Solarflugzeug fliegt durch die Nacht

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Solarflugzeug kann 24 Stunden am Stück fliegen.

Lausanne/Düsseldorf - Es ist so breit wie ein Airbus und leicht wie ein Auto. Ein Solarflugzeug ist erstmals die ganze Nacht lang durchgeflogen. Doch die Flugpioniere wollen noch viel mehr erreichen.

Die Nächte in der Luft zu verbringen ­ in einem durch die Sonne angetriebenen Flugzeug? Das allein ist schon atemberaubend. Und dann auch noch um die ganze Welt fliegen? Diese ehrgeizige Vision soll 2012 Wirklichkeit werden. Einen wichtigen Meilenstein hat das Team um den Schweizer Abenteurer Bertrand Piccard nun geschafft: Der Prototyp “Solar Impulse HB-SIA“ ist eine Nacht lang geflogen, ohne Sonne zu tanken. Das Nachfolgeflugzeug “HB-SIB“ soll 2012 die Erde umrunden. Piccard hat zusammen mit seinem Partner André Borschberg, ebenfalls Schweizer, und einem großen Team ein Flugzeug entwickelt, das rund 63 Meter breit, 22 Meter lang und 1600 Kilogramm schwer ist. Aber anstelle von 300 Menschen, die in einem etwa gleich breiten Airbus 340 fliegen könnten, hat der Prototyp “HB-SIA“ lediglich Platz für einen Piloten im Cockpit. Dank der enormen Spannweite finden auf den Tragflächen exakt 11.628 Siliziumzellen Platz. Diese sammeln tagsüber das Sonnenlicht für die Elektromotoren.

Solarflugzeug erstmals 24-Stunden unterwegs

Solarflugzeug erstmals 24-Stunden unterwegs

Für einen Nachtflug wird die Energie in vier Lithium-Polymer-Batterien gespeichert, die mit 400 Kilogramm insgesamt ein Viertel des Gewichts der “Solar Impulse“ ausmachen. Um Gewicht zu sparen, bauten die Flugzeugbauer ein wabenartiges Gerüst aus extrem leichten Carbonfasern. “Das Flugzeug sieht abgesehen von der Größe recht konventionell aus, da wollten wir nicht etwas ganz Verrücktes erfinden“, sagte Borschberg der Deutschen Presse-Agentur dpa im Vorfeld des Fluges. “Aber wir haben viele Materialien weiterentwickelt und neu geschaffen.“ Auf der geplanten, rund 20-tägigen Weltumrundung im Jahr 2012 wollen sich Piccard und Borschberg bei einigen Zwischenlandungen am Steuer der nächsten “Solar Impulse“ abwechseln. “Wir werden von West nach Ost und nördlich in der Nähe des Äquators fliegen“, erläuterte Borschberg, der das Projekt Solar Impulse als Pilot und Ingenieur leitet und nun auch den durchgehenden Nachtflug absolvierte. Piccard ist der Visionär und Präsident des Unternehmens.

Abenteuerlust in die Wiege gelegt

Dem Psychiater Bertrand Piccard wurde die Abenteuerlust schon in die Wiege gelegt. Sein Großvater Auguste Piccard stieg in den 1930er Jahren in einem Ballon als erster Mensch in die Stratosphäre auf, höher als 15 000 Meter. Jacques Piccard, Bertrands Vater, zog es in die Tiefsee ­ vor genau 50 Jahren tauchte er rund 11 000 Meter in den Marianengraben im Pazifischen Ozean ab. Bertrand Piccard flog 1999 als Erster mit einem Heißluftballon einmal komplett um den Globus. Bei ihren Flügen geht es Piccard und Borschberg weniger darum, einen Rekord aufzustellen, als die Menschen aufzurütteln, damit sie weniger Rohstoffe verbrauchen. Sie wollen “Botschafter der erneuerbaren Energien“ sein und zeigen: Man kann minimale Ressourcen einsetzen und trotzdem viel erreichen. Neben den technischen Hürden gibt es bei diesem Projekt auch menschliche zu überwinden: Mehr als drei bis fünf Tage am Stück kann ein Pilot nicht in dem 1,3 Kubikmeter großen Cockpit mit dem Komfort der Economy-Class verbringen.

Der Sitz ist zugleich Toilette, Aufstehen wird nicht möglich sein, und an Schlaf ist kaum zu denken. “Um Thrombosen zu vermeiden, entwickeln wir gerade spezielle Yoga- Übungen“, sagte Borschberg. Piccard wird Hypnosetechniken einsetzen und Borschberg meditieren, um so ausgeruht wie möglich zu sein. Beide kennen sich mit den unterschiedlichsten Flugzeugen aus. Borschberg war unter anderem Kampfjetflieger bei der Schweizer Luftwaffe, Piccard Europameister im Kunstflug. Auf ein mögliches Scheitern, sind Borschberg und Piccard innerlich vorbereitet, nehmen Zweiflern aber die Luft aus den Segeln. Borschberg: “Wer es nicht versucht, ist schon gescheitert.“

dpa

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