Studie: Hirnveränderungen bei Magersucht

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Magersucht hat auch schädliche Folgen für das menschliche Gehirn.

Bochum - Frauen mit Magersucht weisen eine deutlich reduzierte Dichte grauer Zellen in Bereichen des Gehirns auf, die mit der Verarbeitung von Körperbildern zu tun haben.

Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Untersuchung von Wissenschaftlern der Ruhr-Universität Bochum hervor. Die Auffälligkeiten im Gehirn könnten nach Einschätzung der Forscher die gestörte Wahrnehmung des eigenen Körpers bei Frauen mit Essstörungen erklären: Patientinnen nehmen sich selbst als dick wahr, obwohl sie objektiv untergewichtig sind. Dies erschwert eine Behandlung der Essstörung.

Die Forscher untersuchten für ihre Studie 15 magersüchtige und 15 gesunde Frauen ähnlichen Alters im Kernspintomografen. Das Ergebnis: Da die magersüchtigen Patientinnen wegen ihrer Krankheit ein geringeres Körpergewicht und einen geringeren Body-Mass-Index aufwiesen als die Kontrollpersonen, war auch das gesamte Volumen des Gehirns verringert. In zwei Regionen des Gehirns fielen jedoch besonders starke Verringerungen der grauen Zellen auf: Die eine Region wurde vor einigen Jahren als diejenige identifiziert, die vorrangig für die visuelle Verarbeitung von menschlichen Körpern zuständig ist. Die zweite Region mit verminderter Dichte grauer Substanz befand sich im oberen, hinteren Teil des Schläfenlappen. Auch diese Gehirnregion wird mit der Verarbeitung von Körperbildern in Verbindung gebracht.

“Könnte Erklärung für gestörtes Körperbild sein“

“Diese Ergebnisse, die wir in dieser Studie zum ersten Mal gesehen haben, könnten eine Erklärung für das gestörte Körperbild von Anorexie-Patienten sein“, sagte der Wissenschaftler Boris Suchan. Ungeklärt blieb allerdings zunächst, ob die geringere Dichte der grauen Zellen Ursache oder Folge der Magersucht ist. “Ob es sich bei den Auffälligkeiten des Gehirns um eine Prädisposition handelt, die die Entstehung einer Essstörung begünstigt, oder um Veränderungen, die erst durch die Krankheit auftreten, müssen weitere Studien zeigen“, betonte der Experte. Die Studie wurde in der Zeitschrift “Behavioural Brain Research“ veröffentlicht.

ap

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