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Sven Hannawald im Interview

Skispringen: „Wir dürfen uns auf eine packende Saison freuen“

Sven Hannawald ist seit der Saison 2020/21 im Ersten als Skispringen-Experte tätig.
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Sven Hannawald ist seit der Saison 2020/21 im Ersten als Skispringen-Experte tätig.

Sven Hannawald blickt mit großer Vorfreude auf den Weltcup 2021/22 im Skispringen. Im Interview spricht der ARD-Experte über das deutsche Team, den Mythos Vierschanzentournee und die Erwartungen an die neue Saison.

Rosenheim - 20 Jahre ist es her, dass sich Sven Hannawald im Skispringen in die Geschichtsbücher eintrug. Er gewann als erster Athlet alle vier Springen bei der Vierschanzentournee.

Inzwischen ist der 47-Jährige als Experte im Ersten tätig. Im Interview mit chiemgau24.de geht es um die kommende Saison, den deutschen „Fluch“ bei der Vierschanzentournee, um Olympia 2022 in Peking und seine Tätigkeit im Ersten.

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Herr Hannawald, was können die deutschen Fans von der kommenden Saison im Skispringen erwarten?

Sven Hannawald: Sie können mit großer Zuversicht in die neue Saison gehen. Die deutsche Mannschaft ist in der Breite sehr gut aufgestellt. Stephan Leyhe ist nach langer Verletzungspause zurück und macht einen guten Eindruck. Auch Severin Freund und Andreas Wellinger haben mir aus der Ferne über den Sommer gut gefallen. Constantin Schmid und Pius Paschke sind weiter auf einem guten Weg. Und dann sind da natürlich noch Karl Geiger und Markus Eisenbichler. Beiden traue ich zu, dass sie ganz vorne mitspringen können.

Kann die hohe Leistungsdichte im deutschen Team auch negative Auswirkungen haben?

Hannawald: Davon gehe ich nicht aus. Die Leistungsdichte führt zu einem hohen Grundniveau im Training, hoffentlich guten Ergebnissen und damit zu einer entsprechend guten Stimmung. Außerdem darf sich kein Springer auf seinen Leistungen ausruhen und muss hart an sich arbeiten. Es gab Zeiten im deutschen Skispringen, da war das anders. Da wussten viele Springer, dass sie ohnehin bei den Weltcups dabei sind und mussten so auch nicht ans Limit gehen.

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Markus Eisenbichler: Geburtsdatum: 03.04.1991; Ski-Club: TSV Siegsdorf.
Markus Eisenbichler: Geburtsdatum: 03.04.1991; Ski-Club: TSV Siegsdorf. © picture alliance/dpa/SOPA Images via ZUMA Wire | Milos Vujinovic
Karl Geiger: Geburtsdatum: 11.02.1993; Ski-Club: SC Oberstdorf
Karl Geiger: Geburtsdatum: 11.02.1993; Ski-Club: SC Oberstdorf © picture alliance/dpa/STA | -
Martin Hamann: Geburtsdatum: 10.04.1997; Ski-Club: SG Nickelhütte Aue
Martin Hamann: Geburtsdatum: 10.04.1997; Ski-Club: SG Nickelhütte Aue © picture alliance/dpa | Daniel Karmann
Severin Freund: Geburtsdatum: 11.05.1988; Ski-Club: WSV-DJK Rastbüchl
Severin Freund: Geburtsdatum: 11.05.1988; Ski-Club: WSV-DJK Rastbüchl © picture alliance/dpa | Arne Dedert
Pius Paschke: Geburtsdatum: 20.05.1990; Ski-Club: SC Kiefersfelden
Pius Paschke: Geburtsdatum: 20.05.1990; Ski-Club: SC Kiefersfelden © picture alliance/dpa/KEYSTONE | Alexandra Wey
Andreas Wellinger: Geburtsdatum: 28.08.1995; Ski-Club: SC Ruhpolding
Andreas Wellinger: Geburtsdatum: 28.08.1995; Ski-Club: SC Ruhpolding © picture alliance/dpa | Daniel Karmann
Constantin Schmid: Geburtsdatum: 27.11.1999; Ski-Club: WSV Oberaudorf
Constantin Schmid: Geburtsdatum: 27.11.1999; Ski-Club: WSV Oberaudorf © picture alliance/dpa/NTB | Vidar Ruud
Stephan Leyhe: Geburtsdatum: 05.01.1992; Ski-Club: SC Willingen
Stephan Leyhe: Geburtsdatum: 05.01.1992; Ski-Club: SC Willingen © picture alliance/dpa | Swen Pförtner
Bundestrainer: Stefan Horngacher. Geburtsdatum: 20.09.1969. Im Amt seit: April 2019.
Bundestrainer: Stefan Horngacher. Geburtsdatum: 20.09.1969. Im Amt seit: April 2019. © picture alliance/Daniel Karmann/dpa

Gibt es signifikante Regeländerungen zur neuen Saison?

Hannawald: Nur am Anzug gibt es kleine Änderungen. Die Anzüge sind nun auch 5cm ober - und unterhalb des Taillenbandes enger und haben weniger Spielraum. Aber das sollte kein Problem darstellen. Das haben mir die deutschen Springer während des Trainingslagers in Garmisch-Partenkirchen so auch bestätigt.

Wer sind die Favoriten auf den Gesamtweltcup?

Hannawald: Mein Topfavorit ist Ryoyu Kobayashi. Ich bin großer Fan seines effektiven Sprungstils und gehe davon aus, dass er aus der schwierigen Vorsaison viel gelernt hat. Die damaligen Regeländerungen und der Trainerwechsel im japanischen Team bedeuteten für ihn eine große Umstellung. Er hat sich aus dieser Situation herausgearbeitet, während der Sommer-Wettbewerbe hat er mich extrem überzeugt. Natürlich muss man auch Halvor Egner Granerud auf der Liste haben. Er hat den Weltcup in der letzten Saison dominiert und auch im Sommer gute Leistungen gezeigt. Kobayashi und Granerud werden sich einen spannenden Zweikampf liefern, aber auch Geiger und Eisenbichler traue ich viel zu. Wir dürfen uns auf eine packende Saison freuen.

Vierschanzentournee, Olympia, Skiflug-WM. Was ist Ihr Highlight in dieser Saison?

Hannawald: Die Vierschanzentournee wird immer mein Favorit bleiben. Auf dieses Highlight fiebere ich in jeder Saison, auch als nicht mehr Aktiver hin. Aber auch zum Skifliegen habe ich eine besondere Beziehung, daher freue ich mich auch schon auf die WM in Vikersund. Olympia ist dahingehend besonders, da es nur alle vier Jahre stattfindet und in der Öffentlichkeit einen hohen Stellenwert hat.

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Wie präsent ist Olympia in den Köpfen der Athleten?

Hannawald: Zu meiner aktiven Zeit hatte ich das zu Saisonbeginn im Hinterkopf. Der erste Fokus lag aber klar auf der Vierschanzentournee. Ich habe in Etappen gedacht. Und die erste große Etappe war immer, zur Tournee in guter Form zu sein.

Welche Rolle spielt die Olympia-Norm?

Hannawald: Auch die ist im Hinterkopf mit dabei und man ist erleichtert, wenn man sie geknackt hat. Sie sollte aber keine zu große Rolle einnehmen. Sonst droht man zu verkrampfen und nur in Zahlen zu denken. Letztlich muss man zusehen, dass man seine Leistungsvermögen abruft. Dann kommt die Olympia-Norm von ganz alleine.

Olympia 2022: Alle Skispringen-Termine der Olympischen Spiele in Peking

Die Wettbewerbe bei den Olympischen Spielen finden auf 1700 Metern Höhe statt. Welchen Einfluss hat das aufs Skispringen?

Hannawald: Das Druckempfinden unter dem Ski ist kaum mehr vorhanden, der ganze Ablauf wird dadurch sensibler. Athleten, die einen aggressiveren Sprungstil haben, laufen Gefahr, dass sie überdrehen und dadurch keine Chance mehr haben. Das ist den Springern aber bewusst, entsprechend werden sie darauf auch reagieren.

Die Athleten kennen die Schanzen in Peking nicht. Wie schnell passt man sich als Skispringer neuen Schanzen an?

Hannawald: Das ist von Athlet zu Athlet unterschiedlich. Manch einer kommt direkt mit den Gegebenheiten zurecht, der andere braucht etwas länger. Letztlich ist aber auch hier von zentraler Bedeutung, in welcher Form man sich befindet. Wer gut drauf ist, kommt auch mit einer unbekannten Schanze gut zurecht.

Vor 20 Jahren gewannen Sie als letzter Deutscher Athlet die Vierschanzentournee. 20 Jahre sind extrem viel für eine Skisprung-Nation wie Deutschland . . .

Hannawald: Ich hätte mir auch nicht vorstellen können, dass in 20 Jahren kein Deutscher mehr die Tournee gewinnt. In vielen Jahren hatten wir mindestens einen Top-Springer mit dabei. Trotzdem hat es nicht zum Gesamtsieg gereicht. Vielleicht klappt es ja in dieser Saison. Ein rundes Jubiläum wäre dann auch der entsprechend würdige Rahmen.

Skispringen: Alle Infos zum Weltcup 2021/22

Warum tun sich die sonst so erfolgreichen deutschen Adler bei der Vierschanzentournee so schwer?

Hannawald: Eine Rolle spielt sicher, dass die ganzen Abläufe bei der Tournee für deutsche Springer aufwendiger sind als während gewöhnlichen Weltcups. Man hat mehr Termine, die Aufmerksamkeit steigt stark an und es entsteht durch die Erwartungshaltung in der Öffentlichkeit auch eine andere Drucksituation. Das alleine reicht aber nicht als Erklärung. Oft sind die deutschen Springer auf der ersten Tournee-Station in Oberstdorf sehr erfolgreich gewesen. Anschließend hat es aber aus unterschiedlichen Gründen nicht zum Gesamtsieg gereicht. Und das waren meist ganz gewöhnliche sportliche Gründe.

Sie werden auch in dieser Saison wieder im Ersten als Experte zu sehen sein. Werden Sie wieder an den Schanzen sein oder wie im letzten Jahr aus dem Studio in Köln übertragen?

Hannawald: Wir werden bei fast allen Weltcups an den Schanzen sein. Zum Saisonstart in Nizhny Tagil werden wir aus dem Studio senden. Ansonsten sind wir vor Ort. Darauf freue ich mich sehr. Die Berichterstattung ist authentischer. Man kann die Bedingungen viel besser greifen und sieht auch die Sportler. Dinge wie Körpersprache oder die Grundstimmung eines Teams lassen sich über TV-Bilder und Ergebnislisten nur sehr schwer einschätzen.

Lea Wagner löst Matthias Opdenhövel als Moderatorin im Ersten ab. Gibt es auch im TV-Bereich eine Art ‚Vorbereitung‘ auf die neue Saison?

Hannawald: Wir waren gemeinsam beim DSV-Trainingslehrgang in Garmisch-Partenkirchen und haben da schon viele Dinge abgesprochen. Ich freue mich sehr auf die neue Saison mit Lea. Sie ist sehr wissbegierig und stellt unheimlich viele Fragen. Das ist die beste Grundvoraussetzung für diesen Job.

Sendehinweis: Lea Wagner und Sven Hannawald sind am Samstag und Sonntag im Ersten im Rahmen der Sportschau zu sehen. Die Skispringen-Übertragungen beginnen jeweils um 15:45 Uhr. Bereits am Freitag sind die beiden im Livestream der ARD-Mediathek zu sehen und führen ab 16:20 Uhr durchs Programm.

Quelle: chiemgau24.de

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