Versäumnisse im Fall Lucile?

Tiroler Ermittler unter Beschuss: Hätte Mord an Carolin verhindert werden können?

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Kufstein/Endingen - Die brutalen Mordfälle von Lucile in Kufstein und Carolin in Endingen stehen kurz vor der Aufklärung. Ein positiver DNA-Abgleich überführte einen 40-jährigen Rumänen. Doch jetzt werden Vorwürfe gegen die Tiroler Ermittler laut.

Noch keine Woche ist es her, dass der mutmaßliche Doppelmörder von Lucile und Carolin G. verhaftet werden konnte, schon werden Vorwürfe laut. Vorwürfe, die die Badische Zeitung veröffentlicht hat und die sich gegen die Ermittler des Landeskriminalamtes in Innsbruck richten. Dabei geht es um die Frage, warum die Tiroler Kriminalisten angeblich drei Jahre lang nicht herausfanden, dass die Hubstange, mit der Lucile K. im Januar 2014 in Kufstein erschlagen wurde, von einem Lkw der Marke Iveco stammt. 

Positiver DNA-Abgleich beim Verdächtigen

Diese Entdeckung soll die Ermittler im Fall Carolin G. bereits nach kurzer Zeit auf die Spur des tatverdächtigen Rumänen geführt haben. Ein Vergleich mit den Tiroler Mautdaten habe dann ergeben, dass sich in der Mordnacht genau 13 Schwerfahrzeuge dieses Fabrikats im Raum Kufstein aufhielten. Die Freiburger Ermittler konnten die Fahrer rasch identifizieren. Dabei fiel auf, dass ein Fernfahrer mit seinem Handy am 6. November 2016 im Funknetz von Endingen eingeloggt war. An jenem Tag und an jenem Ort also, an dem die Joggerin Carolin G. vergewaltigt und ermordet worden war. Der Rumäne wurde nach einem positiven DNA-Abgleich schließlich festgenommen.

"Die Vorwürfet sind aus der Luft gegriffen"

Die Theorie der Badischen Zeitung: Hätten die Ermittler des Landeskriminalamtes in Innsbruck sorgfältiger ermittelt und die Entdeckung der Marke bereits vor drei Jahren gemacht, hätte der Mord an der 27-jährigen Carolin G. aus Endingen verhindert werden können, da der Tatverdächtige dann bereits seit 2014 hinter Schloss und Riegel sitzen würde.

"Die Vorwürfet sind aus der Luft gegriffen, unsere Arbeit war entscheidend für die Klärung beider Mordfälle", sagt Walter Pupp, Leiter des Landeskriminalamtes in Innsbruck gegenüber der Tiroler Tageszeitung. "Sowohl die Tiroler als auch die deutsche Polizei hätten jeder für sich nicht erfolgreich sein können. Die Festnahme war eine Folge der Zusammenarbeit." Auch Richard Kerber, Leiter der Sonderkommission in Endingen, erklärte zu den Vorwürfen gegen die Tiroler Kollegen: "Von dort wurde alles gemacht, was möglich war." Und auch der Freiburger Oberstaatsanwalt Michael Mächtel betont im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung, dass die Zusammenarbeit "mit den österreichischen Behörden hervorragend war". Immerhin habe die Tiroler Polizei die Tatwaffe 2014 aus dem Inn gefischt – "eine reife Leistung".

Tatverdächtiger streitet Taten ab

Nach Angaben der Polizei gegenüber der Badischen Zeitung wird die Endinger Sonderkommission "Erle" auch die Fahrtrouten des Fernfahrers rekonstruieren, um auf mögliche weitere Straftaten zu stoßen. Auch wird geprüft, ob der mutmaßliche Täter und das Opfer in Rumänien sich gekannt haben – was aufgrund der räumlichen Nähe der Wohnorte nicht auszuschließen ist. Der am Freitag festgenommene 40 Jahre alte Mann wurde am Dienstag erneut vernommen. Er bestreitet weiterhin die Tat.

mh

Quelle: rosenheim24.de

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