Bis zu 90 Zentimeter Schnee

Blizzard legt US-Ostküste lahm - ein Toter

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Zwei Männer räumen die abgebrochenen Äste eines Baumes von einer Straßenkreuzung in New Bedford

Boston - Der Wintersturm "Nemo" lässt die US-Ostküste unter Schneemassen versinken. Eine halbe Million Haushalte sind ohne Strom, der Verkehr kam völlig zum erliegen. Ein Mann kam ums Leben.

Mit starkem Schneefall und heftigen Windböen hat ein aufziehender Wintersturm Teile der US-Ostküste lahmgelegt. In mehr als 600.000 Haushalten fiel Medienberichten zufolgen in der Nacht zum Samstag der Strom aus, tausende Flüge und Zugverbindungen wurden gestrichen. Autobahnen und Innenstädte wirkten wie verwaist. Der Schnee türmte sich in einigen Gegenden bis zum frühen Samstagmorgen (Ortszeit) auf fast 90 Zentimeter. Erst am Mittag (Ortszeit) werde sich der starke Sturm legen, warnten Meteorologen.

 In der Metropole Boston könnte nach Angaben des US-Wetterdienstes bis zu einem ganzen Meter Schnee fallen - so viel wie selten zuvor. Im Vorfeld hatte ein Meterologe des Nationalen Wetterdienstes gewarnt: „Dies wird ein gefährlicher Wintersturm." Es würden Böen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern pro Stunde erwartet. Mindestens ein Todesopfer hat „Nemo“ bisher gefordert.

"Nemo" legt US-Ostküste lahm - die Bilder aus der Schnee-Hölle

"Nemo" legt US-Ostküste lahm - die Bilder aus der Schnee-Hölle

Für fünf Nordost-Staaten wurde der Ausnahmezustand ausgerufen: Massachusetts, New York, Connecticut, Maine und Rhode Island. 5000 Nationalgardisten wurden alarmiert, einige Küstenstädte sollten evakuiert werden. In Boston durften auf Anordnung des Bürgermeisters seit Freitagnachmittag keine Fahrzeuge mehr auf den Straßen sein und auch das öffentliche Nahverkehrssystem stand größtenteils still. „Wir sind kräftige Neu-Engländer und sind solche Stürme gewohnt, aber ich möchte die Menschen daran erinnern, ihren Verstand zu benutzen und von den Straßen fernzubleiben“, hatte Bürgermeister Thomas Menino gefordert - und die große Mehrheit der Fahrer hielt sich daran: Auf den Straßen waren während der Hauptverkehrszeit am frühen Freitagabend nur vereinzelt Fahrzeuge zu sehen. Den Fahrern drohen bis zu 500 Dollar, umgerechnet etwa 375 Euro, Strafe.

Auf einem Highway im US-Bundesstaat New York sind nach Medienberichten hunderte Fahrzeuge im Schnee stecken geblieben. Viele Autofahrer hätten auch in der Nacht zum Mittwoch inmitten des schweren Wintersturms auf dem „Long Island Expressway“ auf Hilfe warten müssen, berichtete der Fernsehsender ABC. Die Wagen hätten sich seit dem Freitagnachmittag wegen der schlechten Witterungsbedingungen festgefahren.

In der Millionenmetropole New York schneite es heftig. Räumfahrzeuge waren im Dauereinsatz. Die derzeit laufende Modewoche konnte aber ohne große Änderungen weitergehen. „Wir haben bei uns das Schlimmste verhindern können“, sagte Bürgermeister Michael Bloomberg am Samstagvormittag.

Über 5000 Flüge gestrichen - ein Toter in New York

Der Blizzard zog auch über Gegenden hinweg, die bereits vor rund drei Monaten stark vom Wirbelsturm „Sandy“ getroffen worden waren. Damals hatte es allein in den USA mehr als 100 Tote gegeben, Hunderttausende Menschen waren wochenlang ohne Strom. Der Schneesturm könnte in diesen Regionen auch zu neuen Überflutungen führen - den Vorhersagen zufolge sollten die Schäden aber geringer bleiben als bei „Sandy“.

Bereits im Vorfeld waren in der Region mehr als 5000 Flüge und alle Zugverbindungen gestrichen worden. Mehr als 60 Flughäfen seien betroffen, meldete die Webseite „Flight Aware“. Auch Flüge aus Deutschland an die Ostküste, etwa von Frankfurt am Main, wurden annulliert. Am Samstag fielen insgesamt neun Flüge in die USA aus. Mehrere andere Maschinen sind verspätet. In München mussten Flüge nach Bosten am Samstag annuliert werden. New York und Washington könnten dagegen schon wieder angeflogen werden. Viele Schulen, aber auch Büros und Fabriken blieben geschlossen oder schlossen frühzeitig. An Tankstellen und Supermärkten bildeten sich lange Schlangen. Im Bundesstaat New York forderte der Blizzard ein Todesopfer: Eine 18 Jahre alte Autofahrerin habe auf schneebedeckter Straße in Poughkeepsie (US-Staat New York) die Kontrolle über ihren Wagen verloren und einen Fußgänger überfahren, berichtete der TV-Sender CNN in der Nacht zum Samstag. Der 74 Jahre alte Mann sei nach dem Unfall ins Krankenhaus gebracht worden und dort gestorben.

Drei Tote bei Schneesturm in Kanada

In Kanada hatte ein Schneesturm in der Provinz Ontario sind am Freitag mindestens drei Menschen das Leben gekostet. Der Sprecher eines Rettungsdienstes, Ian Wright, teilte mit, beim Schneeschippen in ihrer Einfahrt sei eine 80-jährige Frau zusammengebrochen und gestorben. Bei Autounfällen seien zwei Männer ums Leben gekommen. Allein in Toronto registrierte die Polizei 350 Verkehrsunfälle.

Angesichts der Glätte wurde für den gesamten Bundesstaat Massachusetts ein Fahrverbot verhängt. Wer trotzdem ins Auto stieg, konnte mit bis zu 500 Dollar (etwa 375 Euro) Strafe belegt werden - oder sogar einem Jahr Gefängnis. Ein Grund für den dramatischen Schritt seien die Erfahrungen bei dem großen Blizzard von 1978 in den Neuengland-Staaten. Damals blieben zahlreiche Autofahrer auf den Highways liegen. Auch in Connecticut galt am Samstag ein Fahrverbot.

Die USA kämpfen aber nicht nur mit den Schneemassen, sondern auch mit der Kälte: An einigen Orten der Ostküste fiel die gefühlte Temperatur wegen des Windes auf bis zu 32 Grad unter Null. In der Stadt Hamden im Staat Connecticut seien um 1.30 Uhr morgens 66 Zentimeter Schnee gemessen worden, berichtete der TV-Sender The Weather Channel. In Upton (New York) lagen 56 Zentimeter und Mansfield im Süden von Massachusetts kam auf 41 Zentimeter. Portland, die größte Stadt im Bundesstaat Maine, meldete 38 Zentimeter. Im Central Park in der Millionenmetropole New York fielen bis zu dem Zeitpunkt rund 15 Zentimeter Schnee. Am frühen Samstagmorgen soll der Sturm abflauen, kündigten die Meteorologen an. Der TV-Sender Weather Channel taufte das Unwetter „Nemo“. Der Name gehe nicht auf den gleichnamigen Fisch im Disney-Film, sondern auf Jules Vernes Kapitän Nemo zurück.

dpa

Zurück zur Übersicht: Welt-News

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser