Vermisster Deutscher in Südsee: Hoffnung schwindet

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Paris - Der Fall des möglicherweise toten Weltumseglers aus Schleswig-Holstein sorgt auch am Ort des Verschwindens in der Südsee für Entsetzen. Vom Vermissten fehlt unterdessen weiter jede Spur.

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Wurde dieser Deutsche ein Kannibalen-Opfer?

Das Südseeparadies rund um die französische Insel Tahiti bangt nach dem mysteriösen Verschwinden eines Deutschen um seinen Ruf. Internationale Medien titelten zuletzt mit Schlagzeilen wie “Wurde ein deutscher Urlauber auf Tahiti verspeist?“ oder “Kannibalismus auf Tahiti?“. Manche ließen das Fragezeichen sogar einfach weg. “Das ist absurd“, sagte jetzt der zuständige Staatsanwalt José Thorel der Regionalzeitung “Le Nouvelles de Tahiti“. In den Ermittlungsakten gebe es nichts, was auf Kannibalismus hindeute. Nach Angaben von Wissenschaftlern liegen die letzten Fälle eines Menschenopfers in der Region mehr als 100 Jahre zurück.

Für die Angehörigen des 40-jährigen Weltumseglers aus Schleswig-Holstein dürfte dies nur ein schwacher Trost sein. Nach bisherigen Ermittlungen deutet alles darauf hin, dass der Mann auf der rund 330 Quadratkilometer großen Insel Nuku Hiva ums Leben kam.

Kurz nach seinem Verschwinden am 9. Oktober entdeckten Gendarmen an einer Feuerstelle Knochen und Kleiderreste. Nach jüngsten Angaben der Ermittler gibt es Hinweise darauf, dass sie von dem Verschwundenen stammen.

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“Es stimmt, dass wir nur noch sehr geringe Zweifel haben“, sagte Staatsanwalt Thorel. Vor allem die gefundenen Zahnelemente seien dem Vermissten zuzuordnen. Gewissheit soll eine DNA-Probe bringen, die zurzeit in Frankreich untersucht wird.

Was dem Deutschen widerfuhr, ist weiter völlig unklar. Nach ersten Ermittlungen vor Ort war der Deutsche kurz vor seinem Verschwinden mit einem einheimischen Jäger zu einer Tour aufgebrochen. Seine 37 Jahre alte Lebensgefährtin blieb zurück. Sie gibt an, ihren Freund seitdem nicht mehr gesehen zu haben.

Der Jäger habe ihr bei der Rückkehr erzählt, ihr Freund sei verletzt zurückgeblieben und benötige Hilfe, berichtete sie den Ermittlern. Als sie dem Fremden in den Wald gefolgt sei, habe dieser sie an einen Baum gefesselt und sexuell belästigt. Die Suche nach dem seitdem verschwundenen Jäger lief zuletzt weiter auf Hochtouren. 25 Ermittler sind nach Angaben der Inselzeitung “La Dépêche de Tahiti“ im Einsatz - darunter auch besonders ausgebildete Spezialkräfte und ein Spürhundeführer. Der Mann sei möglicherweise gefährlich, zitierte das Blatt Colonel Patrick Valentini.

Zu Tode kam Stefan R. vermutlich im Hakaui-Tal. Das Touristenbüro beschreibt es als spektakulärstes Ausflugsziel der Insel. “Das tief in den Basaltfelsen eingeschnittene Tal wird nach hinten immer enger und bildet einen Canyon bis zu einem grandiosen Wasserfall, der sich aus 350 Metern Höhe in ein steinernes Becken stürzt, heißt es in einer Beschreibung. “Ein magischer Ort mit zahlreichen archäologischen Fundstellen, Paepae (Steinterrassen) und Tiki (Steinstatuen), die noch nicht alle Geheimnisse der an dieser königlichen Kultstätte praktizierten Riten preisgegeben haben.“

Eine französische Anthropologin Marie-Noëlle Ottino-Garanger sagte der französischen Nachrichtenagentur AFP, die Unterstellungen der vergangenen Tage verletzten die Bevölkerung des Archipels und reflektierten die “typischen Fantasien mancher Europäer“. Sie lebt auf der Inselgruppe.

Die Eltern des vermissten Weltumseglers kontaktierten sogar die Inselbewohner. Sie wollen nicht, dass ein im November geplantes traditionelles Folklore-Fest wegen ihres Sohnes abgesagt wird. “Sie sagten mir, es wäre nicht im Sinne ihres Sohnes, wenn man dieses Fest ausfallen lassen würde“, berichtete der Bürgermeister Rolf Herrmann im schleswig-holsteinischen Haselau am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa.

dpa

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