Bruder Georg: "Ich war eingeweiht"

Die Stimmen zum Papst-Rücktritt

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Papst-Bruder Goerg Ratzinger (links) und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer haben sich bereits zum Rücktritt von Papst Benedikt XVI. geäußert.

Rom - Die Rücktrittserklärung von Papst Benedikt XVI. kam am Montag völlig unerwartet. Vertreter von Politik und der katholischen Kirche haben sich bereits geäußert. Hier lesen Sie die Stimmen zum Papst-Rücktritt.

Papst-Bruder Georg Ratzinger

Papst-Bruder Georg Ratzinger hat die angeschlagene Gesundheit von Benedikt XVI. als Grund für dessen Rücktritt genannt. „Das Alter drückt“, sagte der 89-Jährige. Sein Arzt habe dem Papst geraten, keine transatlantischen Reisen mehr zu unternehmen. Auch das Gehen bereite seinem Bruder zunehmend Schwierigkeiten.

Der Papst ermüde rascher, sagte sein Bruder Georg weiter. Der 89-Jährige nannte den Rücktritt seines Bruders vom Amt des katholischen Kirchenoberhauptes einen „natürlichen Vorgang“. „Mein Bruder wünscht sich im Alter mehr Ruhe.“ Georg Ratzinger sagte weiter: „Ich war eingeweiht.“ Er gab zu, seit Monaten von den Rücktrittsplänen des Papstes gewusst, aber Geheimhaltung versprochen zu haben.

Zu den Zukunftsplänen seines Bruders äußerte sich Georg Ratzinger nicht. Insbesondere beantwortete er die Frage nach dem künftigen Wohnsitz von Joseph Ratzinger nicht. „Das ist eine andere Frage“, sagte der Papst-Bruder dazu lediglich.

Das frühere Wohnhaus von Joseph Ratzinger in Pentling bei Regensburg dürfte als Ruhesitz ausscheiden. Es ist seit wenigen Monaten eine theologische Begegnungsstätte. Die Besucher können dort den Lebens- und Wirkungsraum des Theologen Ratzinger nachempfinden. „In dem Haus ist vieles so, wie es früher gewesen ist“, hatte der Papst-Bruder bei der Inbetriebnahme im vergangenen September gesagt.

Georg Ratzinger, wie sein Bruder katholischer Priester, war von 1964 bis 1994 Domkapellmeister in Regensburg und damit Leiter der weltberühmten Regensburger Domspatzen. Seit seinem Ruhestand ist er Mitglied des Kollegiatstifts St. Johann.

Kanzlerin Angela Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Papst Benedikt XVI. für seinen Rücktritt höchsten Respekt gezollt und als einen der bedeutendsten religiösen Denker der Gegenwart gewürdigt. „Wenn der Papst selbst jetzt nach reiflicher Prüfung zu dem Entschluss gekommen ist, seine Kraft reiche nicht mehr für die Ausübung seines Amtes, so hat das meinen allerhöchsten Respekt“, sagte Merkel am Montag in Berlin. In Zeitalter des immer längeren Lebens könnten viele Menschen nachvollziehen, dass sich auch der Papst mit den Bürden des Alterns auseinandersetzen müsse.

Pressestimmen zum angekündigten Papst-Rücktritt

Pressestimmen zum angekündigten Papst-Rücktritt

Unvergessen bleibe seine Ansprache im September 2011 im Bundestag, sagte Merkel. „Er beschrieb darin unsere grundlegende Aufgabe als Politiker: dem Recht zu dienen und der Herrschaft des Unrechts zu wehren.“ Daran werde sie lange denken. „Als Bundeskanzlerin sage ich Danke für seine Arbeit und wünsche ihm von Herzen alles Gute für die nächsten Jahre.“ Er habe die Herzen der Gläubigen erreicht und Juden wie Muslimen die Hand gereicht.

Bayerns Ministerpräsident Seehofer

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bedauert den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. zutiefst. Seine Entscheidung verdiene dennoch größten Respekt, sagte Seehofer am Montag nach Angaben der Staatskanzlei in München. „Mit seiner charismatischen Ausstrahlung und seinem unermüdlichen Einsatz für das Wohl der Kirche hat der Papst aus Bayern die Menschen in aller Welt begeistert.“ Mit seiner Theologie habe er die katholische Kirche in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich geprägt. „Wir sind stolz auf das Pontifikat von Papst Benedikt XVI. Deutschland und Bayern haben ihm unendlich viel zu verdanken“, sagte Seehofer.

Erzbischof Zollitsch

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hat den angekündigten Rücktritt von Papst Benedikt XVI. als „große menschliche und religiöse Geste“ bezeichnet. „Wir deutschen Bischöfe danken dem Heiligen Vater für seinen Dienst auf dem Stuhl Petri und sind erfüllt von großem Respekt und von Bewunderung für seine Entscheidung“, hieß es in einer am Montag in Bonn veröffentlichten Erklärung. Die Nachricht vom Rücktritt unseres Heiligen Vaters bewege ihn zutiefst. „Papst Benedikt gibt aller Welt ein leuchtendes Beispiel wirklichen Verantwortungsbewusstseins und lebendiger Liebe zur Kirche.“

Italiens Präsident Napolitano

Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano hat Papst Benedikt XVI. nach dessen Rücktrittsentscheidung für seinen „großen Mut“ gelobt. Er zolle dem Papst seinen „allergrößten Respekt“, sagte er der Nachrichtenagentur Ansa zufolge am Montag. Benedikt habe mit der Entscheidung „außerordentlichen Mut und außerordentliches Verantwortungsbewusstsein“ bewiesen, sagte Napolitano.

Regierungssprecher Steffen Seibert

Die Bundesregierung hat bewegt und mit Respekt auf die Ankündigung von Papst Benedikt XVI. reagiert, sein Pontifikat am 28. Februar abzugeben. „Die Bundesregierung hat den allerhöchsten Respekt für den Heiligen Vater, für seine Leistung, für seine Lebensleitung für die katholische Kirche“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin.

"Loddar als Nachfolger" - Reaktionen bei facebook, Twitter & Co.

Papst Benedikt XVI. habe seine ganz persönliche Handschrift als Denker an der Spitze dieser Kirche und auch als Hirte eingebracht. „Was immer die Gründe für die Erklärung sein mögen - sie sind zu ehren und zu achten und es gebührt ihm der Dank, diese Weltkirche acht Jahre so geleitet zu haben.“

Persönlich sagte Seibert: „Als Christ und zumal als Katholik reagiert man mit Bewegung und mit Betroffenheit darauf.“

FDP-Fraktionschef Brüderle

Der Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Rainer Brüderle, nahm die Entscheidung von Papst Benedikt XVI. mit Respekt auf. „Sie ist ihm sicher sehr schwer gefallen, denn er war mit Leib und Seele und voller Überzeugung und Demut Oberhaupt der katholischen Kirche“, sagte Brüderle in Berlin. Die Verdienste des Papstes seien unbestritten. „Er hat sich um die Ärmsten dieser Welt gekümmert und immer den Dialog auch mit Andersgläubigen gesucht.“ 

Italiens Ministerpräsident Monti

Italiens Ministerpräsident Mario Monti hat sich überrascht und geschockt von dem angekündigten Rücktritt von Papst Benedikt XVI. gezeigt. „Ich bin sehr erschüttert über diese unerwartete Nachricht“, sagte er am Montag in Mailand, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Es habe vorher keine Anzeichen oder Signale für die Entscheidung Benedikts gegeben.

Papst Benedikt XVI. in Deutschland: Die besten Bilder

Papst Benedikt XVI. in Deutschland: Die besten Bilder

Landeskomitee-Vorsitzender Schmid

Der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Albert Schmid, hat auf die Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt XVI. mit großem Bedauern reagiert. „Ich bin tief traurig“, sagte Schmid. „Das erste Mal in meinem öffentlichen und kirchlichen Wirken bin ich wirklich sprachlos.“

Evangelischer Landesbischof Bedford-Strohm

Die Papst-Erklärung im Wortlaut

Bayerns evangelischer Landesbischof, Heinrich Bedford-Strohm, hat dem Papst Respekt für seine Rücktrittsentscheidung gezollt. „Es ist für mich ein Zeichen der Souveränität, wenn ein Mensch in diesem hohen Amt angesichts schwindender Kräfte selbst zu einer solchen Entscheidung kommt“, teilte Bedford-Strohm am Montag mit. „Jenseits aller theologischen und kirchenpolitischen Differenzen habe ich seine persönliche Aufrichtigkeit und theologische Tiefe immer geschätzt“, ergänzte er. Er wünsche Benedikt XVI. „von Herzen, dass Gott ihm noch möglichst viele erfüllte Jahre ohne die Bürde der Verantwortung schenkt“.

Britischer Premierminister Cameron

Der britische Premierminister David Cameron hat Papst Benedikt VI. Tribut gezollt. „Er hat unermüdlich gearbeitet, um die Beziehungen zwischen Großbritannien und dem Heiligen Stuhl zu stärken“, sagte Cameron am Montag. „An seinen Besuch in Großbritannien 2010 wird mit großem Respekt und Zuneigung erinnert werden. Er wird als spiritueller Führer von Millionen vermisst werden.“

Theologe Seckler

Der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. ist für seinen langjährigen Kollegen und Freund Max Seckler ein Zeichen der Größe des Kirchenoberhaupts. „Er stärkt damit die Auffassung, dass ein Papst aufhören soll, wenn es ihm die Gesundheit gebietet“, sagte der Tübinger Theologe am Montag. „Er hat sehr gelitten unter manchen Dingen, die dieses Amt mit sich bringt“, fügte der 85-Jährige hinzu. „Man kann sich schwer vorstellen, welche Intrigen es da in Rom gibt, mit denen er sich rumschlagen muss. Das hat ihn sehr belastet, weil er ja ein Theologe ist und ein edler Mensch.“

Universität Regensburg

Die Universität Regensburg hat ihren ehemaligen Dogmatik-Professor, Papst Benedikt XVI., als einen hoch angesehenen Wissenschaftler gewürdigt. „Er hat die theologische Fakultät durch seine Tätigkeit erheblich aufgewertet“, sagte der Kanzler der Uni Regensburg, Christian Blomeyer.

In Regensburg war Joseph Ratzinger von 1969 bis 1977 Dogmatik-Professor, zuletzt war der heutige Papst damals auch Vizepräsident der Hochschule. Bis heute wird der Pontifex als Honorarprofessor der Hochschule geführt.

Kirchenkritiker Küng

Der Theologe und Papst-Kritiker Hans Küng hat Benedikt XVI. für seinen Rücktritt Respekt gezollt. Dieser Schritt sei „aus vielen Gründen verständlich“, sagte Küng am Montag in Tübingen. „Zu hoffen ist aber, dass Ratzinger nicht Einfluss auf die Wahl seines Nachfolgers nimmt“, betonte der 84-Jährige. Allerdings habe Benedikt XVI. in seiner Amtszeit so viele Konservative Kardinäle berufen, dass unter ihnen kaum eine Person zu finden sei, „die die Kirche aus ihrer vielschichtigen Krise herausführen könnte“.

dpa

Zurück zur Übersicht: Welt-News

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser