Ölteppich breitet sich weiter aus

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Öl soweit das Auge reicht: Südöstliche Winde haben das Öl bis zum späten Donnerstagnachmittag bis auf fünf Kilometer vor das Wildschutzgebiet Pass-A-Loutre im Süden des Staates Louisiana am Mississippi-Delta zugetrieben.

Mississippi-Mündung - An den Südküsten der USA breitet sich der Ölteppich immer weiter aus, weil die Lecks am Grund der zerstörten Ölbohrplattform nicht gestopft werden können.

Zehn Tage nach der Explosion der Bohrinsel “Deepwater Horizon“ blockierte hoher Wellengang alle Bemühungen, den inzwischen 210 mal 112 Kilometer großen Ölteppich einzudämmen. Wegen des heftigen Südwinds wird erwartet, dass das Öl bis Montag auch die Küsten der US-Staaten Mississippi, Alabama und Florida erreicht. “Die nächsten Tage werden kritisch“, sagte der Gouverneur von Louisiana, Bobby Jindal. Die teerig-klebrige Substanz bedroht hunderte von Fisch-, Vogel- und anderen Arten.

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Nach Schätzungen der Küstenwacht sind bislang mindestens 6,1 Millionen Liter Rohöl aus den drei Lecks am Meeresgrund ausgelaufen. Jeden Tag kommen nahezu 800.000 Liter hinzu. Innenminister Ken Salazar sagte, er habe den Mineralölkonzern BP gedrängt, “entschlossener, schneller und intelligenter zu arbeiten“, um die Lecks zu schließen. Die Regierung werde nicht eher ruhen, bis BP “jeden Tropfen Öl beseitigt“ habe. Aus einer Risikoanalyse von BP für “Deepwater Horizon“ geht hervor, dass der Konzern die Möglichkeit eines Unglücks mit katastrophalen Wirkungen heruntergespielt hat. In der 52 Seiten umfassenden Einschätzung heißt es, ein Unfall mit ernsten Umweltgefahren sei unwahrscheinlich oder nahezu unmöglich. Unterdessen teilte US-Präsident Barack Obama mit, dass neue Ölbohrplattformen vor der Küste nur dann genehmigt würden, wenn sie zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen nachweisen. Damit solle eine Wiederholung der Katastrophe im Golf von Mexiko verhindert werden, sagte Obama am Freitag in Washington. Er wies Innenminister Salazar an, innerhalb von 30 Tagen einen Bericht über neue technische Möglichkeiten zur Absicherung der Offshore-Förderung vorzulegen.

Justizministerium prüft rechtliche Schritte

Die Anweisung bedeutet allerdings kein Moratorium, sondern hat eher symbolische Bedeutung. Nach Angaben von Regierungssprecher Ben LaBolt sind in den nächsten Tagen ohnehin keine neuen Genehmigungen für Ölbohrplattformen geplant. Allerdings will die Regierung die Offshore-Förderung von Rohöl ausweiten.

Bis Ende des Jahres sind zwei zusätzliche Lizenzen im Golf von Mexiko geplant. 2011 sollen dann vier weitere Lizenzen dort und vor Alaska folgen, 2012 weitere Ölbohrungen vor der Küste von Virginia. “Ich bin überzeugt, dass die inländische Ölförderung ein wichtiger Teil unserer Gesamtstrategie für eine sichere Energieversorgung ist“, sagte Obama. “Aber ich habe immer gesagt, dass dies in Verantwortung für die Sicherheit unserer Arbeiter und für die Umwelt erfolgen muss.“ Das US-Justizministerium schickte ein Expertenteam nach New Orleans, um die Auswirkungen der Ölverschmutzung vor Ort zu beobachten und rechtliche Schritte zu prüfen. “Das Ölunglück von British Petroleum hat bereits Menschenleben gekostet und größere Umweltschäden verursacht“, erklärte Justizminister und Generalstaatsanwalt Eric Holder.

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Bei der Explosion auf der Bohrinsel “Deepwater Horizon“ am 20. April kamen vermutlich elf Arbeiter ums Leben. Vor der Küste von Louisiana kam es am Freitag zu einem Zwischenfall beim Transport einer zur Verschrottung bestimmten Ölbohranlage. Die auf einem Lastkahn beförderte Einrichtung kippte um, wie Eigentümerin Tina Moore am Freitag mitteilte. Nach Angaben der Küstenwacht ereignete sich der Zwischenfall rund 130 Kilometer südwestlich von New Orleans. In der Anlage könnten den Angaben zufolge bis zu 75.000 Liter Diesel enthalten sein. Vorsorglich wurde Schwimmbarrieren um die Anlage errichtet, um eventuell austretendes Öl einzudämmen.

AP

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