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„Die härtesten drei Wochen meines Lebens“

Olympia-Rodler aus der Region berichten von den katastrophalen Bedingungen in China

Natalie Geisenberger und Tobias Arlt sind von den Bedingungen in China geschockt
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Natalie Geisenberger und Tobias Arlt sind von den Bedingungen in China geschockt

Olympia 2022 in Peking steht quasi vor der Türe. Ab Anfang Februar treten die besten Athleten der Welt bei den Winterspielen gegeneinander an. Das deutsche Rennrodel-Team war im November bereits bei einem Weltcup auf der olympischen Bob- und Rodelbahn vor Ort. Die zwei oberbayerischen Ausnahmekönner Natalie Geisenberger aus Miesbach und Tobias Arlt aus Berchtesgaden berichten von menschenunwürdigen Zuständen.

Peking - „Das waren die härtesten drei Wochen meines Lebens“. Mit diesen drastischen Worten fasst Natalie Geisenberger in einem Breitag der Sportschau ihre Erlebnisse beim Rennrodel-Weltcup, der kürzlich in China stattfand, zusammen. Auch der Berchtesgadener Tobias Arlt zieht eine schockierende Bilanz: „Ich sag es ganz ehrlich: Wenn die Spiele nicht wären ... zu einer Weltmeisterschaft würde ich da nicht rüberfahren.“

Schon die Anreise war nahezu unzumutbar

Nachdem die Athleten etwa 23 Stunden vom Frankfurter Flughafen bis zum Airport in Peking gebraucht haben, ging es dann weiter in Busse. Doch auch in diese eingestiegen, fuhr man nicht sofort los, sondern es hieß noch einmal zwei Stunden warten. Warum, weiß keiner so genau. Verständlicherweise entwickelte der eine oder andere Reisende im Lauf der Zeit einen „Toilettendrang“ wie Geisenberger es beschreibt.

Doch von den Verantwortlichen hieß es nur: „Nein, aussteigen dürft ihr nicht mehr.“ Als Ersatzlösung wurden Plastik-Kanister gereicht, erzählt die Miesbacherin im Sportschau-Interview weiter. Wer also seine Blase entleeren wollte, musste dies im Stehen im Gang erledigen.

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Quarantäne-Horror in China

Doch damit war die grauenvolle Reise noch lange nicht beendet, denn die zwei oberbayerischen Weltklasse-Athleten hatten jeweils mit traumatischen Quarantäne-Erlebnissen zu kämpfen. Die ehemalige Olympiasiegerin Geisenberger wurde isoliert, nachdem sie im Flugzeug angeblich neben einem Corona-positiven Fluggast gesessen hatte. Zwar konnte die Rennrodlerin Beweisfotos vorlegen, die zeigten, dass auf dem Platz, wo sie gesessen haben soll, lediglich Koffer und Reisegepäck gelagert waren. Dies interessierte die chinesischen Behörden allerdings nicht.

Die Isolation in China war für Geisenberger eine schwierige Zeit. Das Zimmer durfte sie dabei tagsüber nicht verlassen, das Essen wurde ihr lieblos vor die Tür gestellt und zum Training für den Weltcup konnte sie nur spät in der Nacht. Unzumutbare Bedingungen für einen internationalen Spitzensportler.

Auch Tobias Arlt aus Berchtesgaden erging es nicht besser. Der Doppelsitzer-Pilot wurde positiv auf das Corona-Virus getestet. Fälschlicherweise, wie sich im Nachhinein herausstellte. Als das Testergebnis bekannt wurde, wurde der Rennrodler noch an Ort und Stelle „abgeführt wie ein Schwerverbrecher“, so beschreibt es Augenzeugin Geisenberger.

Wie ein Gefangener

Arlt selbst berichtet, dass der Krankenwagen ihn mit gefühlten 150 km/h schnellstmöglich ins Krankenhaus gebracht hat. Er erzählt in dem Sportschau-Beitrag: „Du kommst dir da hinten drin vor wie ein Gefangener. Du weißt nicht, was dir als nächstes passiert und das Schlimme ist, da ist keiner, der deine Sprache spricht.“

Im Krankenhaus wurden dann Tests durchgeführt, Blut abgenommen und vieles mehr. Arlts Zustimmung dafür wurde einfach vorausgesetzt, danach gefragt, habe ihn keiner. Obwohl alle Tests zeigten, dass der Profi-Sportler kerngesund ist, wurde er in ein spezielles Quarantäne-Hotelzimmer verfrachtet - unter menschenunwürdigen Bedingungen. Überall im Zimmer lagen tote Insekten verteilt, zeigt Arlt in einem Instagram-Video. Lebendige Wanzen krabbelten zudem auf dem Bett und in Badezimmer. Die Toilette war nicht gereinigt und die Spülung funktionierte nicht richtig, eine absolute Katastrophe für den Sportler.

Top-Leistungen unmöglich

Nach drei Tagen wurde Arlt von den ekelerregenden Zuständen befreit, doch sportliche Höchstleistung abzurufen, war weder für ihn noch für Natalie Geisenberger nach den Erlebnissen der Vortage noch möglich. Die Miesbacherin stürzte nach einem untypischen Fahrfehler, Arlt wurde mit seinem Teamkollegen Tobias Wendl nur Neunter.

Durch die Vorfälle wächst auch die Sorge bei den beiden Sportlern. Der Berchtesgadener Arlt schließt in dem Beitrag nicht aus, die olympischen Spiel komplett zu boykottieren, sollte der Deutsche Olympische Sportbund eine entsprechende Empfehlung aussprechen. Geisenberger warnt vor der zusätzlichen Manipulations-Möglichkeit, die durch PCR-Tests entsteht: „Tür und Tor stehen offen, dass Athleten vielleicht Testergebnisse bekommen, die nicht der Realität entsprechen.“ Und so liebäugelt auch die Miesbacherin mit einer Absage.

US-Politiker haben bereits angekündigt, nicht zu den olympischen Winterspielen reisen zu wollen. Hierbei ist die Rede von einem „diplomatischen Boykott“. Wenn Sportler in China weiterhin so behandelt werden, ist es allerdings nur eine Frage der Zeit, bis auch die ersten Athleten nachziehen. Vor Olympia im Februar steht also noch ein großes Fragezeichen.

nt

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