Kommentar zum Weltcup-Aus

Biathlon: Die Entscheidung ist richtig - Wird den Mythos Ruhpolding aber nicht zerstören!

Zwei Gesichter der wichtigsten deutschen Biathlon-Stützpunkte: Erik Lesser (Oberhof, links) und Franziska Preuß (Ruhpolding) beim Gewinn der WM-Silbermedaille im Single-Mixed 2020.
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Zwei Gesichter der wichtigsten deutschen Biathlon-Stützpunkte: Erik Lesser (Oberhof, links) und Franziska Preuß (Ruhpolding) beim Gewinn der WM-Silbermedaille im Single-Mixed 2020.

Ruhpolding ist nicht mehr Teil des Biathlon-Weltcups 2020/21, Oberhof trägt zwei Wettbewerbe aus. Diese Entscheidung ist hart, letztlich aber gerechtfertigt. Ein Kommentar von chiemgau24.de.

Ruhpolding/Oberhof - Erstmals seit vielen Jahrzehnten wird es keinen Biathlon-Weltcup in Ruhpolding geben. Die Internationale Biathlon Union (IBU) hat in Absprache mit dem Deutschen Skiverband und den Organisationskomitees aus Ruhpolding und Oberhof entschieden.


Die deutschen Biathlon-Weltcups in der Saison 2020/21 werden in Oberhof ausgetragen. Statt wie ursprünglich geplant die Weltcups in Oberhof UND Ruhpolding abzuhalten, müssen die deutschen Standorte zusammengelegt werden.

Das ist für alle Fans des Biathlon-Standorts Ruhpolding schwer zu ertragen. Diese Entscheidung ist hart, aber letztlich auch sinnvoll.


Biathlon: Ruhpolding ist Teil der Erfolgsgeschichte

Seit Jahrzehnten pilgern Fans aus aller Welt in die Chiemgau-Arena. Sie brüllen „Jeyyyyyy“, wenn ein Athlet am Schießstand trifft. Es geht ein „Ohhhh“ durch die Menge, wenn ein Schuss daneben geht. Wer da letztlich am Schießstand steht, ist den vielen Biathlon-Begeisterten egal.

Frauen und Männer gleichberechtigt und auf identischem Niveau wertgeschätzt - Das gibt es im heutigen Spitzensport nicht oft. Die sympathische Gemeinde im Chiemgau hat entscheidenden Anteil an der Erfolgsgeschichte einer der beliebtesten Wintersportarten – weltweit!

„Das Biathlon-Herz schlägt in Ruhpolding und Oberhof“

In Ruhpolding wurden Legenden gemacht: Magdalena Neuner, Fritz Fischer, Laura Dahlmeier … Die Liste der prägendsten Biathleten Deutschlands ist lang. In der Chiemgau-Arena schlägt seit vielen Jahrzehnten das Herz des deutschen Biathlons.

Magdalena Neuner (links) und Laura Dahlmeier wurden in Ruhpolding zu Weltklasse-Biathletinnen ausgebildet.

Es schlägt aber auch in Oberhof. Die Balance zwischen den Standorten Ruhpolding-Oberhof war nach der Wiedervereinigung vor 30 Jahren nicht einfach. Sie hat das deutsche Biathlon aber letztlich geprägt und konkurrenzfähig gehalten. Deswegen ist die Entscheidung ‚für‘ Oberhof und ‚gegen‘ Ruhpolding auch die richtige. Es geht nur gemeinsam...

WM 2023 als zentraler Baustein

2023 findet die Biathlon-WM in Oberhof statt. Die Arena am Rennsteig hat infrastrukturell viele Veränderungen vorgenommen. Diese müssen getestet werden. Eine Biathlon-WM ist ein internationales Großereignis. Da braucht es entsprechende Anlaufzeit, um einen geregelten Ablauf zu garantieren.

Die WM im eigenen Land ist für das deutsche Biathlon von immenser Bedeutung. Nicht nur der Austragungsort Oberhof wird davon profitieren. Letztlich kommt die WM auch Ruhpolding zugute.

Hätte Ruhpolding auf die Austragung des Weltcups 2021 bestanden und beide Weltcups für sich beansprucht, wäre die WM 2023 möglicherweise zu einem Risiko geworden – Und nicht nur die WM. Das hätte eine Gefahr für den Biathlon-Standort Deutschland und somit auch für Ruhpolding sein können.

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Das kann den Mythos nicht zerstören

Deswegen ist die Entscheidung richtig. So enttäuschend sie auch für viele sein mag, es bleibt eine wichtige Erkenntnis:

Ein Jahr ohne Weltcup kann den Mythos Ruhpolding nicht zerstören. Im Sinne des deutschen und internationalen Biathlons ist die Entscheidung ‚für‘ Oberhof und ‚gegen‘ Ruhpolding richtig. Auch wenn sie für viele Biathlon-Fans, mich inklusive, hart ist.

Ein Kommentar von Tobias Ruf / truf

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