Bettler war Opfer von Menschenhändlern

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Hat sie jemand gesehen? Nach der 30-jährigen Slowakin Zofia L. wird gefahndet.

Salzburg - Es ist eine lange Geschichte: Ein Rumäne kam zum Betteln nach Salzburg, baute einen Unfall - und half anschließend der Polizei. Dabei kamen noch ganz andere Dinge ans Licht:

Die FIN Plakette des Fahrzeugs. (Zum Vergrößern das Bild anklicken)

Der 22-jährige rumänische Staatsangehörige reiste am 14. Oktober 2014 aus München an, um in Salzburg vor einem bekannten Lebensmittelmarkt der Bettelei nachzugehen. Bei der Autofahrt verursachte der dem Bettlermilieu zuordenbarer rumänischer Staatsangehörige in der Stadt Salzburg einen Verkehrsunfall. Dabei wurde eine 51-jährige Flachgauerin verletzt, er selbst kam bei dem Unfall nicht zu Schaden. Der Bettler wurde von Polizisten der Verkehrsinspektion unter Beiziehung einer Dolmetscherin einvernommen und wegen fahrlässiger Körperverletzung, sowie mehrerer Verwaltungsdelikte angezeigt.

Bei den weiterführenden Erhebungen konnte festgestellt werden, dass der Lenker keine Lenkberechtigung besitzt und ein nicht zum Verkehr zugelassenes Kraftfahrzeug verwendete, weshalb auch kein Versicherungsschutz bestand. Es wurde weiters ermittelt, dass der später ausgeforschte Fahrzeugbesitzer nicht nur widerrechtlich Kennzeichen eines anderen, baureihengleichen Fahrzeuges, montiert hatte, sondern auch die Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN Plakette) des verwendeten Fahrzeuges einfach austauschte.

Rumäne kam zum Betteln nach Salzburg

Bei einer Befragung durch Ermittler der temporären Ermittlungsgruppe in Bezug auf laufende Strukturermittlungen gab der 22-Jährige an, unmittelbar vor dem Unfall aus München angereist zu sein, um in Salzburg der Bettelei nachzugehen. Derzeit würde er sich mit seiner Lebensgefährtin, einer 30-jährigen slowakischen Staatsangehörigen, aber vorwiegend in München aufhalten.

Der Beschuldigte zeigte sich gesprächsbereit und kooperativ. Er konnte wichtige Angaben zu Bettlerstrukturen und Ausbeutungshandlungen durch Menschenhändler machen, denen er auch selbst zum Opfer gefallen wäre.

So wurde er Anfang 2013 von einem 26-jährigen Landsmann nach Deutschland gebracht, wobei dieser zusicherte, ihm einen Arbeitsplatz und eine Unterkunft in Rosenheim zu verschaffen. Der 22-jährige Rumäne wurde aber laut eigenen Angaben gezwungen, dort und in Österreich unter widrigsten Verhältnissen der Bettelei nachzugehen, ehe ihm nach drei Monaten die Flucht gelang.

Zahlreiche Diebstähle, Einbrüche und Prostitution

Der beschuldigte Rumäne beging im Auftrag seiner Landsleute, eine größere Anzahl an Ladendiebstählen (vorwiegend alkoholische Getränke). Zu 18 Straftaten zeigte er sich im Rahmen seiner Einvernahme geständig. Laut Mitteilungen des Rumänen sind den Menschenhändlern weitere Delikte zuzurechnen. Er hat Angaben in Bezug auf Einbruchsdiebstähle und Einschleichdiebstähle im Inland gemacht, die auf deren Konto gehen. Erbeutete Gegenstände wurden verhehlt.

Die Frau des Haupttäters sei überdies immer wieder an alleinstehende Herren herangetreten und habe sexuelle Dienste feilgeboten. Immer mit derselben Vorgehensweise hätte sie die Herren ersucht, sich vor dem Akt zu duschen. In Abwesenheit der Opfer hätte sie sodann deren Wohnung nach Verwertbarem durchsucht und sei sodann geflüchtet, ohne dass es jemals zu sexuellen Handlungen gekommen wäre.

22-Jähriger Bettler war auch Opfer von Menschenhändlern

Auf Grundlage seiner Schilderungen kommt dem Rumänen derzeit auch Opfer-Status nach § 104a StGB Menschenhandel zu. Er wurde unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zunächst nach Deutschland und dann nach Österreich verbracht. Dort wurde er bedroht, eingeschüchtert, zur Bettelei gezwungen und ausgebeutet. Seine „Tagesumsätze“ hatte er ausnahmslos an seine Landsleute abzuführen.

Insbesondere zwei Brüder des 26-jährigen Haupttäters zwangen ihn mit vorgefertigten Zetteln „Bitte ich brauche Geld für die Operation meines Kindes“ oder „Mein Haus wurde bei einem Hochwasser zerstört“ gegen seinen Willen immer wieder zu betteln. Dies sogar unter Androhung erheblicher Gewalt, sollte er keinen „Mindestumsatzes“ lukrieren. Die Drohungen äußerten sich in Form von „Bauch aufschlitzen“, „Gedärme herausschneiden“ oder „du wirst den Bären zum Fraß vorgeworfen“. Ständig habe er sich unter Beobachtung befunden und wurde abendlich des Öfteren nach möglicherweise zur Seite geschafftem Geld durchsucht. Zu essen habe er von seinen Peinigern nur sehr wenig bekommen, nächtigen musste er im Freien. Er stand laut eigenen Angaben für etwa 3 Monate unter dem Einfluss dieser Gruppierung, ehe ihm gemeinsam mit einem weiteren Opfer die Flucht gelang.

Zur Sache sind weitere Ermittlungsmaßnahmen im Zusammenwirken mit dem Bundeskriminalamt, deutschen Behörden und Landeskriminalämtern im Inland anhängig. Das Brüder-Trio ist wegen mehrerer Straftaten, vorwiegend Eigentumsdelikten amtsbekannt.

Weitere Angaben des Rumänen bezogen sich auch auf ein Brandereignis in Tirol. Gemeinsam mit der rumänischen Gruppierung sei er 2013 widerrechtlich in ein leer stehendes Gebäude eingedrungen. Im Objekt wurde durch die Rumänen ein Feuer entfacht, infolgedessen die Feuerwehr zum Einsatz kam.

Auf Nachfrage, weshalb er erst 2014 an die Polizei herangetreten ist, teilte der 22-jährige Rumäne mit, dass er befürchtet hatte weggeschickt zu werden. Er sei nicht der Meinung gewesen, dass ihm Gehör geschenkt und für ihn ein Dolmetsch bereitgestellt werden würde. Die Salzburger Polizei habe ihm aber die Möglichkeit zur Sachverhaltsschilderung gegeben.

Mehr als 50-fach vorgemerkter Ungar

Das Auto mit dem der Rumäne den Unfall verursachte, wurde ihm von einem 46-jährigen Ungarn zur Verfügung gestellt, der bereits mehr als 50 Mal wegen Strafrechtsdelikten wie etwa Diebstahl, Dokumentenfälschung, Hehlerei und Körperverletzung in Ungarn vorgemerkt ist.

Verbindungen zum Rotlichtmilieu

Es gibt Hinweise, dass der Ungar Verbindungen zur Rotlicht-Szene (Straßenprostitution) unterhält. Ebenso dürfte er in engem Kontakt zu dem 22-jährigen Rumänen stehen. Sogar bei dessen Einvernahme ging ein Anruf des Ungarn bei diesem ein, wobei sich der Ungar mehrmals vehement nach dem Verbleib des Rumänen erkundigte.

Obwohl der Unfalllenker immer wieder betonte seinen Lebensunterhalt derzeit ausschließlich durch aus der Bettelei stammende Geldmittel zu bestreiten, ist auch eine Verbindung zur Rotlicht-Szene nicht auszuschließen. Weiterführende Erhebungen sind auch diesbezüglich anhängig.

Männer nach Verabreichung von KO-Tropfen ausgeraubt

Nach der 30-jährigen Freundin des Rumänen wird wegen Verdacht des schweren Raubes per Haftbefehl des Salzburger Landesgerichtes gesucht. Sie bewegt sich im Bettler Milieu in München und Salzburg und steht in dringendem Verdacht einem 64-jährigen Salzburger KO-Tropfen verabreicht zu haben, um ihn danach auszurauben.

Am 10. August 2014, gegen 22 Uhr wurde das Opfer laut eigenen Angaben von der 30-jährigen Slowakin und einer bislang unbekannten Frau im Bereich Südtirolerplatz in Salzburg angehalten und in ein Gespräch verwickelt. Die Frauen gaben ihm gegenüber an, Polinnen zu sein und er solle doch alkoholische Getränke besorgen, die sie gemeinsam konsumieren könnten. Die 30-jährige holte in der Folge drei original verschlossene Flaschen Bier und sie begaben sich auf eine Grünfläche hinter ein Hotel im Bahnhofsbereich. Während der Unterhaltung bemerkte der 64-Jährige, dass sein Bier nicht mehr an seinem Platz stand. Die 30-jährige Slowakin gab dem Mann dann wieder eine der offenen Flaschen. Kurze Zeit nach erfolgter Konsumation schlief das Opfer an Ort und Stelle ein.

Am nächsten Tag zwischen 6 und 7 Uhr früh erwachte der 64-Jährige völlig benebelt und berauscht auf der Grünfläche hinter dem Hotel. Er stürzte mehrmals beim Aufstehen und zog sich dabei Abschürfungen zu. Nachdem seine Erinnerung langsam zurückkehrte, wurde dem Mann klar, dass etwas mit ihm passiert war. Seine Geldbörse samt E-Card, Personalausweis, Bankomatkarte und etwa 80 Euro Bargeld, sowie eine Wochenbuskarte waren ebenso verschwunden, wie die beiden Frauen. Nach erfolgter Anzeigeerstattung wurde beim Opfer eine polizeiamtsärztliche Untersuchung inklusive Drogenschnelltest durchgeführt. Bei der gerichtsmedizinischen Auswertung wurde in den Körperflüssigkeiten Betäubungsmittel festgestellt.

Am 11. August 2014 ereignete sich wiederum ein schwerer Raub. Dabei wurde ein 55-jähriger Salzburger Opfer der mutmaßlichen Täterinnen. Auch diesem Mann wurde die Geldbörse samt Inhalt geraubt, nachdem ihm nachweislich Betäubungsmittel verabreicht wurde. Gegen die 30-jährige Slowakin wurde ein Haftbefehl wegen schweren Raubes erlassen. Nach den Frauen wird gefahndet.

Pressemeldung der Landespolizeidirektion

Quelle: rosenheim24.de

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