Veggie-Burger

Die verrückteste Aktie der Welt - Kurssturz bei Beyond Meat

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Die Produkte von  Beyond Meat sind für Konkurrenten einfach zu kopieren.
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Erst steigt der Wert des Veggie-Burger-Hersteller Beyond Meat in absurde Höhen. Dann verliert die Aktie kräftig an Wert. Die Analyse.

Update, 30.7. 14.15 Uhr: Der kräftig gehypte Veggie-Burger-Hersteller Beyond Meat hat an der Börse kräftig an Wert verloren. Die Aktie fiel am Dienstagvormittag auf 175 Euro, nachdem sie am Montag zeitweise noch bei 215 Euro notiert hatte. Ein Minus von 40 Euro oder fast einem Fünftel innerhalb von 24 Stunden.

Neben der Tatsache, dass die Aktie nach Ansicht fast aller Marktbeobachter trotz des starken Wachstums des Unternehmens völlig überbewertet ist, dürfte die Ankündigung einer Kapitalerhöhung vom Montagabend die wesentliche Ursache für den Kurssturz sein. Nur drei Monate nach dem Börsengang der jungen Firma sollen drei Millionen weitere Aktien auf den Markt kommen. Dadurch wird der Wert der derzeitigen Anteile verwässert. Außerdem dürfte die Anleger irritieren, dass Unternehmensgründer Ethan Brown und sein Finanzchef Mark Nelson insgesamt rund 100.000 Aktien verkaufen wollen. Das könnte als Zeichen dafür gewertet werden, dass sie selber die Zukunft des Unternehmens weniger optimistisch sehen als die Investoren.

Tatsächlich wird sich der Wettbewerb auf dem Markt für fleischlose Burger und Steaks enorm verschärfen. Große Konkurrenten wie Nestlé, Kellogg’s und Tyson Foods drängen in den Markt. Auch Start-ups wie Impossible Foods, das Burger King mit seinen Patties beliefert, wollen in dem Geschäft mitmischen. Am Montag kündigte zudem der deutsche Discounter Lidl an, sein eigenes Produkt zu lancieren – kurz nachdem die Kette zweimal sehr erfolgreich Burger-Patties von Beyond Meat verkauft hatte. Der Kampf um den Markt für vegetarische „Fleischwaren“, dem Analysten eine große Zukunft voraussagen, ist lanciert.

Bei den Quartalszahlen für den Zeitraum April bis Juni hat Beyond Meat allerdings geglänzt. Der Umsatz legte um 287 Prozent auf umgerechnet 60,45 Millionen Euro zu. Damit übertraf das Unternehmen die hohen Erwartungen der Investoren sogar. Das Unternehmen machte aber weiterhin einen Verlust: unter dem Strich stand ein Minus von umgerechnet 8,4 Millionen Euro.

Wert des Veggie-Burger-Herstellers Beyond Meat steigt in absurde Höhen

Erstmeldung, 29.7. 15.35 Uhr: Die Rallye kennt kein Ende: Der US-amerikanische Hersteller von fleischlosen Burgern, Beyond Meat, wird drei Monate nach seinem Börsengang von Investoren zu einem Wert von 12,9 Milliarden Euro gehandelt. Für eine einzelne Aktie wurden am Montag zeitweise 215 Euro aufgerufen. Damit legte der Wert eines Anteilsscheins innerhalb von einer Woche um 60 Euro zu. Seit dem Börsengang beträgt das Plus 190 Euro – oder 760 Prozent. Diese Bewertung ist lächerlich.

Das Geschäft mit tierfreien Burgern, Steaks oder Speck hat eine große Zukunft – kein Zweifel. Es passt zum Zeitgeist, die Produktion ist effizienter und für den Planeten unzweifelhaft besser zu ertragen als die hochgradig zerstörerische Fleischproduktion. Die Investmentbank JP Morgan und die Unternehmensberatung A.T. Kearney sehen ein gewaltiges Potenzial. Eine milliardenschwere Industrie könnte komplett umgekrempelt werden. „Wir stehen vor nichts weniger als dem Ende der Fleischproduktion, wie wir sie kennen“, heißt es bei A.T. Kearney.

Beyond Meat baut keine Monopolstellung auf

Das sollte allerdings nicht den Blick auf die Realität verstellen. Dass Beyond Meat bisher kaum Geld einnimmt und keinen Gewinn macht, ist dabei der unbedeutendere Aspekt. Investoren kaufen bei Wachstumsfirmen nicht den Status Quo, sondern die Zukunft. Die sieht mit Blick auf das Wachstum des Unternehmens vielversprechend aus. Die Produkte sind in immer mehr Supermärkten zu erhalten. Die Umsätze verdoppeln und verdreifachen sich von Quartal zu Quartal. Doch das ist bei dieser Firma und diesem Marktsegment nicht entscheidend.

Denn bei Beyond Meat* gibt es einen wichtigen Unterschied zu anderen vielversprechenden kalifornischen Firmen, die an die Börse gegangen sind: Der Burger-Hersteller ist keineswegs dabei, eine Monopol- oder Duopol-Stellung zu erringen, wie das zum Beispiel Google, Amazon oder Uber gelungen ist. Die Produkte des Unternehmens sind für Konkurrenten einfach zu kopieren. Nestlé hat binnen eines Jahres seinen eigenen Burger entwickelt, der nun von McDonald’s genutzt wird. Kellogg’s ist mit Morningstar Farms groß vertreten in dem Segment und der Fleischriese Tyson Foods hat eine Offensive angekündigt. Hinzu kommt eine Armada von Startups in diesem Bereich.

Der Wettbewerb wird folglich brutal hart werden.* Und Kapitalisten wissen: Wettbewerb ist schlecht für Umsatz und Gewinne. Das erlebt aktuell gerade iRobot. Der einstmals hochgehandelte Hersteller der populären Saugroboter stellt ebenfalls ein einfach zu kopierendes Produkt her – und muss derzeit miterleben, wie ihm traditionelle Haushaltsgerätehersteller und asiatische Konkurrenten den Markt streitig machen. Ein ums andere Mal muss das Management seine Ziele eindampfen. Auch der starke Firmenname schützt nicht.

Beyond Meat: Absturzrisiko für die Aktie

Wer bei Beyond Meat einsteigen will, sollte noch etwas weiteres im Blick haben: Sehr viele Investoren haben auf fallende Kurse gewettet. Das funktioniert so: Sie leihen sich Aktien, verkaufen diese, und kurz bevor sie sie an den regulären Besitzer zurückgeben müssen, kaufen sie frische Papiere am Markt. Wenn die Kurse in der Zwischenzeit allerdings nicht gefallen, sondern gestiegen sind und die Verkaufslust der anderen Anleger gering ist, müssen sie sich zu hohen Preisen mit Anteilsscheinen eindecken. Auch das könnte den aktuellen Börsenhype erklären und würde das Absturzrisiko für die Aktie noch erhöhen.

Von Daniel Baumann

*fr.de ist Teil ist des bundesweiten Ippen Digital Redaktionsnetzwerks

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