Dalai Lama: Probleme in der Welt gemeinsam lösen

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Der Dalai Lama

Salzburg – Mit einem Vortrag und einem Dialog begeisterte Seine Heiligkeit, der 14. Dalai Lama, sein Publikum in der Salzburgarena.

Als der 76-Jährige der Gastgeberin, Landeshauptfrau Gabi Burgstaller, in der Salzburgarena einen weißen Schal als Geschenk überreicht, ist das Eis nicht nur längst gebrochen, sondern längst geschmolzen. „Wenn man den Dalai Lama trifft, ist es, als würde man einen guten alten Freund wiedersehen und wenn es das erste Mal ist“, verkündete Burgstaller vor fast 5.000 Zuhörern in ihrer kurzen Eröffnungsrede zu Beginn der zweieinhalb kurzweiligen Stunden mit dem buddhistischen Mönch Tendzin Gyatsho, so der „bürgerliche“ Name des gegenwärtigen Dalai Lama. Er lebt seit 1959 im indischen Dharamsala im Exil.

Dalai Lama spricht in der Salzburgarena

Zunächst bringt er das Protokoll der Veranstalter (Tibetzentrum I.I.H.T.S in Hüttenberg in Kooperation mit Alpine Peace Crossing) durcheinander, möchte im Stehen sprechen, wie zuvor Burgstaller, lacht kurz und tief und setzt sich durch: „Ich bin beglückt, so viele alte Freunde wieder zu sehen“, so der Dalai Lama, der nach der herzlichen Begrüßung einer alten Freundin seine Gäste auffordert, sich endlich wieder hinzusetzen „wir sind schließlich alles Menschen, alle gleich“.

Dalai Lama vergisst fast Luft zu holen

Die Probleme Tibets sind schließlich das vorherrschende Thema der Diskussionsrunde, obwohl der „Weltfrieden“ und die „universelle Verantwortung“ angedacht waren. Darüber spricht der Dalai Lama ohne Punkt und Komma und vergisst fast, seinem Dolmetscher Christoph Schmitz Raum zu geben, seiner Berufung nachzugehen. Tendzin Gyatsho hat Muse und Mut zu Pausen, spricht eine deutliche Sprache und zeigt unter den Augen der Ehrengäste Franziska von Habsburg und Hubert von Goisern richtungsweisende Wege auf: „Bei aller Verschiedenheit, bei der es immer nur um Geringfügigkeiten geht, wir leben in einer Welt, in einer Gemeinschaft. Wir müssen das Wir-Gefühl stärken.“ Der Dalai Lama macht deutlich, dass es nichts ums Gewinnen oder Verlieren geht, sondern um Menschlichkeit – bei allen Wirtschaftsinteressen, bei allem immer schneller werdenden Informationsfluss. „In Notlagen tritt unsere Menschlichkeit zu Tage, diese gilt es zu fördern. Ein einzelner Staat kann die Probleme auf dieser Welt nicht lösen, es funktioniert nur gemeinsam“. In seinen Augen hat beispielsweise die Klimakonferenz in Kopenhagen keine zufriedenstellenden Ergebnisse gebracht, weil es keine Gemeinsamkeiten gab.

Und dennoch ist nicht nur seiner Meinung nach die Welt – vor allem in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts – besser geworden: „Dieser Meinung war auch Queen Mum, als ich sie 1996 treffen durfte. Denn heute gibt es universelle Menschenrechte, gibt es Selbstbestimmung. Vor gut 100 Jahren wusste man davon noch nichts“.

Der hohe Gast in der Salzburgarena ruft sein Publikum dazu auf, nie zu resignieren. Er selbst tut es schließlich auch nicht. 1959 wurde sein Heimatland Tibet von China überfallen. Die Besatzer unterdrücken das tief gläubige Hochland- und Bergvolk seitdem auf beschämendste Art und Weise. Seit März 2011 verbrannten sich 30 tibetische Nonnen und Mönche nicht nur aus Protest, sondern meist auch aus Verzweiflung aufgrund der untragbaren Zustände in ihrer Heimat selbst. Die Welt sieht weg, weil China ein immer wichtigerer Wirtschaftspartner ist, der nicht zu diskriminieren ist.

Man darf niemals aufgeben

Der Dalai Lama hat noch nicht aufgegeben, für die Autonomie seines Ursprungslandes zu kämpfen – natürlich gewaltfrei. 1989 erhielt er dafür den Friedensnobelpreis. Freilich muss auch ein Mensch wie der Dalai Lama mit reichlich Kritik leben. Viele werfen ihm vor, die Zustände im damaligen Tibet heute noch idealisiert darzustellen. Fragen diesbezüglich weist er in Salzburg als Propaganda Chinas mehr als glaubhaft zurück.

Das Publikum macht im letzten Drittel des öffentlichen Bühnen-Interviews von Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid und ORF-Ö1-Vertreter Michael Kerbler, die gegenüber dem Mönch partout kritisch sein wollen, seinem Unmut Luft: Laute Zwischenrufe, sich doch bitte wieder aufs ausgerufene Thema zu besinnen, bleiben jedoch ungehört. Die Gäste waren teils von weither angereist, um ihr Vorbild zu erleben. Der Tag begann früh, schon kurz nach sieben bildeten sich lange Schlangen, umfangreiche Sicherheitskontrollen mussten durchgeführt werden. Kurz bevor der Dalai Lama schließlich in der Halle erschien, herrschte gespannte Stille. Dann war nur das Kamera-Klicken der Fotografen zu hören, die den Würdenträger kurz ablichten durften. Mit einem „Hello”, einem freundlichen Winken und dem für ihn typischen Lachen zog der Dalai Lama sein Publikum sofort in seinen Bann.

„Die Welt kann von Europa lernen“, so der im Juli 1935 in Osttibet geborene. Hier hätten die einzelnen Länder einen Teil ihrer eigenen Souveränität aufgegeben und eine Gemeinschaft gebildet, um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. „Die Europäer sollten ihr Konzept der Gemeinschaft weiter in die Welt tragen”, forderte das geistliche Oberhaupt Tibets.

Geduld war gefragt

Geduld benötigten die Besucher des interreligiösen Dialogs mit dem Dalai Lama am Montagnachmittag, ebenfalls in der Salzburgarena. Mit 30-minütiger Verspätung kam er Arm in Arm mit Salzburgs Erzbischof Alois Kothgasser und Schlomo Hofmeister, dem Gemeinderabbiner der israelischen Kultusgemeinde Wien, auf die Bühne. „Harmonie in der Vielfalt“ lautete jetzt das Thema.

Der angedachte Dialog bestand weitgehend aus Monologen der Vertreter der unterschiedlichen Religionen, in denen von allen der gute Wille zum Zuhören und zum Lernen voneinander betont wurde. Dass das friedliche Zusammenleben von Religionen möglich sei, zeige seine zweite Heimat Indien, so der Dalai Lama. Dort seien alle großen Religionen vertreten und kämen gut miteinander aus.

Die multireligiöse Gesellschaft sei eine der großen Herausforderungen unserer Zeit, erklärte Kothgasser, der den Gast mit „Lieber Bruder Mönch aus dem Tibet“ begrüßte. Das zweite Vatikanische Konzil habe den Dialog zwischen Gott und Mensch, zwischen Kirche und Welt als Grundprinzip verstanden. „Diesen Dialog wollen wir offen und ehrlich führen”, meinte Kothgasser. Für Luise Müller, evangelische Superintendentin Salzburgs und Tirols, geht es um den Abbau falscher Vorstellungen und das Entdecken von Gemeinsamkeiten sowie bereichernden Unterschieden.

Für das Bauen von Brücken und einen gemeinsamen Einsatz für ein friedliches Zusammenleben sprach sich auch Fuat Sanac, Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft, aus: „Interreligiöses Lernen ist eine große Herausforderung.“ Es gehe nicht um diplomatische Zugeständnisse, sondern um gegenseitiges Kennenlernen.

Heute morgen reiste der Dalai Lama aus Österreich ab. Er hält sich von 22. bis 24. Mai im italienischen Udine und in Belgien auf. Dann kehrt er nach Österreich zurück und hält am kommenden Freitag, 25. Mai, einen Vortrag in der Stadthalle in Wien.

bit

Quelle: rosenheim24.de

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