Zehntausende betroffen

Sparkasse kündigt Sparverträge ihrer treuesten Kunden - das sollen Betroffenen jetzt tun

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Die Sparkasse Nürnberg hat die Sparverträge von 16.000 Kunden gekündigt.
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Die Sparkasse Nürnberg hat die Prämiensparverträge von 16.000 Kunden bis Ende September gekündigt. So verhalten Sie sich nun richtig. 

Update vom 26. September, 16.00 Uhr: Auch die Sparkasse München hat nun 28.000 Sparverträge aufgekündigt. Die Kunden reagieren sauer.

Update vom 30. Juli, 14.45 Uhr: Vor mehr als zehn Jahren abgeschlossene Prämiensparverträge könnten für viele Sparkassen offenbar zum Problem werden - deshalb will zumindest die Sparkasse Nürnberg die entsprechenden Verträge einfach kündigen. 16.000 Kunden sind davon betroffen. Doch die sind deutschlandweit offenbar nicht die einzigen Leidtragenden. Eine ARD-Doku will kürzlich aufgedeckt haben, dass Sparkassen systematisch mit miesen Tricks ihre Kunden betrügen.

„Der Schwerpunkt der Kündigungswelle war zuletzt Ostdeutschland aber wir rechnen damit, dass es bald bundesweit weitere Fälle geben wird“, sagte Andrea Heyer, Referatsleiterin Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Sachsen, der Bild. Ihr zufolge berufen sich die Banken bei ihren Kündigungen auf eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 14. Mai 2019.

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Im Falle einer Kündigung der Sparkasse nicht in Panik verfallen

Diese besagt, dass Sparkassen unbefristete Verträge kündigen dürfen, wenn die höchste Prämienstufe erreicht ist. Diese Regel gilt aber nicht für befristete Verträge. „Das BGH-Urteil ist noch kein Freibrief für Sparkassen, jeden Prämien-Sparvertrag zu kündigen“, sagte Heyer. Sie rät: „Kunden sollten nicht in Panik verfallen, sondern ihren Vertrag erst einmal rechtlich und rechnerisch prüfen lassen. Oft stehen nach unserer Ansicht den Kunden auch noch hohe Zinsnachzahlungen zu.“

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Außerdem legt die Stiftung Warentest den Betroffenen nahe, das Geld vorerst auf dem Sparbuch zu lassen. Andernfalls akzeptiere der Nutzer die Kündigung automatisch. 

Trotz garantierter Zinsen - Sparkasse kündigt Sparverträge ihrer treuesten Kunden 

Erstmeldung vom 29. Juli, 12.58 Uhr: Nürnberg - Wohin steckt der Deutsche sein hart erarbeitetes Geld? Gerade in Zeiten von Niedrigzinsen bekommt diese Frage eine zusätzliche Brisanz. Konservative Anleger bekommen kaum noch Zinsen auf Sparverträge oder Tagesgeldkonten und müssen in Zukunft wohl sogar mit Negativzinsen rechen, wollen sie ihr Geld bei einer Bank lagern. 

Sparkasse kündigt Sparverträge von 16.000 Kunden - 50 Prozent Zinsen wurden versprochen

Glücklich schätzen durften sich bislang vor allem die Sparer, die sich beispielsweise in den 90er-Jahren Gedanken um ihr Geld gemacht haben und dabei langfristige Sparverträge abgeschlossen haben. So wurde auch bei der Sparkasse Nürnberg zwischen 1993 und 2005 21.000 sogenannte Prämiensparverträge abgeschlossen. Das Werbe-Versprechen damals: nach 15 Jahren Anlagezeit erhält der Sparer garantierte Prämien in Höhe von 50 Prozent auf die jährlich eingezahlten Beiträge.

50 Prozent ist ein astronomisch hoher Zinssatz, den die Sparkasse ihren treusten Kunden angeboten hat. Gerade im Vergleich zu den heutzutage üblichen Zinsen muss man kein Wirtschaftsexperte sein, um festzustellen, dass diese Prämiensparverträge für die Sparkasse zum Verlustgeschäft geworden sind. Aus wirtschaftlicher Sicht ist also klar, dass das Unternehmen etwas gegen die Sparverträge unternehmen muss. 

Sparkasse könnte mit Kündigungen durchkommen - Verbraucherschützer raten Betroffenen zur Klage

Und die Reaktion der Sparkasse ist nun auch bei den Kunden angekommen. 16.000 Kunden, die über einen Prämiensparvertrag bei der Sparkasse Nürnberg verfügen, soll dieser bis Ende September gekündigt worden sein, wie bild.de berichtet. Für die Sparer natürlich ein herber Rückschlag, aber das Unternehmen könnte mit den Kündigungen durchkommen. Erst im Mai hatte der Bundesgerichtshof in einem ähnlichen Fall zugunsten der Sparkasse in Stendal (Sachsen-Anhalt) entschieden. 

Besonders kurios: die Sparkassen nehmen von den Niedrigzinsen nicht nur Schaden. Kredite die vor Jahren zu hohen Zinsen aufgenommen wurden, müssen natürlich vertragsgerecht - mit den hohen Zinsen von damals - zurückgezahlt werden, auch wenn der Zinssatz inzwischen deutlich niedriger ist. Die Privatkunden können die Verträge selbstverständlich nicht einfach kündigen. 

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„Die Sparkassen untergraben ihre eigene Glaubwürdigkeit, wenn sie Sparverträge kündigen. Ihre Kunden haben darauf vertraut, dass gut verzinste Verträge eingehalten werden“, sagt Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes. Matthias Everding, Vorstand der Sparkasse Nürnberg, rechtfertigt jedoch die Maßnahmen: „Ein Ende der Niedrigzinsphase ist leider nicht in Sicht. Wir können daher keine Zinsen mehr zahlen, die nicht marktgerecht sind.“

Die Sparkassen kündigen immer mehr Altverträge, die Chefetagen verdienen aber nach wie vor sehr gut. 

fd

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