Wieder Flutopfer in Pakistan und Indien

+
In den Hochwassergebieten in Pakistan sind erneut Menschen ums Leben gekommen.

Islamabad/Neu Delhi - Keine Entspannung in den Hochwassergebieten Indiens und Pakistans: Viele Menschen sind an Samstag in den Fluten oder bei Erdrutschen ums Leben gekommen.

Lesen Sie auch:

Tödliche Fluten in Indien und Pakistan

Heftiger Monsunregen und neue Erdrutsche haben am Samstag im Norden Pakistans mehr als 50 Menschen getötet und die Flutkatastrophe weiter verschärft. Für das Wochenende sind zudem weitere Regenfälle vorhergesagt. Schwere Schauer zwangen die Piloten zahlreicher Hubschrauber, am Boden zu bleiben. Das erschwerte die Rettungsarbeiten zusätzlich. Die Behörden des Landes geben die Zahl der Toten mit rund 1600 an, zehntausende warten auf Hilfe.

Hochwasser in Pakistan

Hochwasser in Pakistan

Die pakistanischen Behörden haben nun auch Alarmstufe Rot für einige Bereiche im Süden des Landes entlang des Flusses Indus ausgerufen. Dörfer, denen Überflutungen drohen, wurden evakuiert. Bereits am Freitag hatte die Wassermassen große Bereiche des Flussufers überschwemmt und dabei 2000 Siedlungen geflutet. Der ganze Umfang der Schäden und die genaue Zahl der Opfer ist derzeit unklar, die Angaben kommen von UN-Organisationen und lokalen Behörden.

Derzeit seien insgesamt rund zwölf Millionen Menschen betroffen, erklärte der Chef des pakistanischen Katastrophenschutzministeriums, Nedeem Ahmed. Diese Zahl ist rund dreimal höher als jene der UN. Nadeem zufolge sind 650 000 Behausungen zerstört oder beschädigt. 10 000 Rinder seien verendet und mehr als 500 000 Hektar Ackerland geflutet. Die zur Hilfe nötige Summe gab Nadeem mit 2,5 Milliarden Dollar (rund 2 Milliarden Euro) an.

In seiner monatlichen Radioansprache appellierte Premierminister Yousuf Raza Gilani an die internationale Gemeinschaft, den Menschen seines Landes zu helfen. Sowohl viele Opfer als auch die Opposition hatten die Regierung für eine unzureichende Reaktion als die Katastrophe kritisiert. Besonders viel Ärger zog sich Präsident Asif Ali Zardari zu, weil er trotz der Flut Staatsbesuche in Europa absolvierte.

Das Wasser gefährdet unterdessen auch die bedeutenden Ruinen von Moenjodaro im Süden Pakistans, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. Die bis ins dritte Jahrtausend vor Christus zurückreichende Stätte wurde über die Jahrhunderte hinweg immer wieder durch Fluten beschädigt, aber auch immer wieder aufgebaut. Die nun heranrollende Flutwelle könnte einmal mehr das zerstören, was von Moenjodaro noch übrig ist, sagte Pakistans UNESCO-Sprecher Jawad Aziz.

Nach Angaben der deutschen Botschaft in der indischen Hauptstadt Neu Delhi gab es durch sintflutartige Regenfälle in der Region Ladakh (sie umfasst die Unionsstaat Jammu und Kaschmir) ebenfalls Überschwemmungen und Erdrutsche. Betroffen waren besonders die Hauptstadt Leh und deren Umgebung, wo starke Niederschläge bis vor einigen Jahren eher selten niedergingen. “Die Fluten haben die malerische Landschaft von Ladakh in eine Desasterzone verwandelt, in der überall Ärzte und Helfer herumlaufen“, sagte ein Sprecher der Regierung. Vor allem bei Trekking-Touristen ist Ladakh ein sehr beliebtes Ziel.

Die Region ist weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Zugang ist derzeit nur mit Flugzeugen der indischen Streitkräfte möglich. Das Stromnetz und die Telefonverbindungen in Leh sind zusammengebrochen. Offiziellen Angaben zufolge sind bislang bereits 115 Todesopfer zu beklagen. Mehr als 400 Menschen wurden verletzt. Mindestens 500 weitere Personen gelten als vermisst.

Die deutsche Botschaft hat einen Krisenstab unter der Leitung von Botschafter Thomas Matussek eingerichtet und steht in engen Kontakt zu indischen Behörden sowie zu namentlich bekannten Deutschen im Krisengebiet. Dort rechnet die Botschaft mit rund 100 Deutschen, Hinweise auf Tote oder Verletzte unter ihnen gab es bis Samstagmittag nicht.

dpa

Zurück zur Übersicht: Welt-News

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser