Prozess nach grob fahrlässiger Tötung

Neun Monate auf Bewährung für Unfalllenker (90) - Vierjähriges Flüchtlingskind stirbt

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Die vierjährige Perla erlag ihren Verletzungen, nachdem sie nach dem Gottesdienst auf dem Vorplatz vom Unfalllenker und dessen Fahrzeug überfahren worden war.

Salzburg - Zu neun Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von knapp 4000 Euro hat eine Richterin heute rechtskräftig einen mittlerweile 91-jährigen Pensionisten wegen grob fahrlässiger Tötung verurteilt.

Er habe medizinisch festgestellt den Unfalltod grob fahrlässig wegen einer eingeschränkten Fahrtauglichkeit herbeigeführt. Er selbst war wegen Gesundheitsproblemen nicht vor Gericht erschienen. Der Anwalt der syrischen Opferfamilie verlas Erklärungen, in denen vor allem die Mutter Gerechtigkeit nur dann sehen will, wenn auch die Angehörigen des Unfalllenkers zur Verantwortung gezogen würden, die das Fahren des Mannes jahrelang zugelassen hätten, obwohl sie über die Fahruntauglichkeit Bescheid gewusst hätten.


Das Leiden der Eltern aus Syrien wird noch lange andauern, der Prozess endete bereits nach 50 Minuten, denn der Angeklagte war gesundheitsbedingt nicht erschienen und bei einer Strafandrohung bis zu drei Jahren kann auch in Abwesenheit verhandelt werden. Sein Geständnis ließ er über seinen Anwalt Kurt Jelinek verkünden, der im Vorfeld schon ins Treffen führte, dass der Angeklagte dem Prozess ausdrücklich zugestimmt hätte, er hätte wegen seines kritischen Gesundheitszustandes auch eine Verhandlungsunfähigkeit und damit ein Platzen des Prozesses erreichen können.

Für den Staatsanwalt stand nach den Ermittlungen und zweier Gutachten fest, dass der Unfall vor der Kirche in Gneis nicht auf einen technischen Defekt sondern ausschließlich auf einen Fahrfehler des damals 90- Jährigen zurückzuführen ist, das medizinisch-technische Gutachten spricht von einer „eingeschränkten Fahrtauglichkeit“. Der Kfz-Gutachter errechnete, dass das Fahrzeug statt 6 km/h Schrittgeschwindigkeit mindestens mit 26 km/h auf die vor der Kirche versammelte Gruppe zugefahren sei. Dabei hatte es eine Kollision mit zwei Personen gegeben, einer Frau, die schwer verletzt wurde, und mit dem vierjährigen Mädchen, das wenig später in der Klinik den schweren Verletzungen erlag.


„Er bedauert es unendlich, aber er kann es nicht mehr ungeschehen machen“

, so sein Anwalt, Kurt Jelinek. Es gehe ihm seit dem Unfall auch sehr schlecht, „er wird auch dauerhaft nicht mehr vernehmungsfähig sein, aber er will sich nicht davonschleichen sondern will, dass der Prozess stattfindet“. Er habe vor dem Unfall immer alle  Untersuchungen gemacht, „aber hier ist wohl doch der

Gesetzgeber gefordert dass Führerscheinbesitzer ab einem gewissen Altern überprüft

werden“, so Jelinek.

Dem schloss sich auch Opferanwalt Stefan Rieder vom „Weißen Ring“ an, er sprach von einer Tragödie. Es gehe der Familie seit dem Unglück sehr schlecht. Er forderte für Vater, Mutter und den dreijährigen Bruder des verunglückten Mädchens jeweils 70.000 Euro Schmerzensgeld. Nachdem der Angeklagte sich trotz Abwesenheit schuldig bekannte sahen sowohl Staatsanwalt, als auch die beiden Anwälte keine Notwendigkeit Zeugen zu befragen oder die beiden Gutachten näher erläutern zu lassen.

Opferanwalt Rieder verlas allerdings zwei Erklärungen vom anwesenden Vater des kleinen Mädchens, sowie der nicht anwesenden Mutter. Diese beklagte den Tod ihrer Tochter mit herzzerreißenden Worten und forderte die „Frau Richterin“ auf, auch die Angehörigen des Unfalllenkers zur Rechenschaft zu ziehen, diese hätten seit Jahren von der Fahruntauglichkeit des Pensionisten gewusst und hätten daher einschreiten müssen.

Der Sohn des Fahrers sei nach dem Unfall verständigt worden, sei sofort zum Platz vor der Kirche gekommen und habe versucht Beweise zu vernichten indem er Blut vom Auto abwischte und zahlreiche kleine Merkzettel am Armaturenbrett für „Heizung An, Aus“ und so weiter entfernen wollte. Tatsächlich hatte der Staatsanwalt ursprünglich auch gegen den Sohn ermittelt, das Verfahren wurde allerdings eingestellt.

Das Urteil von neun Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe akzeptierten sowohl der Staatsanwalt, als auch der Angeklagte, nach telefonischer Rücksprache durch den Anwalt. Vom Schmerzensgeld in Höhe von jeweils 70.000 Euro für drei Personen wurde nur ein Teil von jeweils 10.000 Euro pro Person anerkannt, der Rest muss über den Zivilrechtsweg eingeklagt werden.

hud

Quelle: rosenheim24.de

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