Etliche Vertriebene

Zehn Tote: Hurrikan „Irma“ zerstört Karibik-Paradies

Hurrikan „Irma“ hat in der Karibik heftig gewütet. In einigen Gegenden ist die Zerstörung so groß, dass sie als unbewohnbar gelten. Nun nimmt der Sturm Kurs auf Haiti und Florida.

Update vom 8. September 2017: Hurrikan „Irma“ hat in der Karibik Bilder der Zerstörung hinterlassen und nimmt nun Kurs auf Florida. In unserem News-Ticker halten wir Sie über die aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Verwüstung auf der Insel St. Martin.

San Juan - Der extrem gefährliche Hurrikan „Irma“ hat in der Karibik zehn Menschen in den Tod gerissen, darunter auch ein Baby. (Updates weiter unten im Text). Der Wirbelsturm der stärksten Kategorie fünf habe auf den französischen Karibikinseln Saint-Barthélemy und Saint-Martin darüber hinaus schwere Schäden angerichtet, sagte Präfekt Eric Maire am Mittwoch. Das gesamte Ausmaß sei noch unklar. Staatspräsident Emmanuel Macron warnte, die Schadensbilanz werde „hart und grausam“ sein. Als immer wahrscheinlicher gilt, dass „Irma“ auf den US-Staat Florida treffen könnte. Derweil brauten sich in der Region gleich zwei neue Wirbelstürme zusammen.

„Die Schäden auf den beiden Inseln sind beträchtlich“, sagte Macron. Es gehe zunächst darum, Verletzte zu versorgen und Menschen Unterkunft und Verpflegung zu geben. Macron mahnte „nationale Solidarität“ an und kündigte finanzielle Mittel sowie einen Wiederaufbau-Plan an.

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnten in den kommenden Tagen bis zu 37 Millionen Menschen von den Auswirkungen betroffen sein. „Es ist eine große Katastrophe. 95 Prozent der Insel sind zerstört“, sagte der Präsident des Territorialrats von Saint-Martin, Daniel Gibbs, in Radiodsender RCI. „Ich stehe unter Schock.“

Starker Wind und Regen fegen in Fajardo, Puerto Rico, durch die Straßen der Stadt.

Auch auf der Karibikinsel Barbuda richtete „Irma“ schwere Schäden an. „Mindestens 95 Prozent der Gebäude wurden beschädigt. Teilweise wurden Dächer abgedeckt, teilweise wurden die Gebäude total zerstört“, sagte Premierminister Gaston Browne in einem Interview des Radiosenders ABS.

„Es ist herzzerreißend. Die ganze Insel steht unter Wasser. Im Moment ist Barbuda kaum bewohnbar“, sagte Browne. Auf Barbuda leben knapp 2000 Menschen. Die Insel war von dem Hurrikan der höchsten Kategorie fünf direkt getroffen worden. Die benachbarte Schwesterinsel Antigua war recht glimpflich davongekommen. Dort wurden nur leichte Schäden registriert. „Die Infrastruktur hat standgehalten und wir können wieder zur Normalität zurückkehren“, sagte Wirtschaftsminister Asot Michael.

„Irma“ ist ein Hurrikan der höchsten Stufe fünf und einer der schwersten jemals in der Region registrierten Tropenstürme. Es sei mit hohen Wellen, Starkregen und heftigem Wind zu rechnen, teilte das Nationale Hurrikanzentrum der USA mit. Der Sturm bewegte sich mit 26 Kilometern pro Stunde Richtung West-Nordwest. Am Mittwochabend (Ortszeit) zog er nördlich am US-Außengebiet Puerto Rico vorbei. Später sollte er die Dominikanischen Republik passieren und dann die Bahamas ansteuern.

In Puerto Rico suchten 2800 Menschen Schutz in Notunterkünften, wie Gouverneur Ricardo Rosselló. Es fiel starker Regen und und Bäume knickten um. Fast eine Million Menschen waren ohne Strom und 30 000 ohne Wasser. Die Regierung der Bahamas ordnete die Evakuierung mehrerer Inseln im Süden der Inselkette an. Als immer wahrscheinlicher gilt zudem, dass „Irma“ auf den US-Staat Florida treffen könnte.

Der Sturm könne der schlimmste werden, dem Florida je ausgesetzt gewesen sei, sagte Gouverneur Rick Scott am Mittwoch dem Sender ABC. „Ich möchte, dass jeder versteht, um was es hier geht“, sagte Scott. Alle Einwohner sollte sich für drei Tage mit Wasser und Nahrungsmitteln eindecken. „Nehmt was ihr braucht, aber nehmt nicht mehr“, sagte Scott mit Hinweis auf mögliche Versorgungsengpässe.

Mit „Irma“ ist die Gefahr aber nicht vorbei: Dahinter zog Hurrikan „José“ auf die Kleinen Antillen zu. Hurrikan „Katia“ im Golf von Mexiko erreichte am Mittwoch Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern pro Stunde, wie das US-Hurrikanzentrum in Miami mitteilte. Die mexikanische Regierung gab eine Warnung heraus.

Hurrikan Harvey sorgte zuvor in Texas für Überflutungen und Ausnahmezustand in Texas. Alle Infos bei uns in diesen Artikeln: 

Weißes Haus will 5,9 Milliarden Dollar Nothilfe für "Harvey"

„Harvey“ bringt Texas Fluten und Stromausfälle - zwei Todesopfer

Update 12.00 Uhr: Zahl der Todesopfer steigt auf mindestens zehn

Aufnahmen der Insel Philipsburg nach dem Hurrikan.

Die Zahl der Todesopfer durch den Hurrikan "Irma" in der Karibik ist auf mindestens zehn gestiegen. Allein auf der Insel Saint-Martin kamen nach Behördenangaben mindestens vier Menschen ums Leben, ein weiteres Todesopfer gab es auf Barbuda. Mindestens 21 Menschen wurden auf Saint-Martin verletzt, wie der Katastrophenschutz am Donnerstag mitteilte. Auf Barbados starb ein Jugendlicher, der während des Wirbelsturms surfte. Der Wirbelsturm war am Mittwoch über die Region hinweggefegt. Der Verwaltungschef des französischen Teils von Saint-Martin erklärte, die Insel sei "zu 95 Prozent zerstört". Auch auf Barbuda waren die Schäden nach Angaben der Regierung gewaltig. Auf Barbados kam ein 16-jähriger Profi-Surfer um, der während des Hurrikans im aufgewühlten Meer surfte. Nach Angaben der Welt-Surfliga wurde er auf ein Riff geschleudert.

St. Martin steht nach Hurrikan Irma unter Wasser.

Nach den Verwüstungen durch Hurrikan „Irma“ will Frankreich Trinkwasser und Lebensmittel zu den Betroffenen in seinen Überseegebieten bringen. Der Flughafen im französischen Teil der Karibikinsel Saint-Martin sei nicht zu stark beschädigt, sagte Innenminister Gérard Collomb am Donnerstag. „Wir werden dort zunächst mit Helikoptern und dann mit Flugzeugen landen können.“ Der Flughafen des niederländischen Südteils der Insel ist dagegen nicht zugänglich.

Priorität sei es, Stromgeneratoren in das betroffene Gebiet zu transportieren, sagte Collomb. Damit könne man vielleicht auch eine Entsalzungsanlage für die Trinkwasserversorgung wieder in Betrieb nehmen und die Telefonnetze wieder herstellen. Der Minister bezeichnete die Situation als schwierig: „Die Zerstörungen sind massiv.“ Ein Bewohner der französischen Insel Saint-Barthélemy sprach im Gespräch mit dem Sender BFMTV von einer „Horrorszene“: „Das ist nicht mehr der gleiche Ort.“

Update 16.00 Uhr: Greenpeace: Wetterextreme wie „Irma“ vertreiben noch mehr Menschen

Wetterextreme vertreiben immer mehr Menschen - nach Ansicht der Umweltschutzorganisation Greenpeace erhöht sich die Zahl der Vertriebenen durch Wirbelstürme wie „Irma“ und „Harvey“ weiter. „Die menschgemachte Klimaerhitzung verschärft die zerstörerische Kraft der tropischen Stürme“, teilte Karsten Smid, Klimaexperte von Greenpeace, am Donnerstag mit. 

Die Wassertemperaturen im Golf von Mexiko und in der angrenzenden Atlantikregion seien in Folge der Klimaerhitzung um ein bis zwei Grad höher als normal. Nach Expertenansicht treibt wärmeres Wasser Hurrikans weiter an. „Durch das Verfeuern von Öl, Kohle und Gas wird die Situation immer schlimmer“, sagte Smid.

Florida bereitet sich vor

Gegen 20.00 Uhr Ortszeit (2.00 Uhr Freitag MESZ) könnte „Irma“ auf die Turks- und Caicos-Inseln, ein britisches Überseegebiet, und danach auf die südlichen Bahamas treffen. Es gilt als wahrscheinlich, dass „Irma“ am Samstagabend (Ortszeit) auf den US-Staat Florida trifft. 

In Teilen von Floridas Süden, etwa auf der Inselkette der Florida Keys, wurden Evakuierungen angeordnet. US-Fluglinien strichen bereits dutzende Flüge. Auch für Teile der Bundesstaaten Georgia, North Carolina und South Carolina riefen die Behörden als Vorsichtsmaßnahme den Notstand aus.

Auch nach „Irma“ droht weitere Gefahr für die Region. Auf dem Atlantik formte sich bereits der nächste Hurrikan. „Jose“ befand sich zwar zunächst noch mitten auf dem Meer und war verhältnismäßig schwach. Allerdings könnte er am Freitag deutlich an Stärke gewinnen und später auf den Bereich der nördlichen Antillen treffen, wo „Irma“ bereits mehrere Menschen in den Tod riss.

Im Golf von Mexiko war der Hurrikan „Katia“ unterwegs. Der Sturm sollte voraussichtlich weiter in Richtung der mexikanischen Küste ziehen, er könnte sich aber zu einem tropischen Tief abschwächen.

UN-Chef trauert um Opfer von Hurrikan „Irma“

UN-Generalsekretär António Guterres hat sich bestürzt über die vom Hurrikan „Irma“ verursachten Todesopfer und schweren Verwüstungen in der Karibik gezeigt. Den Menschen und Regierungen der betroffenen Länder und Gebiete sprach Guterres in einer am Donnerstag in New York veröffentlichten Mitteilung sein Beileid aus. Die Regierungen seien gut vorbereitet gewesen und hätten gut reagiert, lobte der UN-Chef. 

dpa

Video: Glomex

Rubriklistenbild: © Screenshot Twitter

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