Deutsche Rodler im BGL-Lockdown

Rodeln: Tobias Arlt „besorgt über Konsequenzen“, scharfe Kritik von Hackl

Tobias Arlt (vorne) und sein Partner Tobias Wendl bei der Vorbereitung im Mai in Berchtesgaden.
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Tobias Arlt (vorne) und sein Partner Tobias Wendl bei der Vorbereitung im Mai in Berchtesgaden.

Der Lockdown im Landkreis Berchtesgaden beschäftigt auch die deutschen Rennrodler. chiemgau24.de hat mit Doppelsitzer Tobias Arlt über die schwierige Situation gesprochen. Zudem meldet sich Legende Georg Hackl zu Wort.

Berchtesgaden - Der jüngst im Berchtesgadener Land verhängte Corona-Lockdown trifft auch die deutschen Rennrodler. Die Vorbereitung auf die neue Saison musste unterbrochen werden, die Athleten befinden sich in häuslicher Selbstisolation.

„Bei unserem Lehrgang vorige Woche in Altenberg gab es im Trainerteam einen positiven Fall, deswegen haben wir uns vorsorglich in Selbstisolation begeben“, sagte Doppelsitzer Tobias Arlt im Gespräch mit chiemgau24.de. „Beim positiven Fall in unserem Trainerteam hat der Betroffene keinerlei Symptome verspürt und ist natürlich aus allen Wolken gefallen, als der Test positiv war“, ergänzte der 33-Jährige.

Rodeln: Mehrfache Tests und Absage eines Lehrgangs

Arlt, der mit seinem Doppelsitzpartner Tobias Wendl mehrfacher Weltmeister, Olympiasieger und Gesamtweltcupsieger ist, geht es gesundheitlich gut, er und seine Teamkollegen wurden mehrfach negativ getestet. „Ob bei den Lehrgängen in Deutschland oder vor kurzem im lettischen Sigulda, wir werden regelmäßig getestet. Das ist auch gut und richtig so“.

Die unmittelbare Vorbereitung auf den Weltcup, der am 28. November im österreichischen Innsbruck/Igls beginnen soll, ist durch den Lockdown zunächst unterbrochen. „Unser für Sigulda geplanter Lehrgang musste kurzfristig abgesagt werden. Wir warten jetzt ab, wie es in den kommenden Tagen weitergeht und hoffen, dass wir zeitnah auf einer deutschen Bahn einen weiteren Lehrgang abhalten können“, erklärte Arlt die Situation der Rodler vom Königssee.

Rodeln: Massive Veränderungen durch Corona

Sollte sich die Corona-Lage nicht verschärfen, würde der derzeitige Lockdown keinen großen Einfluss auf die Vorbereitung haben. „Nach dem Lehrgang in Sigulda wäre ohnehin eine trainingsfreie Woche angestanden, die ziehen wir jetzt einfach vor“, sagte Arlt weiter. Die Bahn am Königssee ist planmäßig noch nicht vereist, aber Anfang November sollte auch hier wieder auf Eis gefahren werden.

Dass Corona Auswirkungen auf den Weltcup haben wird, steht aber bereits fest. „Unsere Trainingsläufe innerhalb einer Weltcup-Woche werden von fünf auf drei reduziert, die Nationen werden strikt voneinander getrennt und auch innerhalb des deutschen Teams werden die Gruppen verkleinert“, skizzierte Arlt die Umstellungen, die es geben wird.

Rodeln: Tobias Arlt besorgt über Konsequenzen für die Menschen und die Region

Sportlich sieht er für seine Sportart keine gravierenden Veränderungen. „Natürlich werden uns die Zuschauer, sofern keine zugelassen sind, sehr fehlen. Gerade bei den Heimweltcups in Deutschland ist die Atmosphäre immer eine ganz besondere. Aber während unserer Fahrt kriegen wir die Stimmung ohnehin nicht mit und wir fahren auch Weltcups, wie beispielsweise in Oslo, bei denen kaum Zuschauer da sind. Für andere Wintersportarten, wie Biathlon oder Skispringen, sind die Auswirkungen sicher größer.

Sorgen macht sich der Berchtesgadener um die Situation in seiner Heimat. „Natürlich beunruhigen einen diese Zahlen, es ist für uns auch schwer nachvollziehbar, woher dieser rasante und massive Anstieg kommt. Große Sorgen bereiten mir die möglichen Konsequenzen des neuen Lockdowns. Für die Gastronomie und die Hotellerie in unserer Heimat ist das existenzgefährdend. Und auch für die Kinder, die jetzt nicht mehr in die Schule können, ist das ein schwerer Einschnitt“, so der zweifache Familienvater

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Dennoch versucht Tobias Arlt das Beste aus der Situation zu machen. „Ich warte jetzt ab, wie sich die Dinge in den kommenden Tagen entwickeln. Wir halten uns als Sportler und Familie natürlich an die Regeln und hoffen, dass sich die Lage bald wieder beruhigt und es mit dem Training bald wieder weitergehen kann“, sagte Arlt abschließend.

Rodeln: Georg Hackl mit Unverständnis über kritische Stimmen

Die deutsche Rodel-Legende Georg Hackl kann indessen nicht verstehen, dass die Menschen im Corona-Risikogebiet Berchtesgadener Land von außen kritisiert werden. „Deutschland zeigt mit dem Finger auf uns. Dabei kann das, was hier gerade auftritt, überall passieren“, sagte der dreimalige Olympiasieger dem Nachrichtenportal „t.online“.

Rodel-Legende Georg Hackl meldet sich mit klaren Aussagen zu Wort.

Trotz der vielen Corona-Fälle in seiner Heimat nimmt der 54-jährige die Bevölkerung in Schutz. „Ich kann versichern, dass sich die meisten Einheimischen die vergangenen Wochen sehr konsequent an die Corona-Regeln gehalten haben. Nur hatten wir in diesem Sommer wahnsinnig viele Touristen bei uns in der Region. Und wenn viele Menschen auf einem engen Raum zusammentreffen, wird es nun mal kompliziert – und jetzt haben wir den Salat“, sagte Hackl. „Es kann doch nicht sein, dass Einzelne keine Maske tragen, weil sie davon ausgehen, dass sie an Corona schon nicht sterben werden.“

truf mit Material von dpa

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