Rodel-Legende im Gespräch

„Jetzt hab ich Fernsehstress“ - So geht es dem Hackl Schorsch in Selbstisolation

Rodel-Legende Georg Hackl befindet sich in Selbstisolation. Bei chiemgau24.de schildert er seine ungewöhnlichen Erlebnisse.
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Rodel-Legende Georg Hackl befindet sich in Selbstisolation. Bei chiemgau24.de schildert er seine ungewöhnlichen Erlebnisse.

Über 20 Stunden im Schlittentransporter neben einem positiv Getesteten, vier negative Corona-Tests und jetzt in Selbstisolation. Rodellegende Georg Hackl hat turbulente Tage hinter sich. Mit chiemgau24.de spricht er über seine Erlebnisse.

Bischofswiesen – Mitten im Telefonat klopft es an der Tür. „Jetzt bekomme ich mein Frühstück geliefert“, sagt Georg Hackl. Seine Lebenspartnerin stellt ihm frische Semmeln vom regionalen Bäcker, Tomaten und Speck vor die Tür. „Wir wohnen zwar im selben Haus, gehen aber sehr konsequent auf Abstand. Ich bin trotz zahlreicher negativer Corona-Tests noch immer eine potenzielle Infektionsquelle“, erklärt Hackl die Situation in seinem Haus in Bischofswiesen.

Seine Partnerin gehört zur Risikogruppe, Hackl selbst hatte unmittelbaren Kontakt mit einem positiv Getesteten, entsprechend vorsichtig bewegt er sich dieser Tage. „Wenn ich mein Zimmer verlasse, dann mit einer FFP-3-Maske, in einer Winterjacke und mit Skihandschuhen. So stelle ich eine geringere Gefahr dar“, sagt der 54-Jährige.

Rodeln: Ungewöhnliche Umkehr aus Litauen

Die Rodellegende fällt in die Kategorie ‚Kontaktperson 1‘, Hackl hatte unmittelbaren Kontakt mit einem auf Corona positiv Getesteten. „Wir waren zunächst mit der Rodel-Nationalmannschaft auf einem Lehrgang in Altenberg und wollten dann weiter nach Sigulda in Lettland fahren. Wir waren schon in Litauen, als der Lehrgang abgesagt wurde und wir umkehren mussten“, schildert der mehrfache Olympiasieger die ungewöhnliche Situation, in der sich die Rodler befanden.

„Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass ich über 20 Stunden in unserem Schlittentransporter neben einem unserer Trainer gesessen habe, der dann positiv auf Corona getestet wurde. Deswegen habe ich mich in häusliche Selbstisolation begeben“.

Corona: Georg Hackl appelliert an seine Mitmenschen

Selbst wurde Hackl in den vergangenen 14 Tagen vier Mal auf Corona getestet. „Alle Tests sind negativ ausgefallen, mir geht es gesundheitlich gut“, ergänzt er. „Dennoch bin ich sehr vorsichtig im Umgang mit meinen Mitmenschen und will kein Risiko sein“, betont er eindringlich und appelliert auch an seine Mitmenschen. „Jeder einzelne muss dabei helfen, damit wir diese Situation bestmöglich überstehen und die Infektionszahlen nicht weiter ansteigen. Ich kann nur jeden darum bitten, sich an die Maßnahmen zu halten und kein Risiko einzugehen. Dafür ist die Lage viel zu ernst“, sagt er und ergänzt: „Man darf sich nicht nur an der Mortalitätsrate oder den Zahlen auf der Intensivstation orientieren. Corona kann langwierige Folgen für die Gesundheit haben, das muss allen bewusst sein“.

Sorgen macht sich der zehnfache Weltmeister auch um die wirtschaftliche Lage in seiner Heimat. „Für viele Restaurants, Hotels und andere Unternehmen ist die Lage existenzgefährdend. Entsprechend kann ich nicht nachvollziehen, dass sich einige wenige unvernünftig verhalten und so die Existenz anderer aufs Spiel setzen.“

Und jetzt kommt der „Fernsehstress“

Aufgrund der häuslichen Selbstisolation kann auch Hackl derzeit seiner beruflichen Tätigkeit nicht nachkommen. Er ist seit vielen Jahren Teil des deutschen Trainerteams im Rennrodeln und unter anderem für das Material der Athleten vom Stützpunkt Berchtesgaden mitverantwortlich.

„Jetzt habe ich Fernsehstress. Gerade wollte ich eine Wissenssendung mit Harald Lesch anschauen und dann rufst du mich an“, sagt Hackl mit einem Lachen. Seinen Humor hat er trotz der turbulenten Tage nicht verloren.

Rodeln: Natalie Geisenberger (links) und Dajana Eitberger gewannen bei Olympia 2018 Gold und Silber. In der Vorsaison legten sie eine Babypause ein, im Weltcup 2020/21 wollen die beiden Rennrodlerinnen wieder angreifen.

Im Hinblick auf die neue Saison im Rennrodeln ist die Stimmung bei Hackl zwiegespalten. „Die ersten Tests im Hinblick auf die neue Saison waren sehr gut, auch die Stimmung im Team ist super. Unsere beiden ‚Rodel-Mamas‘ Dajana Eitberger und Natalie Geisenberger sind von ihrer Babypause zurück, haben das Rodeln offenbar nicht verlernt und bringen eine super Stimmung mit rein“, sagt Hackl.

Sorgen bereitet ihm neben der Zwangspause, die die Rodler in der so wichtigen Vorbereitungs- und Testphase auf den Saisonstart am 21. November in Sigulda einlegen müssen, die Frage, ob der Weltcup ordnungsgemäß durchgeführt werden kann.

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„Wir haben am eigenen Leib erfahren, wie schnell alles zum Stillstand kommen kann. Sollte das während der Saison passieren, wäre das ein herber Schlag für unseren Sport. Wir sind darauf angewiesen, dass die Wettbewerbe stattfinden. Ohne die regulären Einnahmen können wir uns nicht finanzieren“, erklärt Hackl die heikle Situation, in der sich die Rodler und viele andere Wintersportler dieser Tage befinden.

Dennoch verliert er seinen Optimismus nicht. „Wir bleiben zuversichtlich und werden sportlich alles in die Wege leiten, um bestens auf die neue Saison vorbereitet zu sein. In welcher Form auch immer sie abläuft.“

Bis die Vorbereitung am heimischen Königssee weitergehen kann, wird Hackl noch einige Tage in Isolation verbringen – Bei frischen Semmeln, Tomaten, Speck und jeder Menge Wissenschaftssendungen.

truf

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