Zwei Tage nach dem Attentat

Las Vegas: Ermittler rätseln über Motive des Todesschützen

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Auch in Berlin nehmen Menschen mit selbstgebastelten Schildern und Blumen vor der US-amerikanischen Botschaft Anteilnahme am Schicksal der Opfer von Las Vegas.

Nach dem Massaker von Las Vegas laufen die Ermittlungen mit Hochdruck - doch auch zwei Tage danach tappen die Ermittler bei der Suche nach einem Motiv weiter im Dunkeln.

Las Vegas - Zwei Tage nach dem Massaker von Las Vegas tappen die Ermittler bei der Suche nach einem Motiv weiter im Dunkeln. Der 64-jährige Täter Stephen Paddock, ein vermögender und unauffälliger Rentner mit einer Leidenschaft für Glücksspiele, hinterließ nach Polizeiangaben keine Notizen. US-Präsident Donald Trump bezeichnete Paddock am Dienstag als "krank" und "wahnsinnig". Die Ermittler äußerten sich nicht zu seinem Geisteszustand. Paddocks Tat ist das schlimmste Massaker in der jüngeren US-Geschichte. 

Der Tatablauf: Ermittler zeichnen eine detallierte Chronologie des Blutbads

Nach Angaben von Sheriff Joseph Lombardo tötete er mindestens 59 Menschen und verletzte 527 weitere. Die Ermittler rekonstruierten inzwischen den genauen Tatablauf. Demnach zerschlug Paddock am Sonntagabend kurz nach 22.00 Uhr Ortszeit zunächst zwei Fensterscheiben seiner Suite im 32. Stock des Hotels "Mandalay Bay" in Las Vegas. Anschließend schoss er mit automatischen Waffen auf tausende arg- und wehrlose Besucher eines Freiluft-Country-Konzerts. Bevor Sondereinheiten sein Zimmer stürmten, erschoss er sich. 

Zuvor hatte er noch durch die Tür einen Wachmann angeschossen. Ermittler beschlagnahmten in Paddocks Suite 23 Schusswaffen. Bei einer Razzia in Paddocks Privathaus in Mesquite 130 Kilometer von Las Vegas entfernt fanden Beamte weitere 19 Schusswaffen, tausende Schuss Munition, den Sprengstoff Tannerit sowie in seinem Auto Ammoniumnitrat, das zum Bombenbau verwendet wird. 

Welches Motiv der 64-Jährige für sein Verbrechen gehabt haben könnte, war weiterhin völlig unklar. Die Bundespolizei FBI und der Auslandsgeheimdienst CIA reagierten skeptisch auf eine Erklärung der Dschihadistenmiliz IS, derzufolge Paddock zum Islam konvertiert sei und die Tat als "Soldat des IS" begangen habe. Laut Polizei gab es dafür zunächst keinerlei Belege. Experten vermuten, der IS habe seinen Anhängern mit dieser "Fake News" zeigen wollen, dass er allen militärischen Niederlagen zum Trotz immer noch die Kraft habe zuzuschlagen. 

Paddocks Vater galt als „Psychopath“

Die Ermittler gingen zunächst davon aus, dass es sich bei Paddock um einen Einzeltäter handelte. Sheriff Lombardo bezeichnete den 64-Jährigen als "Psychopathen" und "einsamen Wolf". Paddocks Bruder Eric schilderte ihn in US-Medien als unauffälligen und wohlhabenden Mann. Stephen Paddock habe keine "politischen oder religiösen Verbindungen" gepflegt und sei "kein Waffennarr" gewesen. Allerdings sei sein Bruder ein leidenschaftlicher Glücksspieler gewesen und habe oft tausende Dollar beim Spiel eingesetzt. Paddocks vor einigen Jahren gestorbener Vater war ein Bankräuber und wurde zeitweise vom FBI auf der Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher geführt. Auf einem damaligen Fahndungsplakat wurde der Vater als gefährlicher "Psychopath" beschrieben. 

Nach Darstellung von Eric Paddock hatten er und sein Bruder keinen Kontakt zu ihrem Vater. US-Präsident Donald Trump kündigte für Mittwoch einen Besuch in Las Vegas an. Er sagte am Dienstag, der Schütze sei ein "sehr, sehr krankes Individuum" gewesen und habe "viele Probleme" gehabt. Unter anderen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die britische Premierministerin Theresa May sowie Papst Franziskus und der russische Präsident Wladimir Putin zeigten sich erschüttert. 

Trotz seiner gespannten Beziehungen zu Washington kondolierte auch der Iran. Ein Sprecher des iranischen Außenministeriums sprach am Dienstag von einem "abscheulichen Verbrechen" an unschuldigen Zivilisten. Nach und nach wurden Einzelheiten zu den Opfern bekannt. Unter ihnen waren eine Kindergärtnerin und eine Cheerleaderin aus Kalifornien, eine Krankenschwester aus Tennessee, eine Schulsekretärin aus New Mexico. Wie aus dem Auswärtigen Amt am Dienstag verlautete, wurde auch ein Deutscher verletzt; er befinde sich "in medizinischer Behandlung". 

In den USA gibt es immer wieder tödliche Angriffe mit Schusswaffen. Trotz mehrerer Amokläufe an Schulen und Universitäten gelang es Trumps Vorgänger Barack Obama nicht, gegen den Widerstand der Republikaner schärfere Waffengesetze durchzusetzen. Das Weiße Haus erklärte nach den Schüssen von Las Vegas, eine Debatte über eine Verschärfung der Waffengesetze sei ohne Kenntnisse der Hintergründe "verfrüht".

AFP

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