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Philipp Nawrath im Interview

Biathlon: „Da lag ein großer Druck auf mir - Den habe ich jetzt nicht mehr“

Philipp Nawrath bei seiner ersten Olympia-Teilnahme am Schießstand.
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Philipp Nawrath bei seiner ersten Olympia-Teilnahme am Schießstand.

Philipp Nawrath hat die beste Biathlon-Saison seiner Karriere hinter sich. Im Interview spricht der Wahl-Ruhpoldinger über seine Fortschritte, Schwachstellen, den Ausblick auf die kommende Saison und die zahlreichen Änderungen im Biathlon.

Ruhpolding - Philipp Nawrath hat sich in der Biathlon-Weltspitze etabliert. In der vergangenen Saison wurde der Allgäuer 18. des Gesamtweltcups und schnupperte mehrfach an seinem ersten Einzelpodest.

Im Gespräch mit chiemgau24.de erklärt der 29-Jährige, wie er seine Leistung steigern konnte und an welchen Baustellen er noch arbeiten muss. Zudem geht es um die Sommer-WM, das neue Regelwerk im Biathlon und die Veränderungen im Deutschen Skiverband.

Herr Nawrath, die erfolgreichste Saison Ihrer Karriere liegt hinter Ihnen. Wie blicken Sie auf den vergangenen Weltcup zurück?

Philipp Nawrath: Das Fazit fällt insgesamt positiv aus. Läuferisch habe ich einen großen Schritt nach vorne gemacht, bin viermal in die Top Ten gelaufen, war mit der Staffel auf dem Podium und habe erstmals an den Olympischen Spielen teilnehmen dürfen. Da ich selbst mein größter Kritiker bin, habe ich aber auch Punkte ausgemacht, mit denen ich nicht zufrieden kann.

Welche Punkte sind das?

Nawrath: Es waren einige Rennen dabei, in denen es noch weiter hätte nach vorne gehen können. Da haben Nuancen gefehlt, das war in den entsprechenden Momenten schon ärgerlich. Oft war das Stehendschießen hierbei der ausschlaggebende Faktor, meine Bilanz im Stehendanschlag möchte ich definitiv in der nächsten Saison verbessern.

Biathlon: „Eine bessere Stehendquote ist ein wichtiges und machbares Ziel“

Sie sprechen es an. Ihre Trefferquote stehend lag bei 72 Prozent, liegend sah die Bilanz mit 86 Prozent deutlich besser aus. 2019/20 hatten Sie eine Stehendquote von 81 Prozent. Wo liegen die Gründe für den doch deutlichen Unterschied?

Nawrath: Wenn das mal so einfach wäre (lacht). Ein Faktor ist mit Sicherheit, dass die Luft an der Weltspitze dünner wird. Man investiert läuferisch mehr, das kann dann zu Lasten des Schießens gehen. Die Fehlerquote kann auch steigen, wenn man Top-Platzierungen vor Augen hat und dann entsprechendes Risiko geht. Zudem habe ich Veränderungen am Gewehrschaft vorgenommen, die sich bisher nicht ausgezahlt haben. Jetzt gilt es gezielt daran weiterzuarbeiten. Eine bessere Stehendquote ist ein wichtiges und machbares Ziel für die neue Saison.

Kommen wir zur positiven Entwicklung. Läuferisch gehören Sie zu den stärksten Athleten im Biathlon-Weltcup, im internen Ranking des DSV stehen Sie sogar auf Platz eins. Woher kommt diese Entwicklung?

Nawrath: Ich hatte eine sehr gute Vorbereitung und konnte meine Form konstant aufbauen, ohne dass mich Verletzungen zurückgeworfen haben oder ich Zeit für Polizeilehrgänge aufbringen musste. Zudem habe ich immer weiter an den wichtigsten Komponenten für das Langlaufen gefeilt. Technisch, trainingsmethodisch und materialtechnisch ging es jeweils kleine Schritte nach vorne, das hat in Summe die positive Entwicklung begünstigt. Ein Faktor ist auch, dass wir läuferisch eine starke Mannschaft haben. Das gibt zusätzliche Motivation.

Sie sind in der Staffel die komplette Saison als Schlussläufer am Start gewesen. Wie fällt das Fazit aus?

Nawrath: Das war schon eine besondere Staffel-Saison für mich. Die Position als Schlussläufer bringt viel Verantwortung mit sich und hat einen besonderen Reiz. Leider hat es bedauerlicherweise gerade bei Olympia, beim letzten Schießen, nicht so geklappt, wie ich es mir vorgestellt habe. Aber daran will ich wachsen und würde mich freuen, wenn ich auch künftig auf dieser Position laufen darf.

Sie haben nach ihren Leistungen erstmals Olympia-Kader-Status erreicht. Was bedeutet das im Hinblick auf die kommende Saison?

Nawrath: Ich bin damit aller Voraussicht nach für den Weltcup gesetzt. In den Vorjahren musste ich mich intern qualifizieren. Da lag schon im Sommer entsprechend großer Druck auf mir. Den habe ich jetzt nicht mehr und kann die Vorbereitung schon gezielt auf den Saisonstart in Kontiolahti ausrichten.

Wenn der Weltcup dann startet, werden einige Dinge anders laufen. Der Weltverband hat die Punktvergabe verändert, zudem gibt es keine Streichresultate mehr. Wie stehen Sie zu diesen Maßnahmen?

Nawrath: Ich finde es gut, dass die Top-Platzierungen mit mehr Punkten entsprechend honoriert werden. Dem Wegfall der Streichergebnisse stehe ich eher skeptisch gegenüber. Wer auch nur einige Rennen verpasst, beispielsweise aufgrund einer Verletzung, hat keine Chance mehr, den Gesamtweltcup oder eine Disziplinwertung zu gewinnen.

Die WM ist künftig nicht mehr Teil des Weltcups. Johannes Thingnes Boe befürchtet einen qualitativen Verlust, da einige Athleten nicht mehr um die Plätze jenseits der Medaillen kämpfen werden. Wie stehen Sie dazu?

Nawrath: Ich kann den Gedankengang nachvollziehen, sehe das aber anders. Bei Olympia waren die Plätze jenseits der Medaillen teilweise hart umkämpft. Für viele Athleten sind die Top-Drei nicht der Maßstab. Da geht es primär um eine Leistungsentwicklung. Auch im Mittelfeld wird hart um WM-Punkte für einen möglichen Massenstarteinsatz gekämpft, den erreicht man nicht so im Vorbeigehen. Zudem sind die Startplätze pro Nation bei einer WM begrenzt. Athleten, die bei einer WM nicht starten dürfen, verlieren so auch keine Punkte im Gesamtweltcup.

Seit Jahren schwebt das Thema Fluor-Verbot über dem Biathlon-Zirkus. Wie stehen Sie dazu?

Nawrath: Auch nach Rücksprache mit unseren Technikern bleibt da eine gewisse Skepsis. Den Grundgedanken kann ich natürlich nachvollziehen, aber ob die praktische Umsetzung auch wirklich funktioniert, bleibt abzuwarten. Solange die Kontrollverfahren nicht lückenlos geklärt sind, sollte man das Verbot nicht einführen und so möglichem Materialdoping keine Türe öffnen.

Im deutschen Biathlon gibt es mit Felix Bitterling einen neuen Sportlichen Leiter. Macht sich diese Veränderung schon bemerkbar?

Nawrath: Ich habe gute Gespräche mit Felix geführt und freue mich auf die neuen Impulse, die so ein Führungswechsel mit sich bringt. Wir Athleten sind aber an den Trainern näher dran als an der Sportlichen Leitung, daher kann ich detailliert noch nichts über die Veränderungen berichten.

Biathlon: Der Kader der deutschen Herren für die Saison 2022/23

Benedikt Doll, Verein: SZ Breitnau, Geburtstag: 24.03.1990
Beruf: Sportsoldat, Größe: 178cm, Gewicht: 73kg
Benedikt Doll, Verein: SZ Breitnau, Geburtstag: 24.03.1990 Beruf: Sportsoldat, Größe: 178cm, Gewicht: 73kg © DSV
Lucas Fratzscher, Verein: WSV Oberhof 05, Geburtstag: 06.07.1994, Beruf: Sportsoldat, Größe: 180cm, Gewicht: 75kg
Lucas Fratzscher, Verein: WSV Oberhof 05, Geburtstag: 06.07.1994, Beruf: Sportsoldat, Größe: 180cm, Gewicht: 75kg © DSV
Philipp Horn, Verein: SV Eintracht Frankenhain, Geburtstag: 08.11.1994, Beruf: Sportsoldat, Größe: 178cm
Gewicht: 73kg
Philipp Horn, Verein: SV Eintracht Frankenhain, Geburtstag: 08.11.1994, Beruf: Sportsoldat, Größe: 178cm Gewicht: 73kg © DSV
Johannes Kühn, Verein: WSV Reit im Winkl, Geburtstag: 19.11.1991, Beruf: Zollbeamter, Größe: 188cm, Gewicht: 82kg
Johannes Kühn, Verein: WSV Reit im Winkl, Geburtstag: 19.11.1991, Beruf: Zollbeamter, Größe: 188cm, Gewicht: 82kg © DSV
Philipp Nawrath, Verein: SK Nesselwang, Geburtstag: 13.02.1993, Beruf: Landespolizist, Größe: 182cm, Gewicht: 78kg
Philipp Nawrath, Verein: SK Nesselwang, Geburtstag: 13.02.1993, Beruf: Landespolizist, Größe: 182cm, Gewicht: 78kg © DSV
Roman Rees, Verein: Ski-Verein Schauinsland e.V., Geburtstag: 01.03.1993, Beruf: Zollbeamter, Größe: 183cm Gewicht: 75kg
Roman Rees, Verein: Ski-Verein Schauinsland e.V., Geburtstag: 01.03.1993, Beruf: Zollbeamter, Größe: 183cm Gewicht: 75kg © DSV
Justus Strelow, Verein: SG Stahl Schmiedeberg, Geburtstag: 30.12.1996, Beruf: Sportsoldat, Größe: 183cm Gewicht: 74kg
Justus Strelow, Verein: SG Stahl Schmiedeberg, Geburtstag: 30.12.1996, Beruf: Sportsoldat, Größe: 183cm Gewicht: 74kg © DSV
David Zobel, Verein: SC Partenkirchen, Geburtstag: 11.06.1996, Beruf: Zollbeamter, Größe: 178cm, Gewicht: 71kg
David Zobel, Verein: SC Partenkirchen, Geburtstag: 11.06.1996, Beruf: Zollbeamter, Größe: 178cm, Gewicht: 71kg © DSV

Apropos Trainer: Mit dem Slowenen Uros Velepec hat die deutsche Herren-Mannschaft einen neuen Co-Trainer: Coaches aus dem Ausland sind eher ungewöhnlich für das deutsche Biathlon. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung und wie liefen die ersten Wochen der Zusammenarbeit?

Nawrath: Als feststand, dass Isidor Scheuerl sich aus privaten Gründen zurückziehen wird, hatten wir Athleten uns gezielt für Output von außen starkgemacht. Biathlon ist eine international breit aufgestellte Sportart, da ist ein Input von außen nur förderlich. Ich arbeite bereits intensiv mit Uros zusammen und kann bis jetzt nur Positives berichten.

Im August steht in Ruhpolding die Sommer-WM an. Haben Sie sich Ziele für dieses Event gesetzt?

Nawrath: Ich freue mich sehr auf diese Veranstaltung. Klar liegt unser Fokus auf dem Winter, aber das werden interessante und hoffentlich auch erfolgreiche Wettbewerbe. Ich will auf jeden Fall in Ruhpolding starten und dann natürlich auch gute Ergebnisse erzielen.

Gibt es schon Fernziele für die neue Weltcup-Saison?

Nawrath: Die Heim-WM 2023 in Oberhof ist natürlich ein absolutes Highlight. Darauf werde ich gezielt hinarbeiten. Insgesamt will ich noch konstanter werden und, wie schon angesprochen, meine Schießleistung verbessern.

Quelle: chiemgau24.de

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