Hohe Energiekosten schlagen sich im neuen Abrechnungsspiegel nieder

Schock! Heizkosten 30 Prozent höher

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Heizen wird immer teurer.

Berlin - Der Deutsche Mieterbund hat jetzt den neuen Heizspiegel mit den durchschnittlichen Kosten pro Quadratmeter für das Abrechnungsjahr 2008 veröffentlicht.

Für Millionen Mieter dürfte das ein Schock werden: Die Heizkosten sind 2008 um 17 Prozent gestiegen, bei Ölheizungen sogar um fast 30 Prozent. Nachzahlungen drohen.

Der Heizspiegel liefert Vergleichswerte zu Heizenergieverbrauch, Heizkosten und Co2-Emissionen für das Abrechnungsjahr 2008 (das je nach Mietvertrag das Kalenderjahr oder eine beliebige Zwölfmonatsperiode z. B. vom 1.7. 2008 bis 30.6.2009 umfasst) getrennt nach Erdgas, Heizöl und Fernwärme. Dazu werden 52 000 Gebäudedaten ausgewertet.

Nach der aktuellen Liste kostete das Heizen einer 70-Quadratmeter-Wohnung mit Heizöl im vergangenen Jahr im Schnitt rund 880 Euro. Das sind 140 Euro mehr als im Jahr zuvor. Mieter mit Erdgasheizung zahlten 800 Euro (plus 65 Euro) und fürs Heizen mit Fernwärme 740 Euro (plus 40 Euro).

Damit stiegen die Ausgaben bei der Ölheizung um 28, bei Erdgas um acht und bei Fernwärme um 15 Prozent. „Das liegt an höheren Energiepreisen. Außerdem musste wegen des strengeren Winters mehr geheizt werden“, sagt Lukas Siebenkotten vom Mieterbund.Wie wehre ich mich gegen zu hohe Heizkosten-Abrechnungen?Mieterbunds-Jurist Hermann-Josef Wüstefeld zur tz: „Entweder den örtlichen Mieterverein kontaktieren oder die Kosten selbst prüfen“.

Das funktioniert mit Hilfe der Broschüre Die zweite Miete, die beim Mieterbund für sechs Euro erhältlich ist (T.: 030/ 22323-0, Fax: 030/22323-100, E-Mail: info@mieterbund.de).

In der Broschüre wird die Heizkostenabrechnung ausführlich erklärt. Der Jurist: „Nicht immer ist gesagt, dass die Abrechnung falsch ist. Manche Altbauten sind energietechnisch sehr schlecht. Hier sollte der Mieter mit dem Vermieter über Nachbesserungen verhandeln.“

KHD

Wie kalt darf die Wohnung sein?

Was Mieter und Vermieter über die Heizperiode wissen müssen / Neun Fragen und Antworten

Am 1. Oktober hat die Heizperiode wieder begonnen. Spätestens dann besteht für Vermieter Heizpflicht. Sie müssen dafür sorgen, dass die vertraglich festgelegte Mindesttemperatur in der Wohnung auch erreicht wird. Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten:

Gibt es eine gesetzliche Regelung zur Heizperiode?

Nein. Es kommt darauf an, was Mieter und Besitzer vertraglich vereinbart haben. Fehlt eine solche Vereinbarung gilt laut Mieterbund die Zeit vom 1. Oktober bis 30. April.

Wie hoch muss die Mindesttemperatur in bewohnten Räumen sein?

Enthält der Mietvertrag dazu keine genaue Regelung, gilt laut Deutschem Mieterbund eine Zimmertemperatur von mindestens 20 bis 22 Grad als ausreichend.

Muss die Mindesttemperatur auch nachts eingestellt sein?

Nein. Der Wohnungsbesitzer kommt nach Ansicht der Mieterhilfe Deutschland seiner Heizpflicht nach, wenn er während der üblichen Tagesstunden (7.00 bis 23.00 beziehungsweise 24.00 Uhr) für genügend Wärme sorgt.

Wie hoch muss die Mindesttemperatur im Winter sein?

Grundsätzlich darf die Temperatur nachts abgesenkt werden. Im Winter kann der Wohnungsbesitzer jedoch verpflichtet sein, die Heizung durchgehend in Betrieb zu halten, wenn die Raumtemperaturen unter 18 Grad zu fallen drohen.

Gilt die Heizpflicht auch außerhalb der Heizperiode?

Ja und nein: Es kommt schlicht auf die Außentemperatur an. Denn dem Mieter ist es der Rechtsprechung zufolge nicht zuzumuten, an sehr kalten Sommertagen zu frieren oder gar eine Gesundheitsgefährdung zu riskieren. Laut Mieterbund muss der Wohnungsbesitzer spätestens dann heizen, wenn die Zimmertemperatur tagsüber auch nur zeitweise unter 18 Grad sinkt und absehbar ist, dass die kalte Witterung länger als ein bis zwei Tage anhält.

Welche Ansprüche hat der Mieter im Streitfall?

Werner Robl von der Mieterhilfe Deutschland rät: „Falls nicht ausreichend geheizt wird oder der Vermieter die Anlage gar nicht erst einschaltet, sollte sich der Mieter zunächst schriftlich beim Vermieter beschweren und ihn auffordern, die Heizung anzustellen. Folgt dieser der Aufforderung nicht, kann der Mieter mit Mietminderung drohen bzw. diese ohne Frist geltend machen.“

Um wie viel Prozent kann man die Miete senken?

Robl: „Liegt die Raumtemperatur tagsüber zwischen 18 und 16 Grad, um 20 Prozent, bis 13 Grad um 50 Prozent und bei Totalausfall der Heizung um 100 Prozent.“

Kann der Mieter auch Schadensersatz geltend machen?

Nur, wenn der Besitzer nach einer Abmahnung seiner Verpflichtung weiter nicht nachkommt. Das Frankfurter Landgericht hielt z.B. Schadensersatz für die Anschaffung eines Heizofens und für die damit verbundenen Stromkosten für gerechtfertigt.

Was müssen Mieter beachten?

Eine generelle Heizpflicht besteht für Mieter nicht, sie müssen jedoch drohende Schäden – etwa ein Zufrieren der Rohre verhindern, oder Schimmelbildung in den Wohnräumen durch mehrfaches tägliches Lüften vermeiden. In den meisten Verträgen ist vereinbart, dass der Mieter eine monatliche Vorauszahlung für die Heizkosten und nach Vorlage einer Gesamtabrechnung möglicherweise eine Nachzahlung leisten muss. Kommt er dieser Pflicht nicht nach, darf der Vermieter die Heizung jedoch nicht kurzerhand abstellen. Vielmehr ist er gehalten, die Forderungen einzuklagen.

uf. (tz)

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