Tauziehen um die Seglerin Laura

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Laura Dekker will alleine die Welt umsegeln.

Amsterdam - Ein verzweifelter Teenager flieht in die Karibik. Zwangsrückkehr im Jumbo-Jet. Verhöre nach einem Nachtflug. Tränen einer hübschen 14-Jährigen, die eher wie 17 aussieht.

Drohungen mit dem Kinderheim. Vater und Mutter bekriegen sich. Großeltern beschuldigen den Staat, eine jungen Seele zu zerstören. Kurz vor Weihnachten bewegt viele Niederländer ein Drama, das eher an ein erbittertes Tauziehen um ein junges Mädchen erinnert, als an das Fest der Liebe. Im Mittelpunkt steht die passionierte Hobby-Seglerin Laura Dekker. Sie hatte die Welt im Frühjahr als 13-Jährige mit der Ankündigung überrascht, demnächst in ihrer 8,30 Meter langen Jacht “Guppy“ als bislang jüngster Mensch zu einer Allein-Umseglung der Erde aufzubrechen.

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Alles sah nach einem spannenden medialen Großereignis aus - mit einer attraktiven, ein wenig an Pippi Langstrumpf erinnernden Meernixe ganz allein auf den Weltmeeren. Lauras Vater, der segelbegeisterte Bootsbauer Dirk Dekker, konnte sich vor Angeboten von Sponsoren für den Törn der Tochter kaum retten. In Zeitungen, Blogs und Fachkreisen wurde die geplante Route des “Segelmädchens“ hin und her erörtert: Wie will sie bloß sicher durch das Piratengebiet vor Somalia kommen, lautete eine der Fragen. Ach, das wird schon, meinten nicht wenige. Das Mädel habe “Meersalz im Blut“ und könne Segeln wie der Teufel.

Schließlich wurde es doch auf einem Segelboot geboren in Neuseeland, während einer Weltreise der Eltern. Dann aber meldete sich Lauras Mutter zu Wort. Seit 2002 ist die Deutsche Babs Müller von Dirk Dekker geschieden. Anders als er wollte sie den gewagten Solo-Törn der Tochter nicht gutheißen. Sie hatte geschwiegen, um nicht die fragile Beziehung zu Laura zu gefährden. Nun sagte sie etwas, das für das Familiengericht in Utrecht wohl mit den Ausschlag gab, Lauras Rekordversuch Ende Oktober zum zweiten Mal bis auf weiteres zu unterbinden: “Ich habe lieber eine lebende Tochter, die mich nicht wiedersehen will, als eine tote Tochter.“

Vielschichtige Situation

So aufrichtig das klingen mag, diese Geschichte ist derart vielschichtig, dass kaum jemand die Motive aller Beteiligten genau kennt. Warum zum Beispiel macht Anne rpt. Anne Grondsma, der Lebensgefährte von Lauras Mutter, mittlerweile düstere Andeutungen über ihren leiblichen Vater? “Laura muss diesem Mann weggenommen werden!“, sagte er Reportern, nachdem sie auf die Karibik-Insel Sint Maarten ausgebüxt war. “Ich könnte eine Menge spannende Geschichten erzählen, die da so passiert sind.“

Nun haben auch noch Lauras Großeltern Öl in das Feuer des Streits gegossen. Mit einem Zeitungsartikel gaben Dick und Riek Dekker, die Eltern ihres Vaters, jenen liberal gesinnten Holländern Recht, die ihren Staat für anmaßend und viel zu vormundschaftlich halten: “Seit sich das Jugendamt einmischte, haben wir zusehen müssen, wie sich Laura in wenigen Monaten von einem unternehmungslustigen und positiven Teenager in ein Mädchen verwandelte, das sich abschottet und kein Vertrauen mehr zu den Erwachsenen hat.“ Die junge Seglerin werde von Bürokraten und Prinzipienreitern “kaputtgemacht“, schimpften Oma und Opa Dekker.

Die vom Jugendamt verlangte Einweisung in ein Heim verglichen sie mit einer Gefängnisstrafe für ein Kind. Zugleich kritisierten sie - wohl nicht zu Unrecht -, dass viele Bedingungen, die das Utrechter Gericht an eine eventuelle Startgenehmigung für Laura im kommenden Sommer geknüpft hatte, einfach unerfüllbar seien. So solle Laura einerseits noch mehr Segelpraxis erwerben, andererseits aber wurde ihr untersagt, vorerst allein auszulaufen. Bei so viel staatlichem Unverstand könne das Mädchen ja nur verzweifeln und depressiv werden.

dpa

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