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Nach Warnstreiks an Flughäfen: Keine weiteren Streiks - vorerst

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Reisende stehen in langer Schlange vor einer Sicherheitskontrolle des Frankfurter Flughafens. Solche Bilder soll es vorerst nicht mehr geben. Foto: Andreas Arnold/Archiv

Nach den Warnstreiks an mehreren deutschen Flughäfen hat Verdi eine Streikpause bis zu den neuen Gesprächen angekündigt.

Update vom 17. Januar 2019: 

Nach den Warnstreiks des Sicherheitspersonals vom Dienstag an acht deutschen Flughäfen will die Gewerkschaft Verdi vorerst nicht zu weiteren Arbeitsniederlegungen aufrufen. "Wir haben uns zu einer Streikpause entschlossen, nachdem die Arbeitgeber heute signalisiert haben, dass sie in der nächsten Verhandlungsrunde ein abschlussorientiertes Angebot für die Beschäftigten der privaten Flugsicherheitsunternehmen vorlegen werden", erklärte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Ute Kittel am Donnerstag in Berlin.

Die Gewerkschaft will dieses Angebot demnach nun zunächst abwarten. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den kommenden Mittwoch vorgesehen. Verdi-Verhandlungsführer Benjamin Roscher hob hervor, die Warnstreiks hätten zu der Bewegung auf Seiten der Arbeitgeber beigetragen. Mit der nun angekündigten Streikpause könnten sich die Passagiere darauf verlassen, dass es bis zu den neuen Gesprächen zu keinen weiteren Arbeitsniederlegungen kommen werde.

Wegen der Warnstreiks des Sicherheitspersonals an den Flughäfen waren am Dienstag allein in Frankfurt am Main mehr als 600 Flüge gestrichen worden. Auch an weiteren Flughäfen kam es zu Ausfällen. Die Gewerkschaften fordern für die Beschäftigten im Sicherheitsbereich der Flughäfen einen Stundenlohn von 20 Euro.

Erstmeldung: Flughafenverband: 180.000 Reisende von Warnstreik betroffen

Berlin - Etwa 180.000 Passagiere werden am kommenden Dienstag nach Einschätzung des Flughafenverbands ADV (Flughafen Frankfurt: Zoll macht krassen Fund aus Darknet in Lautsprecher)von den Folgen des Warnstreiks an mehreren deutschen Airports betroffen sein.

Hinzu kämen noch weitere zehntausend Passagiere an jenen Airports, von denen keine Flüge zu den bestreikten Flughäfen rausgehen könnten, teilte der Verband am Sonntag in Berlin mit.

Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel kritisierte die Gewerkschaft Verdi scharf: "Es ist unverantwortlich von Verdi, die Streiks bis zum Exzess auszudehnen." Jede Dimension eines Warnstreiks werde gesprengt. "Mir fehlt jedes Verständnis dafür, dass Verdi die Streiks auf dem Rücken der Reisenden, der Fluggesellschaften und der Flughäfen austrägt", fügte er hinzu.

An insgesamt sechs Flughäfen ist das Sicherheitspersonal am kommenden Dienstag zur Arbeitsniederlegung aufgerufen, darunter Deutschlands größter Airport in Frankfurt am Main. Auch für die Flughäfen Hannover, Bremen, Leipzig/Halle, Dresden und Erfurt wurden Warnstreiks angekündigt.

Ein Sprecher des Flughafens Frankfurt sagte, ein spezielles Team solle sich um die Passagiere kümmern, die wegen des Streiks nicht wie geplant in einen Flieger steigen können. Dazu gehöre etwa die Bereitstellung von Verpflegung, Decken und Feldbetten. Der Ausstand am kommenden Dienstag könnte den Flughafen in Frankfurt weitgehend lahmlegen. Die Gewerkschaften Verdi und DBB haben die etwa 5000 Mitarbeiter, die dort für die Kontrolle von Passagieren und Fracht zuständig sind, zu einem fast ganztägigen Warnstreik aufgerufen.

Reisende sollten die Flughäfen in dieser Zeit meiden

"Auch wenn wir gut vorbereitet sind, wir empfehlen Reisenden während des Streiks nicht zum Flughafen zu kommen", sagte der Sprecher. Besser sei es, wenn sich die Menschen bei den Airlines nach Umbuchungen oder sonstigen Alternativen erkundigten. "Die Sicherheitskontrollen außerhalb des Transitbereichs werden nicht besetzt sein. Fluggäste, die ab Frankfurt reisen, werden daher während der gesamten Streikdauer keine Möglichkeit haben, ihren Flug zu erreichen", teilte der Flughafenbetreiber Fraport mit.

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Reisende die in Frankfurt zwischenlanden und bereits kontrolliert wurden, müssen - sofern sie im Sicherheitsbereich bleiben - nicht mit Komplikationen rechnen. Das seien etwa 60 Prozent aller Passagiere, sagte der Fraport-Sprecher. Wäre kein Streik, würden am kommenden Dienstag am Flughafen in Frankfurt normalerweise etwa 135.000 Passagiere abgefertigt.

Verdi und DBB haben das Sicherheitspersonal am Frankfurter Flughafen dazu aufgerufen, am Dienstag die Arbeit in der Zeit von 2.00 Uhr bis 20.00 Uhr niederzulegen. "Es ist außerdem nicht auszuschließen, dass weitere Flughäfen in den Warnstreik einbezogen werden", drohte Verdi. "Ab 20 Uhr wird der Flugbetrieb auch für Zusteiger in Frankfurt wieder anlaufen, es ist aber auch danach mit Beeinträchtigungen und Verzögerungen zu rechnen", prognostizierte Fraport.

Fraport hat zwar bis zu 800 eigene Sicherheitsbeschäftigte, die den Notbetrieb aufrechterhalten sollen. Lücken während eines Ausstands kann der Betreiber aber nicht mit externem Personal auffüllen. Denn an den Kontrollstellen dürfen nach dem Luftsicherheitsgesetz nur speziell ausgebildete Mitarbeiter eingesetzt werden. Die Lufthansa bietet ihren Kunden an, Flüge ab Frankfurt an dem betroffenen Tag ab sofort kostenlos auf ein Datum zwischen dem 11. und dem 20. Januar umzubuchen. Flugstreichungen will die Gesellschaft am Sonntagnachmittag auf ihrer Internetseite veröffentlichen.

Anlass des Ausstands ist der laufende Tarifkonflikt, in dem die Gewerkschaften für die bundesweit 23.000 Beschäftigten im Bereich der Passagier-, Fracht-, Personal- und Warenkontrolle an den Flughäfen eine einheitliche Bezahlung fordern. Verdi verlangt brutto 20 Euro pro Stunde, der DBB fordert einen Stundenlohn von 19,50 Euro. Bislang sind die Stundenlöhne in der Branche regional sehr unterschiedlich geregelt. Die Beschäftigten verdienen in einer Spanne von 11,30 Euro (Gepäck- und Personalkontrolleure in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt) bis 17,16 Euro (Passagierkontrolleure in Baden-Württemberg).

Der erneute Streikaufruf sei notwendig geworden, weil der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) "weder auf das starke Signal der Beschäftigten durch die Warnstreiks in Berlin-Tegel und Schönefeld am vergangen Montag noch auf die Warnstreiks in Düsseldorf, Köln-Bonn und Stuttgart am vergangenen Donnerstag mit einem verhandlungsfähigen Angebot reagiert" habe, sagte Verdi-Verhandlungsführer Benjamin Roscher. DBB-Verhandlungsführer Volker Geyer kommentierte: "Die Arbeitgeber lassen uns mit ihrer Blockadehaltung leider keine andere Wahl."

Nach Verdi-Angaben hat der BDLS der jüngsten Verhandlungsrunde am 20./21. Dezember 2018 sein Angebot für eine Entgelterhöhung von 1,8 Prozent auf 2,0 Prozent pro Jahr bei einer zweijährigen Vertragslaufzeit erhöht. Die Lohnangleichung für ostdeutsche Bundesländer soll demnach erst nach fünf Jahren beendet sein.

Dem widersprach die Arbeitgeberseite: Das aktuelle Angebot der Arbeitgeber liege bei bis zu 6,4 Prozent mehr Lohn pro Jahr. Bereits im Dezember habe der Verband zudem sehr deutlich kommuniziert, dass man zu einer weiteren Erhöhung und zu zügigen Verhandlungen ab Jahresanfang bereit sei, erklärte der BDLS. "Die Gewerkschaft fordert weiterhin stur 20 Euro pro Stunde für alle Beschäftigten und schädigt mit den völlig ausufernden Streikmaßnahmen Passagiere, Flughäfen und Fluggesellschaften massiv", kritisierte BDLS-Verhandlungsführer Rainer Friebertshäuser. "Die Gewerkschaft überspannt den Bogen mit diesen Maßnahmen zunehmend."

Am 23. Januar wollen sich Verdi und Arbeitgeber in Berlin zu ihrer fünften Verhandlungsrunde in dem Tarifkonflikt wieder an einen Tisch setzen. Der nächste Verhandlungstermin von DBB und BDLS ist für den 24. Januar 2019 ebenfalls in Berlin vereinbart. Ute Fritzel, Sprecherin des Verdi Landesbezirks Hessen, sagte mit Blick auf die Gespräche, man erwarte nach den eindrucksvollen Streiks ein verbessertes Angebot der Gegenseite.

dpa

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