Man hatte es geahnt. So unbeschwert, wie Holländer das sonst drauf haben, konnte der Umzug zum 30. Thronjubiläum von Königin Beatrix nicht ausfallen. Der Erinnerung an das grausame Geschehen am Königinnentag 2009 war genau ein Jahr danach trotz aller orangenen Girlanden, Hüte und Plastikkronen kaum zu entrinnen. Dafür sorgten beim Defilee der Königin im Städtchen Wemeldinge allein schon die vielen Leibwächter und Polizisten, die nicht von ihrer Seite wichen und mit grimmigen Blicken die Umgebung absuchten. Ein “Bad in der Menge“ sieht anders aus.

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Amokfahrt vor den Augen der Königin

Den Traum von einem “Königshaus zum Anfassen“ habe ein “schwarzes Phantom zerstört“, hatte eine Zeitung geschrieben. Gemeint war der schwarze Kleinwagen, mit dem am 30. April 2009 in der Stadt Apeldoorn ein 38-jähriger Attentäter auf den offenen Bus der Monarchin zuraste. Vor den Live-Kameras und zugleich den Augen der königlichen Familie tötete er dabei sieben Menschen und prallte gegen ein Denkmal. “De Koningin, de Koningin“, stammelte er blutüberströmt, ehe er seinen Schädelverletzungen erlag.

Das Motiv ist bis heute unklar. “Was, wenn der Wagen mit Sprengstoff beladen gewesen wäre“, fragten damals Reporter. Das trieb auch die Experten im Büro zur Koordinierung des Kampfes gegen den Terrorismus (NCTB) um. Für den Königinnentag 2010, der mit Beatrix' 30. Thronjubiläum zusammenfiel, überließen sie nichts dem Zufall. 1400 Polizisten wurden zur Absicherung des Auftritts der Oranier- Queen eingesetzt - neben Geheimdienstagenten, Spezialisten mit Sprengstoffspürhunden und Scharfschützen.

Kaum jemand weiß, ob das Lächeln der Königin in Wemeldinge allein deshalb gelegentlich gequält wirkte. Angetan mit einem graublauen Hut - wieder mal fast in Wagenradgröße -, und einem fliederfarbenen Kostüm schritt sie tapfer an handverlesenen Untertanen vorbei, einen durchsichtigen Regenschirm in der einen und immer neue Blumensträuße in der anderen Hand.

So manche Krise hat die jetzt 72 Jahre alte Beatrix, Tochter von Königin Juliana und des deutschen Prinzen Bernhard, souverän gemeistert, seit sie 1980 in Amsterdams Nieuwe Kerk inthronisiert wurde. Mit Pflichtbewusstsein und tadelloser Haltung hat die studierte Juristin den Thron verwaltet. Unter ihrer Regentschaft entwickelte sich Hollands Monarchie zu einer straff geführten “Königshaus GmbH“. Mit einer Chefin, die Politikern - wenngleich hinter den Kulissen - die Meinung geigt.

Selbstbewusst hatte Beatrix einst durchgesetzt, dass sie den Mann heiraten konnte, den sie liebte. Obwohl Claus von Amsberg Deutscher war und das Grauen der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg längst nicht vergessen waren. Später wurde ihr Prinz aus Niedersachsen trotz seines unüberhörbar deutschen Akzents zu Hollands Liebling. Als er 2002 starb, brach ihr das fast das Herz. Nach außen aber bewahrte sie Haltung.

Nur mit sichtlicher Mühe gelang ihr das vor einem Jahr nach dem blutigen Attentat. Als sie Stunden später eine Fernsehansprache an die Nation hielt, wirkte Beatrix wie unter Schock und um Jahre gealtert. Doch wann sie den royalen Staffelstab an ihren Sohn Willem- Alexander weiterzugeben gedenkt, bleibt ihr Geheimnis.

Spekuliert wird darüber immer wieder. Immerhin ist der Thronfolger inzwischen 43 Jahre alt. Beatrix war 42, als ihre Mutter vor 30 Jahren zu ihren Gunsten abdankte. Doch die Schlagzeile des angesehenen Magazins “Vrij Nederland“ zum Königinnentag machte deutlich, was vielleicht auch der Monarchin durch den Kopf geht: “Willem der Vierte - Volkskönig oder Fürst des Jetset?“

Dass der Kronprinz 2009 mitten in der Finanzkrise bockig und trotz öffentlicher Kritik viel zu lange an seinen Luxusvilla-Plänen in Afrika festhielt, hat ihn Sympathien gekostet. Das Vertrauen der Niederländer in ihren künftigen König sank laut einer am Freitag veröffentlichten repräsentativen Umfrage um elf Prozentpunkte von 73 auf 62 Prozent. In der Beliebtheitsskala der Mitglieder des Königshauses rauschte Willem-Alexander gar von 42 auf 27 Prozent nach unten. Vielleicht lag es ja auch daran, dass er am Freitag trotz des Regens ohne Schirm sichtlich um Volksnähe bemüht immer wieder auf die Absperrungen zuging und Hände schüttelte.

dpa

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