Raucher geizen und drehen lieber selbst

Zigarette
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Im Vergleich zum Vorjahr gab es im Jahr 2010 200 Millionen Euro weniger Einnahmen aus der Tabak-Steuer.

Wiesbaden - Die Raucher in Deutschland geizen bei ihrem Laster - und bringen dem Fiskus damit weniger Geld ein. Die Einnahmen aus der Tabaksteuer sanken im vergangenen Jahr um 200 Millionen Euro.

Die Einnahmen aus der Tabaksteuer sanken im vergangenen Jahr um 1,5 Prozent oder 200 Millionen Euro auf 13,4 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. 2005 hatte die Tabaksucht dem Staat noch 900 Millionen Euro mehr eingebracht.


Ein Grund für diese Tendenz: Seit Jahren steigen immer mehr Raucher auf losen Tabak zum Selberdrehen um. So wurden im vergangenen Jahr 83,6 Milliarden Zigaretten versteuert - das waren 3 Milliarden weniger als 2009 und sogar 55 Milliarden weniger als 2000, wie die Statistiker ausrechneten. Hingegen steigt der Absatz von Feinschnitt stetig, zuletzt um 4,4 Prozent auf 25 486 Tonnen.

Rauchverbote in den Bundesländern

Gesetze zum Nichtraucherschutz gibt es in allen Bundesländern. © dpa
Seit August 2010 gilt in Bayern wieder ein striktes Rauchverbot. Ein Überblick über die Bundesländer: © dpa
BADEN-WÜRTTEMBERG: Gaststätten müssen rauchfrei sein, können aber abgeschlossene Raucherräume einrichten. Rauchen in Einraumkneipen, ist erlaubt. In Diskotheken darf nur in vollständig abgetrennten Nebenräumen ohne Tanzfläche gequalmt werden, wenn sie nicht von Jugendlichen besucht werden. Das Rauchen in Festzelten ist erlaubt. © dpa
BAYERN: Von August an ist Qualmen in Gaststätten, Kneipen und Bierzelten ausnahmslos verboten. © dpa
Auf dem Oktoberfest darf in diesem Jahr noch geraucht werden, im nächsten nicht mehr. © dpa
BERLIN: Rauchen ist nur in abgetrennten Raucherräumen von Restaurants und Kneipen erlaubt sowie in Kneipen, die kleiner als 75 Quadratmeter sind. Clubs und Diskotheken, die auch von unter 18-Jährigen besucht werden, müssen rauchfrei sein. Wenn nur Erwachsene Zutritt haben, dürfen separate Raucherräume eingerichtet werden. © dpa
In Shisha(Wasserpfeifen)-Gaststätten ohne Alkoholausschank darf geraucht werden, wenn Minderjährige draußenbleiben. © dpa
BRANDENBURG: In Brandenburg darf geraucht werden, wenn die Gastfläche nicht größer als 75 Quadratmeter ist, kein abgetrennter Nebenraum existiert und keine zubereiteten Speisen angeboten werden. Das Lokal muss als Rauchergaststätte gekennzeichnet sein. Bei größeren Einheiten darf ein Raum für Raucher abgetrennt werden. © dpa
BREMEN: In Gaststätten und Diskotheken sind separate Raucherräume erlaubt, wenn Minderjährige keinen Zutritt haben. In Einraumgaststätten bis 75 Quadratmeter darf geraucht werden, wenn sie als Raucherkneipe gekennzeichnet sind und unter 18-Jährige keinen Eintritt haben. In Festzelten, auf Jahrmärkten und Volksfesten müssen Nichtraucher den blauen Dunst ertragen. © dpa
HAMBURG: Bisher durfte nur in Kneipen geraucht werden. Doch nun ist in Hamburg auch die Zigarette zum Essen erlaubt. Voraussetzung: Ein abgetrennter Raucherraum. © dpa
HESSEN: In Einraumkneipen darf gequalmt werden, in größeren Gaststätten und Diskotheken nur in Nebenräumen. In Festzelten, die nur vorübergehend betrieben werden, gilt das gesetzliche Rauchverbot nicht. © dpa
MECKLENBURG-VORPOMMERN: Tabakqualm ist in Kneipen und Restaurants nur in separaten Nebenräumen erlaubt. Für Einraumkneipen gelten Ausnahmen. In Diskotheken darf generell nicht geraucht werden. © dpa
NIEDERSACHSEN: In Restaurants, Kneipen und Diskotheken ist Rauchen nur in abgetrennten Räumen erlaubt. In Einraumkneipen darf geraucht werden, wenn dort kein Essen serviert wird. Die Kneipe muss als Rauchergaststätte gekennzeichnet werden, Jugendliche unter 18 Jahren haben keinen Zutritt. © dpa
NORDRHEIN-WESTFALEN: Rauchen ist in Einraumgaststätten erlaubt, die nicht größer als 75 Quadratmeter sind. Sie müssen als Raucherkneipen gekennzeichnet sein, Jugendlichen unter 18 Jahren dürfen keinen Zutritt haben, und in solchen Kneipen dürfen keine zubereiteten Speisen serviert werden. In Diskotheken darf nur in abgetrennten Räumen gequalmt werden. © dpa
SAARLAND: Der blaue Dunst ist derzeit nur in separaten Nebenräumen, in einer inhabergeführten Gaststätte oder einer Gaststätte mit einem Schankraum unter 75 Quadratmetern ohne Speisenangebot erlaubt. Nach einem neuen Gesetz soll das Rauchen bald in allen Gastronomiebetrieben grundsätzlich verboten sein. Die Regel sollte ursprünglich von Juli an gelten, wurde aber Ende Juni vom Verfassungsgerichtshof nach Klagen von Gastwirten vorläufig gestoppt. Die Richter wollen im kommenden Jahr in der Sache entscheiden. © dpa
SACHSEN: Kneipen können einen separaten Raucherraum einrichten. Außerdem dürfen Einraum-Gaststätten, Spielhallen und Diskotheken ihren Gästen das Qualmen erlauben, wenn Minderjährige keinen Zutritt haben. Zulässig ist das Rauchen außerdem bei geschlossenen Gesellschaften wie bei Familienfeiern. © dpa
SACHSEN-ANHALT: Gaststätten können einen Raucherraum einrichten, Jugendliche dürfen diesen nicht betreten. In Einraumkneipen darf gequalmt werden, in Nebenräumen von Diskotheken nur, wenn Minderjährige generell keinen Zutritt haben. © dpa
SCHLESWIG-HOLSTEIN: Gequalmt wird in Einraumkneipen und in Nebenräumen von Gaststätten. In diese Nebenräume dürfen nur Erwachsene. Vorübergehend aufgestellte Festzelte sind vom Rauchverbot ausgenommen. © dpa
THÜRINGEN: Thüringen hat sein Nichtraucherschutzgesetz im Juni abgeschwächt. Damit darf in Einraumkneipen wieder offiziell geraucht werden. In größeren Gaststätten ist der Griff zum Glimmstängel nur in separaten Raucherräumen erlaubt. © dpa

Insgesamt sank der Umsatz mit Tabakwaren im Kleinverkauf im vergangenen Jahr um rund 257 Millionen Euro (minus 1,1 Prozent) im Vergleich mit 2009 auf 22,5 Milliarden Euro. Dabei ging der Umsatz mit Zigaretten um 2,2 Prozent auf 19,2 Milliarden Euro zurück, während die Erlöse aus dem Verkauf von Feinschnitt um 6,0 Prozent auf knapp 2,6 Milliarden stiegen.

Der Verband der deutschen Rauchtabakindustrie (VdR) begründete den Trend hin zum Selberdrehen unter anderem mit der wirtschaftlich angespannten Lage vieler Tabakkonsumenten: Wer knapp bei Kasse sei, aber weder billiger Schmuggelware noch Produktfälschungen verqualmen wolle, setze auf Feinschnitt.

Allerdings könne sich das Blatt ab Mai 2011 wenden. Dann tritt die erste von fünf Tabaksteuererhöhungen in Kraft, die die mehrheitlich mittelständischen Hersteller und Importeure von Feinschnitt nach Einschätzung des Verbands unter besonderen Druck setzen dürfte: Die für Feinschnitt überproportional hohe Tabaksteueranhebung zwinge die günstigen Preisklassen zu steuerbedingten Preissteigerungen um bis zu 60 Cent je 40 Gramm. Daher erwartet der VdR 2011 nach mehreren Wachstumsjahren einen Absatzrückgang um bis zu fünf Prozent.

Die geplante Tabaksteuererhöhung der schwarz-gelben Koalition wird auch Glimmstängel weiter verteuern: Bis 2015 steht eine jährliche Preissteigerung um vier bis acht Cent bei einer Zigarettenpackung mit 19 Stück an. Schon im vergangenen Jahr mussten Raucher für ihre Sucht tiefer in die Tasche greifen: Tabakwaren waren im Schnitt 2,2 Prozent teurer als ein Jahr zuvor.

dpa

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