Haiti: "Erschreckend hohe Zahl an Toten"

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Port-au-Prince - Haiti ist vom schwersten Erdbeben seit 200 Jahren erschüttert worden. Vom Präsidentenpalast bis zu Hütten in den Vorstadtslums stürzten unzählige Gebäude ein. Es werden tausende Tote befürchtet. Ein Sprecher der Deutschen Welthungerhilfe in Haiti sagte, er gehe davon aus, dass die Zahl erschreckend hoch sein wird.

Die internationale Hilfe läuft bereits an, auch Deutschland sagte Unterstützung zu. Die Menschen in Haiti können nach keine Hilfe von den eigenen Behörden erwarten. Das genaue Ausmaß der Schäden ist bislang nicht abzusehen. Inzwischen ist die internationale Hilfe für Haiti angelaufen. Die Bundesregierung stellte 1,5 Millionen Euro Nothilfe zur Verfügung.

Das sagt zumindest eine Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes. Es gebe keine medizinische Versorgung für die Bevölkerung. Rasch hat sich dafür aber Hilfe aus dem Ausland angemeldet. Deutschland hat Haiti eine Million Euro Soforthilfe angeboten. Auch US-Präsident Barack Obama bot Haiti Hilfe an. Frankreich will noch heute zwei Flugzeuge mit Hilfsgütern und je etwa 60 Rettungskräften nach Haiti entsenden.

Außenminister Guido Westerwelle erklärte in Berlin, er sei bestürzt über das Ausmaß der sich abzeichnenden Katastrophe. „Die Bundesregierung wird der Republik Haiti mit jeder möglichen Hilfe zur Seite stehen“, versicherte Westerwelle. Der Minister kündigte die umgehende Einrichtung eines Krisenstabs an.

Vom Erdbeben sind nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes (DRV) keine deutschen Urlauber betroffen.

Mehr als zehn Nachbeben

Dem Beben folgten in der Nacht mehr als zehn Nachbeben. Auf Bildern waren eingestürzte Häuser und aufgerissene Straßen zu sehen. Das Telefonnetz brach zusammen. Berichten zufolge wurden der Nationalpalast, die Kathedrale und viele andere Gebäude zerstört oder schwer beschädigt.

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Die USA befürchten eine große Zahl von Todesopfern, sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums bei CNN. Jetzt prüfe man den Zustand des Flughafens und ob Hilfsmannschaften landen könnten. Frankreich schickt zwei Flugzeuge mit Hilfsgütern und je etwa 60 Rettungskräften an Bord nach Haiti. Etwa 1400 Franzosen leben derzeit dort, sagte der Minister für Entwicklungshilfe dem Sender Europe 1. Von dem Erdbeben sind auch die Vereinten Nationen schwer betroffen. Das Hauptquartier der Minustah-Friedenstruppe in Port au Prince sei schwer beschädigt, habe das Erdbeben aber überstanden, hieß es von den UN in New York. Allerdings sei noch nicht bekannt, ob es auch Opfer unter den UN-Mitarbeitern gibt. „Die Verbindung zu den Männern und Frauen in Haiti ist sehr dünn. Das Erdbeben hat alle Kommunikationsmöglichkeiten unterbrochen“, sagte Alain Le Roy, Untergeneralsekretär für friedenserhaltende Maßnahmen.

Erdbeben in Haiti: Tausende Tote befürchtet

Bislang machten die Behörden des Karibikstaats Haiti und der benachbarten Dominikanischen Republik keine Angaben über etwaigen Schäden oder mögliche Opfer. “Wir haben keine Meldungen über Schäden“, sagte ein Zivilschutzsprecher in Santo Domingo, der Hauptstadt der Dominikanischen Republik kurz Zeit nach dem Erdbeben. Allerdings erwarte er bald nähere Angaben.

“Katastrophe von größeren Ausmaßen“

Der haitianische Botschafter in den USA, Raymond Joseph, befürchtet, dass das Erdbeben der Stärke 7,0 in seiner armen Heimat eine “Katastrophe von größeren Ausmaßen“ ist. Joseph sagte dem US-Nachrichtensender CNN am Dienstag weiter, er habe wenig Informationen über das Ausmaß der Schäden, jedoch habe ihm ein Regierungsbeamter gesagt, es seien Häuser eingestürzt. Joseph sagte, “Das einzige, was ich jetzt tun kann, ist beten und das Beste erhoffen“. Nach bisher unbestätigten Berichten soll in Haiti ein Krankenhaus eingestürzt sein. Der Botschafter bat die USA um Unterstützung.

Wie CNN berichtet, folgten auf das Hauptbeben kurze Zeit später zwei weitere, schwächere Nachbeben der Stärke 5,9 bzw. 5,5. 

Ein amerikanischer Regierungsbeamter, der zurzeit den verarmten Staat besucht, berichtete, mehrere Häuser seien in eine Schlucht gestürzt. “Sie ist voller eingestürzter Mauern, Trümmer und Stacheldraht“, sagte Henry Bahn vom US-Landwirtschaftsministerium.

Nach Angaben des seismologisch-geologische Institut der USA lag das Epizentrum etwa 16 Kilometer westlich der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince in 10 Kilometer Tiefe. Das Beben habe sich um 16.53 Uhr Ortszeit ereignet. Für mehrere Karibikstaaten wurde eine Tsunami-Vorwarnstufe ausgerufen. Neben Haiti auch für die Küsten von Kuba, den Bahamas und der Dominikanischen Republik. Rund zwei Stunden nach dem Beben hat das Pacific Tsunami Warning Center die Tsunami-Warnung wieder aufgehoben.

Viele Menschen liefen in Santo Domingo und auch in Port-au-Prince in Panik auf die Straßen. Haiti ist das ärmste Staat in der westlichen Hemisphäre. In dem rund neun Millionen Einwohner zählenden Land sind seit 2004 UN-Friedenstruppen in Einsatz. Die Einheit setzt sich aus rund 7000 Soldaten aus 18 Ländern zusammen.

USA bieten Haiti nach Beben Hilfe an

US-Präsident Barack Obama hat dem armen Karibikstaat Haiti die Hilfe seines Landes angeboten. Obama erklärte am Dienstag in Washington, die USA würden die Entwicklung genau beobachten und sie seien bereit, den Haitianern zu helfen. Der Präsident beauftragte seinen Stab, sich für humanitäre Hilfe bereit zu halten, falls sie gebraucht werde. Auch andere Regierungsstellen und das Militär arbeiten daran, nötigenfalls eingreifen zu können.

Eine Überlebende berichtete in der Nacht zum Mittwoch, über der Stadt türme sich eine riesige Staubwolke. “Es ist schrecklich“, schrieb sie in einer E-Mail. Telefongespräche waren nicht möglich, weil die Netze zusammengebrochen waren. An mehreren Stellen in Port- au-Prince brachen Feuer aus - vermutlich weil Gasleitungen geplatzt waren.

dpa/apn/len

Quelle: rosenheim24.de

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