Autohöfe als Zufluchtsort

Trotz Riesen-Verlust: Autohöfe öffnen nur für Lkw-Fahrer - „Das werden wir ihnen nie vergessen“

Zwei LKW-Fahrer sitzen mit Abstand in einem Autohof-Restaurant und essen
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LKW-Fahrer dürfen trotz Lockdown die Restaurants von Autohöfen nutzen

Zu Beginn der Corona-Krise feierte man sie noch als „Logistikhelden“ - jetzt scheinen viele die Lkw-Fahrer vergessen zu haben. Dabei sind sie doch ebenfalls systemrelevant.

Sie gelten als systemrelevant und sind die stillen „Helden“ der Pandemie*: die Pflegekräfte in den Heimen oder Ärzte auf den Intensivstationen der Kliniken, die Mitarbeiter in den Supermärkten und auch die Lehrer an den Schulen. Ihre Arbeit ist hart - und während die Politik öffentlichkeitswirksam über Schutzmaßnahmen und den Lockdown* diskutiert, sind es insbesondere sie, die das System am Laufen halten.

Seltener rücken dagegen Berufsgruppen wie etwa Lkw-Fahrer ins Bewusstsein der Menschen, wenn die Rede von den „Helden der Corona-Krise“ ist - dabei tragen sie doch einen erheblichen Teil dazu bei, die Versorgung zu sichern. Zu Beginn der Krise noch als „Logistikhelden“ gefeiert, gehen sie zwischenzeitlich nicht mehr nur still, sondern gewissermaßen sogar unsichtbar ihrer so viel gepriesenen „systemrelevanten“ Arbeit nach.

Stille und unsichtbare Helden: Lkw-Fahrer in der Corona-Krise

„Die Lkw-Fahrer sind schnell wieder aus dem Fokus der Helden gerückt“, wird Alexander Quabach, Geschäftsführer der Vereinigung Deutscher Autohöfe (VEDA), in einem Artikel der FAZ zitiert. Rührende Geschichten, die vom Zusammenhalt in der Corona-Krise* erzählen, täuschen nicht darüber hinweg, dass Probleme, mit denen die Branche bereits vor der Pandemie zu kämpfen hatten, aufgrund von Regelverschärfungen und Lockdown noch gravierender wurden.

Stichwort Sanitäre Anlagen. Die Situation hat sich seit der Pandemie erheblich verschlechtert. Zwar haben Autohöfe und Raststätten ihre Toiletten und Waschräume mittlerweile für die Lkw-Fahrer wieder geöffnet - aufgrund der harten Corona-Maßnahmen wurde ihnen jedoch vielerorts der Zutritt an den Waren-Annahmestellen untersagt.

„Das hatte menschenunwürdige Zustände zur Folge, wenn keine sanitären Anlagen oder oftmals nur unzureichend gereinigte mobile Toiletten zur Verfügung standen“, erzählt ein Sprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) der FAZ von der Lage für Lkw-Fahrer während des ersten Lockdowns.

Autohöfe und Restaurant haben für Lkw-Fahrer auch eine soziale Funktion

Ein weiterer branchenspezifischer Knackpunkt: die fehlende soziale Interaktion. Lkw-Fahrer sitzen täglich stundenlang in ihrem Fahrzeug - und zwar allein. „Es ist schön, wenn man sich abends beim Essen mit einem Kollegen unterhalten kann“, und sei dies auch mit einem Sicherheitsabstand von „zwei Metern“, erzählt ein Lkw-Fahrer aus Leidenschaft in dem FAZ-Artikel. Im Frühjahr 2020 war dies jedoch zwischenzeitlich nicht mehr möglich, weil Restaurants in Folge des Lockdowns schließen mussten.

Das galt auch für die etwa 220 Autohöfe in Deutschland. Diese werden in der Regel privat betrieben und sind aus diesem Grund im Vergleich zu Raststätten weit günstiger. Für Lkw-Fahrer macht sie das im Normalfall zur beliebtesten und ersten Anlaufstation, wenn sie eine Pause einlegen müssen - denn es gibt ausreichend Parkplätze, saubere Duschen und Toiletten sowie eine warme Mahlzeit in den Restaurants.

Autohöfe öffnen für Lkw-Fahrer- aber: enorme Umsatzeinbußen durch fehlenden Pkw-Verkehr

Nach massivem Protest aus der Branche wurde in Bezug auf die Schutzmaßnahmen eine Ausnahme für Autohöfe gemacht, die es ihnen wieder erlaubt ihre Restaurants trotz Lockdown zu öffnen. Aber dennoch bleibt ein Problem: Weil die Betreiber normalerweise einen Großteil ihres Umsatzes durch den Pkw-Verkehr machen, befinden sich viele mittlerweile in Existenznöten. Denn: Der Pkw-Verkehr ist in Corona-Zeiten geradezu eingebrochen.

Besonders tragisch: Die Autohöfe haben als Mischbetriebe nicht einmal Anspruch auf die von der Bundesregierung zu Beginn des zweiten Lockdowns beschlossenen Novemberhilfen. Viele Betreiber haben ihre Rastanlagen aktuell nur aus „humanitären Gründen“ geöffnet, um den Lkw-Fahrern eine Anlaufstelle zu bieten. Und die sind zutiefst gerührt und dankbar, wie der LKW-Fahrer gegenüber der FAZ betont: „Das werden wir den Autohöfen nie vergessen“. *HNA und tz sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerks.

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