Prozess in Kufstein

Kleine Münchnerin (6) tot: So begründet die Richterin ihr Urteil

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Kufstein - Am Dienstag musste sich der Chef einer Skipiste vor dem Bezirksgericht in Kufstein verantworten. Der Tod eines sechsjährigen Mädchens aus München hat juristische Folgen für ihn. Am frühen Nachmittag ist ein Urteil gefallen!

UPDATE, 15.30 Uhr: Urteilsbegründung der Richterin

In ihrer Urteilsbegründung äußerte die Richterin, dass die betreffende mobile Schneekanone wie eine stationäre verwendet worden sei. Demnach hätte das Gerät entsprechend gesichert werden müssen. Letztlich müsse der Verantwortliche vor Ort die Gefahrenlage richtig einschätzen. 

Ein rein optisch auf die Gefahrenstelle hinweisender Zaun sei nicht sonderlich nützlich für ein hinabrutschendes Kind. Eine Sorgfaltswidrigkeit auf Grund fehlender Mattenabdeckung oder Entfernung der nicht mehr verwendeten Kanone sei daher anzunehmen, berichtet die Tiroler Tageszeitung.

UPDATE, 14.10 Uhr: Urteil gegen Skipisten-Chef

Wie die Tiroler Tageszeitung soeben meldet, ist nun ein Urteil gefallen. Demnach wurde der Prozess mit einem Schuldspruch beendet. Der 46-jährige Skipisten-Chef wurde wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe in Höhe von 2.800 Euro verurteilt. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Update, 12.50 Uhr: Pistenchef beteuert Unschuld

Der Pistenchef erklärte sich in der Verhandlung für nicht schuldig. Wie die Tiroler Tageszeitung berichtet, berief er sich dabei auf den gängigen Leitfaden der Verkehrssicherungspflichten auf österreichischen Skipisten. Nicht nur sei er danach vorgegangen, sondern das Skigebiet auch vom Land Tirol kontrolliert worden. Dabei seien keine Sicherheitsmängel festgestellt worden. Eine besondere Verkleidung der Schneekanone sei weder erforderlich noch vorgeschrieben. Wie die Zeitung weiter schreibt, könnte noch am Nachmittag ein Urteil fallen.

Update, 10.55 Uhr: Argumente der Gegenseite

Seitens der Betreiber der Skipiste wird argumentiert, dass ein wie in dem Gutachten geforderter Anprallschutz die Funktionsfähigkeit einer Kanone derart beschränken würde, dass er unzumutbar sei. Das berichtet die Tiroler Tageszeitung (TT). Außerdem sei die Kanone auf einer flachen Piste gestanden, so die Betreiber.

Gegenüber der Zeitung wies der Gerichtssachverständige Helmut Lamprecht darauf hin, dass „die Sicherung von Schneekanonen gesetzlich nicht festgeschrieben“ sei. Es benötige nur eine Warnung und diese sei in Söll vorhanden gewesen. Weiterhin erklärte Josef Ölhafen, Geschäftsführer der WK-Fachgruppe Seilbahnen, gegenüber der TT, die Sicherung einer Schneekanone müsse immer im Einzelfall beurteilt werden.

Der Vorbericht, 10.15 Uhr:

Bereits Anfang April war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Innsbruck den Pistenchef des Skigebiets Wilder Kaiser in Österreich wegen fahrlässiger Tötung anklagt. Ein Kind war gegen eine Schneekanone gefahren und hatte tödliche Kopfverletzungen erlitten. Laut einem Gutachten war die Schneekanone zwar mit einem Absperrzaun gesichert. Dieser war aber nicht geeignet, eine Kollision zu verhindern. "Wären Anprallmatten oder Schaumstoffmatten angebracht gewesen, wäre der Unfall laut dem Sachverständigen vermutlich weit weniger schlimm ausgegangen", sagte der Staatsanwalt im April der dpa. Dem Pistenchef droht bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe.

Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, soll in der Verhandlung ein skitechnisches Gutachten erörtert und drei Zeugen gehört werden. Wie der Sender berichtet, könnte das Urteil noch am Dienstag fallen.

Wie die Polizei damals berichtete, fuhr das sechsjährige Mädchen aus München auf einer Piste in der Skiwelt Wilder Kaiser in Söll als Mitglied einer fünfköpfigen Schülergruppe. Diese war in Begleitung eines staatlichen Schilehrers und zweier Hilfsschilehrern. Nordwestlich der Talstation der Stöcklbahn kam es zum Unfall. Sie verlor plötzlich die Kontrolle über ihre Ski und raste immer schneller werdend auf die Umzäunung vor einer Schneekanone zu. Sie durchstieß den Zaun und prallte mit dem Kopf seitlich gegen den am Standfuß der Schneekanone befindlichen Hydranten. Dabei zog sie sich tödliche Kopfverletzungen zu.

hs

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild/Montage)

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