Schutzverband-Sprecherin Oestreich im Interview

„Flughafen in Maxglan nicht haltbar“

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Nach einer geringen Teilnehmerzahl an einer Demo gegen den Fluglärm im August vergangenen Jahres hatte Oestreich laut über einen Rückzug nachgedacht. Jetzt sagt sie, sie will bleiben.

Salzburg/Freilassing - Schutzverband-Sprecherin Oestreich beantwortet im Interview offene Fragen zur Lärmschutzdebatte rund um den Salzburger Flughafen

Salzburg, Freilassing. Mit einem offenen Brief hat der Sprecher der Salzburger Flughafen-Anrainer von der neuen Stadtregierung eine Art Obergrenze gefordert, der Fluglärm sei nicht mehr zumutbar, die Grenze der Belastbarkeit sei überschritten. Erhört wird er zumindest von den Grünen in der Stadt, die in den laufenden Verhandlungen nach der Gemeinderatswahl im März ebenfalls eine Reduktion des Flugverkehrs fordern. Wie reagiert Bettina Oestreich als Vorsitzende des Schutzverbandes Rupertiwinkel auf diese doch überraschende „Schützenhilfe“ aus Salzburg, auch wenn es die nächsten fünf Wochen wegen der Rollbahnsanierung ohnehin ruhig ist über dem Freilassinger Himmel?

Frau Oestreich, sind Sie glücklich dass jetzt auch in Salzburg eine Diskussion über den Fluglärm in Gang kommt?

Oestreich: Ich finde die Forderung nach einer Reduzierung der Flugbewegungen prinzipiell natürlich gut, aber weniger Fluglärm über der Stadt Salzburg geht halt nicht, wenn man einen Stadtflughafen haben will. Aber es ist gut, dass jetzt auch die Salzburger erkennen, dass ein Stadtflughafen eben nicht nur eitel Sonnenschein bedeutet.

Aber Freilassing und ihr Verband wollten ja immer eine gerechte Verteilung?

Die Eigentümer des Flughafens, also Stadt und Land Salzburg, sollten ihren Bürgern endlich klar machen, dass ein Stadtflughafen auch eine Belastung mit sich bringt. Dieses unzumutbare Ausmaß an Flugbewegungen haben wir in Freilassing ja ständig, Salzburg bekommt jetzt an ein paar Samstagen das nur ansatzweise mit, was Freilassing immer hat. Ehrlich gesagt haben in Salzburg außer an den Wintersamstagen doch nur die nördlichen Stadtteile Liefering und Taxham, sowie Wals-Siezenheim den Fluglärm. Dort, wie auch in Freilassing ist es auch von April bis September nicht mehr lebenswert.

Aber an den Wintersamstagen sind doch zum Teil schon 25 Prozent der Maschinen in Richtung Süden gestartet.

Diese Starts in Richtung Süden haben doch nur einen Grund, und zwar den, dass die Anzahl der vorhandenen Parkpositionen am Flughafen beschränkt ist. Aber wegen der vielen Starts und Landungen an diesen Samstagen bekommen wir im Norden trotzdem noch viel mehr an Fluglärm ab als die Stadt Salzburg und die südlichen Gemeinden.

Was sagen Sie jetzt zur Forderung der Salzburger Anrainer und der Grünen in Salzburg, den Flugverkehr zu deckeln?

Ich begrüße diese Forderungen natürlich, die Hoffnung vieler, die gesamten Belastungen des Flugverkehrs auf  die bayerischen Anwohner abwälzen zu können ist einfach nicht der richtige Weg. Wir fordern nach wie vor, dass der Betrieb am Salzburger Flughafen wie an allen Flughäfen erfolgt, also von der einen Richtung her landen und in die andere Richtung starten, also dass die Forderungen des Technischen Ausschusses auch umgesetzt werden. Das Reduzieren der Privatfliegerei betrifft auch Ainring und in letzter Zeit verstärkt auch Piding, da gibt es vermehrt Beschwerden.

Aber auch viele Bayern schätzen den Flughafen in Maxglan, viele wollen immer öfter in Urlaub fliegen, das wird mit einer Obergrenze nicht vereinbar sein.

Ich interpretiere den offenen Brief der Salzburger Anrainer so, dass ihrer Meinung nach der Flughafen am jetzigen Standort nicht mehr haltbar ist mit der heutigen Frequenz und der Art des Betriebs. Vielleicht sollten die Eigentümervertreter mit dem Land Oberösterreich und mit Bayern auf gemeinsame Standortsuche gehen. Bisher zählt leider nicht der Mensch, sondern der wirtschaftliche Erfolg und letzterem wird alles untergeordnet. Mit nachhaltigem Wirtschaften oder nachhaltiger Politik hat das nichts zu tun.

Apropos Nachhaltigkeit, Sie haben bei der Demo im Herbst 2018 angekündigt, sie würden über einen Rückzug aus dem Schutzverband nachdenken. Gibt es schon eine Entscheidung?

Ja, die Entscheidung gibt es, ich bleibe. Es gibt derzeit so viele positive Rückmeldungen und ich habe so ein großes Netzwerk aufgebaut, dass ich auf alle Fälle weitermachen will.

Vielen Dank für das Gespräch.

Quelle: rosenheim24.de

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