Mallorca-Urlauber müssen mit mehr Kontrollen rechnen

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Überall auf Mallorca haben Sicherheitskräfte ihren Posten bezogen.

Mallorca - Urlauber auf Mallorca müssen sich nach den Anschlägen vom Sonntag auf verstärkte Sicherheitskontrollen einstellen. Nach neusten Erkenntnissen zündete die ETA vier Bomben.

Das gelte zum Beispiel für den Flughafen von Palma, sagte Sibylle Zeuch, Sprecherin des Deutschen Reiseverbandes (DRV) in Berlin. “Sicherheitshalber sollte man etwas mehr Zeit mitbringen.“

Nach Einschätzung des DRV gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich das Buchungsverhalten der Deutschen spürbar ändern wird. “Die Anschläge auf Mallorca sind anders zu sehen als die auf Bali oder Djerba“, sagte Zeuch. “In diesem Fall sind keine Urlauber zu Schaden gekommen.“ Es sei die Strategie der ETA, keine Anschläge auf Touristen zu verüben. Das Ziel sei zwar, Angst und Schrecken zu verbreiten, aber nicht, ausländische Urlauber zu treffen.

Mallorca-Reisewarnung "abwegig"

Das Auswärtige Amt verzichtet auch nach den neuen Bombenanschlägen auf Mallorca auf eine Reisewarnung für die Ferieninsel. “Von einer Reisewarnung kann natürlich nicht die Rede sein. Das ist völlig abwegig“, sagte der stellvertretende Sprecher des Ministeriums, Andreas Peschke, am Montag in Berlin. Allerdings wurden auf der Internet-Seite des Auswärtigen Amtes (www.auswaertiges-amt.de) die Reisehinweise für Mallorca verschärft. Beispielsweise wird deutschen Touristen dort nun empfohlen, größere Menschenansammlungen zu vermeiden.

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Zugleich verurteilte der Ministeriumssprecher die Anschläge, die vermutlich auf das Konto der baskischen Terror-Organisation gehen. “Diese heimtückischen Anschläge sind ein völlig untaugliches Mittel, politische Ziele zu erreichen“, sagte Peschke. Hoffentlich gelinge es den spanischen Behörden schnell, die Hintermänner zu finden und zur Verantwortung zu ziehen. Am Sonntag waren auf Mallorca drei Bomben von geringer Sprengkraft detoniert. Verletzt wurde niemand.

ETA zündete in Palma anscheinend vier Bomben

Die baskische Terror-Organisation ETA hat am Sonntag auf Mallorca offensichtlich nicht drei, sondern vier Bomben gezündet. Wie am Montag aus Polizeikreisen verlautete, deutete alles darauf hin, dass eine Explosion in einem Lokal im Zentrum der Inselhauptstadt Palma ebenfalls von der ETA ausgelöst worden war. Die Detonation war zunächst als eine Gasexplosion und ein Unglücksfall eingestuft worden.

Die Explosion in der Gaststätte hatte sich eine halbe Stunde nach einer telefonischen Warnung der ETA ereignet. Die Terroristen hatten in mehreren konfusen und schwer verständlichen Anrufen vor mehreren Sprengsätzen gewarnt. Später detonierten noch drei weitere Bomben. Menschen wurden bei der Anschlagsserie nicht verletzt.

Der Anschlag auf die Gaststätte deutet darauf hin, dass die Terroristen die Bomben schon vor mehreren Tagen deponiert und mit Zeitzündern zur Explosion gebracht hatten. Das betroffene Lokal war nämlich seit Freitag geschlossen gewesen.

Keine Spur von ETA-Bombenlegern

Einen Tag nach der Serie von ETA-Bombenanschlägen auf Mallorca fehlt auf der spanischen Ferieninsel von den Terroristen noch jede Spur. Die Ermittler tappten am Montag noch weitgehend im Dunkeln. Sie gingen nach Angaben der Zeitung “El País“ grundsätzlich davon aus, dass zwei Terroristen der baskischen Untergrundorganisation ETA sich noch auf Mallorca aufhielten.

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Allerdings schloss die Polizei auch nicht völlig aus, dass die Bombenleger die Sprengsätze bereits vor Tagen gelegt und die Insel längst verlassenhaben könnten. In dieser Frage erhofften die Ermittler sich nähere Aufschlüsse von der Analyse der Zeitzünder, die die Sprengsätze zur Explosion gebracht hatten. Die drei Bomben hatten nur eine geringe Sprengkraft und richteten kaum nennenswerte Schäden an. Menschen wurden nicht verletzt. Zwei Bomben explodierten in Restaurants im Strandviertel Portixol, eine dritte in einem Einkaufszentrum in der Innenstadt von Palma. Alle drei Sprengsätze waren in Damen-Toiletten deponiert. Dies deutete nach Ansicht der Ermittler darauf hin, dass wenigstens einer der Bombenleger eine Frau war.

Unklar war, ob es sich bei den Bombenlegern um dieselben Terroristen handelte, die am 30. Juli im mallorquinischen Badeort Palmanova zwei Polizisten ermordet hatten. Der Generaldirektor der spanischen Polizei und der paramilitärischen Guardia Civil (Zivilgarde), Francisco Javier Velázquez, erörterte auf einem “Gipfeltreffen“ mit den Chefs der verschiedenen Polizei-Einheiten das weitere Vorgehen. Die Sicherheitskräfte verschärften die Kontrollen auf Mallorca, die nach dem Mordattentat auf die Polizisten eingerichtet worden waren. Alle ankommenden und abreisenden Besucher werden nach Angaben des Präfekten Ramón Socías identifiziert.

Ratlosigkeit in der politischen Führung

Der spanische König Juan Carlos und Königin Sofía haben nicht die Absicht, aufgrund der Bombenserie ihre Urlaubspläne zu ändern. Dies gab der Staatssekretär für Tourismus, Joan Mesquida, in Palma bekannt. Die königliche Familie verbringt seit gut einer Woche ihre Ferien im Marivent-Palast auf Mallorca. Der Monarch erklärte nach Palast-Angaben: „Dieser Bande von Mördern und Verbrechern wird es nicht gelingen, das demokratische Leben in Spanien oder die Normalität auf der Insel zu beeinträchtigen."

Die Anschlagsserie löste in der politischen Führung Spaniens eine gewisse Ratlosigkeit aus. Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero, der auf der Kanaren-Insel Lanzarote Urlaub macht, hüllte sich zunächst in Schweigen. Der Regierungschef der Balearen, Francesc Antich, rief Einheimische und Urlauber dazu auf, die Ruhe zu bewahren. "Wir werden nicht zulassen, dass die Terroristen unser Leben verändern", sagte er.

Reisende müssen für Stornierung selbst zahlen

Wer derzeit wegen der Bombenanschläge nicht nach Mallorca fliegen will, kann seine gebuchte Reise jederzeit stornieren, muss aber die Kosten dafür selbst tragen. Die Stornokosten werden in der Regel auch nicht von einer Reiserücktrittsversicherung getragen. Denn nach der aktuellen Rechtsprechung rechtfertigen Terroranschläge nur dann eine Kündigung des Reisevertrages aufgrund höherer Gewalt, wenn sie “allgemeinen inneren Unruhen“ gleichkommen. Die Anforderungen dafür sind hoch und bei der jetzigen Lage auf Mallorca nicht gegeben. Der Wiesbadener Reiserechtler Holger Hopperdietzel sagt, höhere Gewalt könne etwa bei Naturkatastrophen, Bürgerkrieg oder flächendeckenden politischen Unruhen gegeben sein.

Die Anbieter von Pauschalreisen bieten in der Regel von sich aus ihren Kunden an, Reisen umzubuchen, wenn es eine Reisewarnung gibt. Reisewarnungen stellen einen dringenden Appell des Auswärtigen Amts dar, Reisen in ein Land oder in eine Region eines Landes zu unterlassen. “Sie werden nur dann ausgesprochen, wenn aufgrund einer akuten Gefahr für Leib und Leben vor Reisen in ein Land oder in eine bestimmte Region eines Landes gewarnt werden muss“, erklärt das Außenamt.

dpa

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