Parlamentswahl in Indien beendet

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An fünf Wahltagen wählten 710 Millionen Menschen ein neues Parlament. Sie standen teilweise stundenlang an.

Neu Delhi - Nach einem fünfwöchigen Abstimmungsmarathon ist in Indien am Mittwoch die Parlamentswahl zu Ende gegangen. Das offizielle Ergebnis gibt es am Sonntag.

Nach einem fünfwöchigen Abstimmungsmarathon ist in Indien am Mittwoch die Parlamentswahl zu Ende gegangen. Ersten Umfragen zufolge konnte keine der beiden großen Parteien die notwendige Mehrheit für eine Regierungsbildung erringen. Die Nachrichtenagentur PTI zitierte Prognosen mehrerer Fernsehsender, nach denen die regierende Kongresspartei und mit ihr verbündete Parteien knapp vor der oppositionellen hindu-nationalistischen Indischen Volkspartei (BJP) liegen.

Das offizielle Ergebnis wird erst an diesem Samstag verkündet. Begleitet wurde der fünfte und letzte Wahltag von einzelnen gewaltsamen Zwischenfällen. Am Mittwoch waren mehr als 107 Millionen Wähler aufgerufen, über die verbleibenden 86 der 545 Abgeordnetenmandate für das Unterhaus in Neu Delhi zu entscheiden. Nach Angaben der staatlichen Wahlkommission lag die Wahlbeteiligung bei etwa 62 Prozent. Abgestimmt wurde unter anderem im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu und in der ostindischen Millionenmetropole Kolkata (früher Kalkutta).

Umfragen gelten als unzuverlässig

Insgesamt hätten an allen fünf Wahltagen 59 bis 60 Prozent der 710 Millionen Stimmberechtigten von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht, sagte der Chef der Wahlkommission, Naveen Chawla, in Neu Delhi. Nach Angaben von PTI kämen die Kongresspartei und deren Partner auf 195 bis 227 Sitze. Auf die von der BJP geführte Allianz entfielen etwa 189 Mandate. Die “Dritte Front“, ein loser Zusammenschluss von linken und Regionalparteien, würde bis zu 113 Abgeordnete entsenden. Um die notwendige Mehrheit von 273 Mandaten zu erringen, müssten sowohl Kongresspartei als auch BJP weitere Partner für eine Regierungsbildung gewinnen. “Wir werden uns erst nach Bekanntgabe der Ergebnisse am 16. Mai zu möglichen Allianzen äußern“, sagte der Sprecher der Kongresspartei, Digvijay Singh.

Beobachter in Neu Delhi sagen angesichts der ersten Umfragen eine schwierige Regierungsbildung voraus. Die Wahlprognosen indischer Medien gelten jedoch als nicht sehr zuverlässig. Bei den Parlamentswahlen im Jahr 2004 war der BJP in sämtlichen Umfragen ein deutlicher Sieg vorhergesagt worden. Nach Auszählung der Stimmen hatte jedoch die Kongresspartei die Macht in Neu Delhi übernommen. Zusammenstöße von Anhängern rivalisierender Parteien begleiteten den Wahltag am Mittwoch. Im ostindischen Bundesstaat Westbengalen kam ein Mensch ums Leben, als sich verfeindete Gruppen eine heftige Straßenschlacht lieferten. Auch in Tamil Nadu wurden ein Mensch getötet und mindestens zwölf weitere bei Auseinandersetzungen verletzt. An den ersten vier Wahltagen waren etwa 45 Menschen getötet worden, die meisten bei Angriffen maoistischer Rebellen. Die Maoisten hatten ebenso wie muslimische Extremisten im indischen Teil Kaschmirs zum Boykott der Wahl aufgerufen. Die Parlamentswahl in der bevölkerungsreichsten Demokratie der Welt hatte Mitte April begonnen. Sie erstreckte sich aus organisatorischen und aus Sicherheitsgründen über fünf Wahltage.

dpa

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