Werk in Niederndorf wird geschlossen

Bürgermeister: "Kathrein ist ein Leitbetrieb bei uns im Ort!"

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Der Unternehmer Anton Kathrein
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Niederndorf/Rosenheim - Die Nachricht schlug am Dienstag ein wie eine Bombe: Kathrein schließt voraussichtlich Ende 2018 sein Werk in Niederndorf in Tirol. 230 Mitarbeiter verlieren deswegen ihren Job, viele davon auch aus unserer Region.

UPDATE, 11.40 Uhr - Bürgermeister betroffen

Niederndorfs Bürgermeister Christian Ritzer zeigte sich betroffen. "Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es natürlich besonders bitter", sagte er der Tiroler Tageszeitung. Gerade bei Kathrein, einer modernen und innovativen Firma, seien viele junge Menschen, die gerade erst eine Familie gegründet haben, beschäftigt.

Auch für seine eigene Gemeinde sei die Entscheidung von Kathrein ein herber Schlag. "Immerhin ist Kathrein ein Leitbetrieb bei uns im Ort", so Ritzer, der selbst erst kurz vor der Verkündung von der Entscheidung informiert und überrascht worden war. Ritzer sagte, er habe immer das Gefühl gehabt, es werde in den Standort investiert und der Betrieb im Ort ausgebaut.

UPDATE, 10.15 Uhr

Die österreichische Produktionsgewerkschaft PRO-GE stehe mit den Betriebsräten der Firma Kathrein bereits in Kontakt, so Robert Koschin, Landessekretär der PRO-GE Tirol. Am Montagnachmittag habe es erste Gespräche gegeben. „Der Betriebsrat war von dieser Nachricht ebenfalls geschockt und überrascht.“ Zu klären gelte jetzt die Frage der Arbeitsplätze und des Sozialplans. „Jeder ruft immer nach einem Sozialplan, der ist meiner Meinung nach aber erst der zweite Schritt, der das Leid dann mildern kann. Als erster Schritt muss man schauen, wo die Arbeitsplätze sind“, sagt Koschin im Gespräch mit unserer Redaktion. „Die Firma hat die moralische Verpflichtung zu sehen, wo die Arbeitsplätze für die Menschen sind.

Vorbericht

Der Österreichische Rundfunk (ORF) berichtet, dass die Leitung des Werkes in Niederndorf am Dienstag keinen Kommentar zu der geplanten Werksschließung abgeben durfte, also quasi einen "Maulkorb" verpasst bekommen hat. "Um unsere Wettbewerbsposition zu stärken, müssen wir die Wünsche unserer Kunden noch besser erfüllen und noch schneller liefern. Daher organisieren wir unsere Lieferkette neu", erläutert Jürgen Walter, Chief Operating Officer der Kathrein-Gruppe. "Wir vertikalisieren die Produktion in unseren Werken und sorgen mit neuen Lieferantenstrategien für eine flexiblere Materialversorgung. Zugleich konsolidieren wir Produktgruppen in den einzelnen Standorten – das ermöglicht mehr Flexibilität und spart Zeit", heißt es in einer Pressemitteilung weiter.

Jetzt sollen übrigens rasch Verhandlungen mit Arbeitnehmervertretern über einen Sozialplan aufgenommen werden. Zuvor hatte Kathrein die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die geplanten Maßnahmen informiert. Anton Kern, Leiter des Arbeitsmarktservice Tirol (AMS), bestätigte gegenüber dem ORF, dass man über die Pläne von Kathrein informiert worden sei.  Im Frühwarnsystem zur Kündigung seien noch keine Mitarbeiter angemeldet worden, da das Werk ja noch bis Ende des Jahres weiterlaufen soll.

Dass der geplante Stellenabbau bei Kathrein umfangreicher ausfallen könnte, als vielleicht ursprünglich angedacht, darüber hatte es bereits Anfang letzten Jahres Spekulationen gegeben. "Wir müssen wie schon angekündigt im Zuge der Neuausrichtung Aktivitäten ohne hohen und nachhaltigen Wertbeitrag einstellen und in diesem Zusammenhang auch personelle Einschnitte vornehmen", hatte Unternehmenssprecher Anton Maier damals gesagt. Genauere Angaben gab es damals nicht.

mw

Quelle: rosenheim24.de

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