Nach Vergewaltigungs-Prozess

Mindestens 32 Tote und 180 Verletzte bei Krawallen in Indien

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Mindestens 32 Tote und 180 Verletzte bei Krawallen in Indien

In Indien hat der Schuldspruch gegen einen Sektenführer wegen Vergewaltigung massive Krawalle mit mehr als 30 Toten ausgelöst.

Bei den Ausschreitungen im nördlichen Bundesstaat Haryana wurden am Freitag nach Angaben der Behörden mindestens 32 Menschen getötet und etwa 180 weitere verletzt. Mehr als 100.000 Anhänger von Gurmeet Ram Rahim Singh hatten sich am Verhandlungsort Panchkula versammelt. Viele von ihnen randalierten, nachdem das Gericht befand, der Guru habe zwei Anhängerinnen vergewaltigt.

Die meisten der 32 Todesopfer seien Schusswunden erlegen, sagte ein hochrangiger Behördenvertreter, der nicht namentlich genannt werden wollte, der Nachrichtenagentur AFP. "Die Lage ist weiter finster, aber wir gewinnen an Boden." In der Nacht würden "hoffentlich" weitere Truppen mobilisiert, um die Kontrolle zurückzugewinnen, sagte der Behördenvertreter.

Hunderte Soldaten kamen zum Einsatz

Nach dem Schuldspruch gegen den Sektenführer setzten viele seiner mehr als 100.000 Anhänger Autos in Brand, warfen Steine und griffen Fernsehübertragungswagen an. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein, wie ein AFP-Reporter berichtete.

Mindestens 32 Tote und 180 Verletzte bei Krawallen in Indien

Wegen der Ausschreitungen galt in Panchkula eine unbefristete Ausgangssperre. Bereits am Vorabend des Schuldspruchs waren zur Sicherheit die Internetverbindungen gekappt worden. Drei Stadien standen für die Ingewahrsamnahme möglicher Randalierer bereit. Ein Bewohner kritisierte die Maßnahmen der Behörden jedoch als unzureichend. "Wir haben uns seit gestern nicht sicher gefühlt, und all unsere Ängste sind wahr geworden", sagte er.

Gewalt auch im Nachbarstaat Punjab und in Außenbezirken von Neu Delhi

In Punjab seien zwei Bahnhöfe abgebrannt und in Neu Delhi zwei leere Züge in Brand gesteckt worden, sagte ein Sprecher der indischen Bahn. Hunderte Zugverbindungen durch Punjab und Haryana seien gestrichen worden. In mehreren Bezirken von Punjab wurde eine Ausgangssperre verhängt.

Indiens Ministerpräsident Narendra Modi verurteilte die Gewalt auf Twitter als "zutiefst bedauerlich" und rief alle Beteiligten zur Ruhe auf. Wegen der Ausschreitungen riet das Auswärtige Amt in Berlin Reisenden in Haryana und Punjab, nicht behördlich genehmigte Versammlungen "unbedingt" zu meiden.

Das Strafmaß soll am Montag verkündet werden

Der Sektenführer Singh verfügt besonders in Haryana über viele Anhänger, weltweit sollen es Millionen sein. Zur Verhandlung war der 50-jährige Guru mit einem Konvoi mit mehr als hundert Fahrzeugen angereist. Die Gerichtsentscheidung habe Singh ruhig aufgenommen, sagte Staatsanwalt Harinder Pal Singh Verma AFP. Der Sektenführer sei mit einem Hubschrauber in eine andere Stadt in Haryana gebracht worden.

Der Vergewaltigungsvorwurf gegen Singh war erstmals 2002 in einem anonymen Brief an den damaligen Regierungschef Atal Bihari Vajpayee erhoben worden. Aber erst 2007 fanden sich zwei Anhängerinnen zu einer Klage bereit.

Singh wurde im Jahr 2015 zudem beschuldigt, 400 Männer seiner Sekte dazu gebracht zu haben, sich in seinem Aschram kastrieren zu lassen, "um Gott näher zu sein". Außerdem wurde gegen ihn wegen Verschwörung zur Ermordung eines Journalisten ermittelt. Der Guru selbst, der durch seine bunte Kleidung und seinen üppigen Schmuck auffällt, beschreibt seine Bewegung Dera Sacha Sauda als geistliche und wohltätige Organisation.

AFP

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